DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

29-10-2026 11:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 29.10.2026 um 10.30 UTC



Hochdruckrandlage. Leicht wechselhaft und mild, im Süden teils mäßig kalt.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 05.11.2026


Die anstehende Mittelfrist verläuft insgesamt ruhig und ohne markante
Wettererscheinungen. Nutzen wir die Zeit und schauen uns mal die
Hintergrundbedingungen an. Sollte nur die uns betreffende Mittelfrist von
Interesse sein, so kann der folgende Abschnitt gerne bis zur AKTUELLEN
MITTELFRIST übersprungen werden.

Bei der ENSO ergeben sich keine gröberen Abweichungen bei der Entwicklung mit
einer beeindruckenden Vorhersage von rund 83 Prozent für ein historisches
Ereignis mit Blick auf den RONI bei einer dreimonatigen Mittelung für den
Zeitraum Oktober-Dezember (neues Update Anfang November wohl noch aggressiver).
So nebenbei wird hier unterschlagen, dass unterschiedliche, selektiv gewählte
Parameter bereist historisch ausfallen.

Normalerweise wird mit einem El Nino und einhergehender reger tropischer
Konvektion ein Rossby-Wellenzug initiiert, der häufig (nicht immer) eine Tendenz
in Richtung "Pazifiktrog" bzw. zu einem gestärkten Aleuten Tief aufweist.
Allerdings muss jedes El Nino Ereignis für sich betrachtet werden, da diese u.a.
mit Blick auf die jeweiligen Schwerpunkte der zonalen SST Anomalie Diskrepanzen
aufweisen. In diesem Fall handelt es sich um ein östliches El Nino Ereignis und
hier könnten wir uns ebenfalls im Bereich eines Rekords befinden (nach
abschließender Verifikation). Auch das hat Auswirkungen auf die Platzierung der
Wellenzüge und könnte im vergangenen Monat für eine Verschiebungen der
Geopotenzialanomalien im Nordpazifik verantwortlich sein. Anstatt eines
stärkeren Signals für einen Pazifiktrog ergab sich ein deutliches Signal für
einen Pazifik-Keil, was vor allem zur Monatsmitte ausgeprägt war und was für
erste verstärkte vertikale Wellenflüsse sorgte.
Dies fiel zum Monatsende (also aktuell) mit anhaltend positiven
Geopotenzialabweichungen über Asien zusammen, was nun innerhalb dieser
Mittelfrist für ungewöhnlich intensive vertikale Wellenflüsse gut ist, die
entlang (vertikal) westwärts geneigter Rossby-Wellen besonders vom asiatischen
Sektor in Richtung des Polarwirbels in der Stratosphäre (SPW) transferiert
werden, aber auch abgeschwächt vom Nordatlantik gestützt werden, wo sich nun
ebenfalls eine intensive Blockierung entwickelt.

Die Folgen dieser kräftigen vertikal gerichteten Wellenflüsse ist ein effektiver
Angriff auf den SPW, der nun zeitnah beginnend dramatisch an Intensität einbüßt
und die Werte der zonal gemittelten Zonalwinde (60 Grad Nord, 10 hPa) auf ein
Rekordniveau drückt. In fact, es wäre gar eine Zonalwindumkehr vorstellbar (vom
IFS-ENS deutlicher gestützt als vom GEFS, wobei EZ von Lauf zu Lauf immer
deutlicher eine Windumkehr favorisiert hat mit einer (im Ensemble hinterlegten)
Wahrscheinlichkeit von nahezu 100 %).

Die Auswirkungen dieser Störung sind vorerst weniger von Interesse, sondern mehr
die Erkenntnis, dass sich hier ggf. ein Abdruck des ggf. historischen El Nino
herauslesen lässt, der den statistisch gesehen eher zu erwartenden Ablauf recht
kräftig durcheinanderbringt. AO/NAO (auch in subsaisonaler Vorhersage) sinken
deutlich in den negativen Bereich ab und die Frage wird nun sein, inwieweit sich
dieses Muster (der förderlichen vertikalen Wellenflüsse) im Verlauf dieses
Winters aufrechterhalten lässt. Ganz plakativ gesagt ändert sich an der
Lokalität der ENSO Heizquelle wenig, sodass weitere/frühe Angriffe auf den SPW
denkbar wären.

Beim aktuellen Ereignis deutet sich eine bis in den Grenzbereich
Stratosphäre/Troposphäre entwickelnde Störung der Zonalwinde an mit einer
imposanten positiven NAM Anomalie. Noch unsicher ist, wie stark dieses Ereignis
reflektiert und sich somit mehr auf die Entwicklung über Nordamerika auswirkt
und wie entkoppelt in der Folge der SPW und der Polarwirbel in der Troposphäre
(TPW) weitergeführt werden (denn eine Änderung der Rossbywellenplatzierung über
Asien/Nordpazifik dürfte Mitte November für eine Stärkung des SPW gut sein).
Wenn der TPW entkoppelt agiert, könnten wir die nun anstehende induzierte
Abschwächung lange weiterführen.

Diese Unsicherheiten wirken sich auch auf die Vorhersage der Wetter Regimes im
Nordatlantik aus. Nach einem anfänglichen "peak" beim "Atlantikrücken" bzw.
"Skandiblockierung" sticht eine stark streuende negative NAO zunehmend ins Auge,
wenngleich die det. und EPS/ENS Verfahren hier teils noch stark streuen (IFS
west-lastiger als GEFS, allerdings mit Pattsituation im IFS-ENS). Es wird die
kommenden Tage spannend sein, diese historische Entwicklung zu verfolgen -
welches Modell erfasst die Störung wie gut (auch deren Andauer) bzw. sind
Auswirkungen bei der subsaisonalen Vorhersage zu erwarten?

Für uns vorerst von Interesse ist eine umfangreiche Blockierung über dem
Nordatlantik, die während dieser Mittelfrist über den Färöer für (monatliche)
Rekordwerte beim Geopotenzial gut sein dürfte. Diese Entwicklung kann als
Resultat der einsetzenden Störung beim TPW mit einem über Neufundland (weit
südlich versetztem und nahe am Monatsrekord befindlichen) Teilwirbel des TPW
gesehen werden, der sich in der Folge allmählich abschwächt.

AKTUELLE MITTELFRIST:

Doch wie sieht denn die Entwicklung während dieser Mittelfrist aus, die sich vom
Sonntag, den 1. November bis zum Donnerstag, den 5. November 2026 erstreckt?

Grundsätzlich dominiert an allen Tagen der Mittelfrist eine beständige und
kräftige, blockierende Antizyklone über West-, im weiteren Verlauf über
Nordwesteuropa, wobei wir an deren östlichen Flanke verweilen.

Am Sonntag passiert ein kräftiger Kaltlufttropfen Tschechien in Richtung
Norditalien und bringt dem Südosten Deutschland etwas Nass, wobei sich der
Niederschlag an die Alpen legt und dort 24 std. für rund 10 l/qm Nass gut sein
könnte (oberhalb von 1000 m mit etwas Neuschnee). Die Schneefallgrenze kann
jedoch auch weiter absinken, was vor allem bei stärkeren Niederschlagsraten der
Fall wäre (und teils von anderen Modellen so gezeigt wird).
Ansonsten dominiert hoher Luftdruck bodennah und besonders über West und
Norddeutschland auch hohes Geopotenzial in Form eines Keils in der Höhe. Das
heißt zu dieser Jahreszeit für den Großteil des Tages meist trübes Wetter durch
Hochnebel, bis in den Vormittag auch durch teils dichten Bodennebel. Zwar
lockert der Hochnebel zum Nachmittag etwas auf, gleichzeitig zieht von
Nordwesten präfrontal einer von der Nordsee nahenden Kaltfront mehrschichtige
Bewölkung auf, die abends im Umfeld der Deutschen Bucht auch für etwas Nass gut
ist. Diese Front passiert in der Nacht zum Montag den Norden Deutschlands
ostwärts und kommt auch dort zum Liegen. Sie bringt dort flächig etwas Nass. Im
Süden klingen letzte Niederschläge am Alpenrand ab und nachfolgend verläuft die
Nacht teils klar (Südwesten), teils hochnebelartig bedeckt.

Am Montag ist der kräftige Kaltlufttropfen zwar abgezogen und bildet sich zu
einem umfangreichen Mittelmeertief um (Unwetterpotenzial am zentralen/östlichen
Mittelmeer), der Keil vom Sonntag ist aber bereits wieder Geschichte und es
macht sich niedriges Geopotenzial über Deutschland breit (Entwicklung einer
umfangreichen Rossby-Welle über Skandinavien bis zum zentralen Mittelmeer
reichend und per downstream-development stromab der blockierenden Antizyklone
über Nordwesteuropa initiiert). In diesen umfangreichen Trog eingebettet wird
nach heutiger Leseart ein weiterer, kleiner Kaltlufttropfen über Norddeutschland
südwestwärts geführt. Allerdings wird dieses Szenario zum ersten Mal gezeigt,
sodass die Zuversicht diesbzeüglich noch gering ist.
Die Folge wäre eine Kaltlufttropfenpassage über der in Norddeutschland liegenden
Kaltfront, sodass insgesamt im Norden und Westen ein bedeckter und wechselhafter
Tag zu erwarten wäre, während über der Mitte und im Süden Hochnebel und
regionale Auflockerungen zu erwarten wären (Alpenrand bedeckt, Mitte durch
kompensatorisches Absinken zeitweise Auflockerungen).

Von Dienstag bis Donnerstag sollte sich das umfangreiche Hochdruckgebiet über
Nordwesteuropa sukzessive nach Mitteleuropa ausdehnen, sodass das Ende der
Mittelfrist recht stabil und mit dem klassischen "grau bis blau" über die Bühne
geht. Wieviel Sonne wir sehen werden hängt allerdings von der bodennah
herangeführten Luftmasse ab. Stand heute wäre die Divergenzachse des Keils über
Norddeutschland zu finden. Entlang dieser und östlich davon mit viel "grau", im
Süden und über der Mitte doch recht häufig mit "blau". Nennenswerte
Niederschläge sind keine zu erwarten, vielleicht fällt im Umfeld der
Divergenzachse etwas Sprühregen aus dem dichten und vertikal recht mächtigen
Hochnebel.

Die Höchstwerte liegen meist bei milden 7 bis 11 Grad, unter hartnäckigem
Hochnebel, im Nebel oder anfangs bei mehr Niederschlag im Alpenstau sind aber
auch Maxima von um oder etwas unter 5 Grad zu erwarten.

Die Minima liegen zwischen +8 und -4 Grad, wobei auch hier die Bewölkung
entscheidet, wie mild/kalt es jeweils wird (frostig am ehesten im Süden und über
der östlichen Mitte).

Der von Nord auf Nordost drehende Wind bleibt meist schwach und frischt erst ab
Dienstag im Bergland böig aus Ost auf (dank des von Norden steigenden
Bodendrucks).

Zum Beginn der erweiterten Mittelfrist ergeben sich keine größeren Änderungen,
wenngleich es von Norden allmählich kälter wird.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Entwicklung auf der synoptischen Skala wird innerhalb der jüngsten 5
Modellläufe recht einheitlich gesehen, wenngleich es bei den jeweiligen
Protagonisten geringe zeitliche/regionale Diskrepanzen gibt.

Zusammengefasst dominiert eine blockierende Antizyklone über West-, später
Nordwesteuropa, die sich im Verlauf dieser Mittelfrist nach Mitteleuropa
ausweitet.

So wird ein Kaltlufttropfen zum Beginn der Mittelfrist von Lauf zu Lauf zügiger
von Tschechien nach Norditalien gebracht, sodass deren Niederschläge innerhalb
dieser Mittelfrist ggf. weiter rückläufig werden. Die noch leicht variable
Translation sorgt teils für run-to-run Diskrepanzen von rund 50-80 m bei der
Schichtdicke über Südostdeutschland (ggf. neben der Niederschlagsrate auch für
die Schneefallgrenze von Interesse).

Ein weiterer, kleinräumiger Kaltlufttropfen über Norddeutschland (Montag zu
Dienstag) wird erst seit dem jüngsten Modelllauf in der Ausprägung gezeigt,
sodass hier noch von keiner Modellkonsistenz gesprochen werden kann.
Der ab Dienstag nachfolgende Geopotenzialanstieg von Nordwesten wird wiederum
sehr homogen gezeigt.

AIFS ist im Vergleich zum IFS etwas langsamer mit dem kräftigen Kaltlufttropfen
zum Beginn der Mittelfrist und möchte vom nachfolgenden Kaltlufttropfen
(Montag/Dienstag) wenig wissen, bevor sich nachfolgend auch hier beide Modelle
anpassen. Selbiges ist auch beim Abgleich der Deterministik mit dem IFS-ENS
herauszulesen.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Beim Blick in die Tiefen der internationalen Modellwelt wird das grobe
synoptische Muster ohne Überraschung sehr homogen gezeigt, dominiert doch in
allen Modelllösungen die umfangreiche und kräftige blockierende Antizyklone über
West-, und später Nordwesteuropa.

Dennoch ergeben sich z.B. bei der Handhabe des Kaltlufttropfens zum Beginn der
Mittelfrist (Tschechien-Norditalien ziehend) teils erhebliche Diskrepanzen. EZ
ist deutlich schneller als UK10/GFS, liegt allerdings mit ICON auf einer Schiene
(in der Spitze rund 700 km Unterschied zwischen beiden Lagern). Das hat
natürlich Auswirkungen auf die Niederschlagsmengen am Montag im Südosten (und
indirekt auch auf deren Phase im Bergland). Beim Abgleich EZ-GFS ergibt sich gar
ein kräftiger Geopotenzialdipol, was in etwa der Diskrepanz von einer
Wellenlänge entspricht.
Selbiges gilt für den Kaltlufttropfen von Montag zu Dienstag über
Norddeutschland, der von ICON/EZ gezeigt wird, aber nicht von GFS/UK10 (bzw.
erfolgt dieser abgeschwächt rund 24h früher).
Die Auswirkungen auf das Wettergeschehen halten sich aber in Grenzen, sodass
meist nur die Frage offenbleibt, wo und wann etwas Niederschlag (besonders im
Norden und Südosten der Republik) zu erwarten ist.

Nachfolgend passen sich die Modelle wieder an und dies wird z.B. im EZ-GFS
Abgleich durch einen deutlichen Rückgang der Diskrepanzen bei der Schichtdicke
hervorgehoben.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse beginnt mit zwei Clustern und dem einheitlichen klimat.
Regime der Blockierung. Beide heben am Sonntag eine umfangreiche Blockierung
hervor, die sich vom Nordostatlantik mit Brückenbildung bis zum Ural erstreckt.
Südlich davon baut sich eine kräftige Zyklone über dem zentralen Mittelmeer auf
und Deutschland verbleibt im Übergangsbereich (allerdings im deutlich
antizyklonalen Einfluss).

Von Montag bis Mittwoch dominiert ein Cluster (Blockierung) und es entwickelt
sich eine sehr intensive Antizyklone über dem Europäischen Nordmeer (ggf. auf
Rekordniveau für diese Jahreszeit). Wir verbleiben an deren Ostflanke zwar im
insgesamt antizyklonal geprägten Einfluss, allerdings ist diese Lage besonders
zum Beginn auch anfällig für Störungen, wie kleinräumige Kaltlufttropfen, wobei
auch dieses Potenzial ab der Wochenmitte mit weiterem Geopotenzialanstieg
nachlässt.

Auch im Übergangsbereich der Mittelfrist zur erweiterten Mittelfrist dominiert
noch die Blockierung (entsprechend auch das klimat. Regime) mit Zentrum über dem
Europäischen Nordmeer, wenngleich diese sukzessive abgeschwächt wird. Mit
fallendem Geopotenzial über dem Nordatlantik könnte sich daraus zum kommenden
Wochenende eine Omega-Lage entwickeln mit Keileinfluss für West- und
Mitteleuropa.

Dieses Szenario wird in der tieferen erweiterten Mittelfrist vom ersten Cluster
gezeigt (dominant blockierend), während ein ähnlich stark besetzter zweiter
Cluster davon wenig wissen möchte und zunehmenden Trogeinfluss bis nach
Mitteleuropa andeutet.

Die Meteogramme zeigen einen geringen Abkühlungstrend bei leicht wechselhafter
Witterung, allerdings mit hohem Memberspread dank der noch vorhandenen
Restunsicherheit beim Thema "Kaltlufttropfen".
Die Rauchfahnen bei der 850 hPa Temperatur und beim 500 hPa Geopotenzial sind
vergleichsweise gut gebündelt mit einem gut eingebetteten Kontrolllauf, der erst
in der erweiterten Mittelfrist ans untere Ende der Memberschar wechselt.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die Mittelfrist verläuft ohne markante Wettererscheinungen, was auch vom EFI
gestützt wird.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-ENS, GEFS, IFS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy