Thema des Tages
26-10-2026 15:20
Wetter aktuell
Herbstwetter mit zwei Gesichtern
Nach einem Wochenende mit Sturm, Dauerregen und der ersten Sturmflut
des Herbstes beruhigt sich das Wetter allmählich. Auf einen kurzen
Gruß des goldenen Oktobers folgen mit Hoch ?Jurij? ruhigere, aber
vielerorts neblige und trübe Herbsttage.
Was war das für ein stürmisches Wochenende! Da machte der Herbst
seinem Namen alle Ehre. Bereits am vergangenen Freitag, dem 23.
Oktober 2026, zog das Sturmtief "Luise" (international "Austen"
genannt) vom Ärmelkanal in Richtung Niederlande und erreichte am
Samstagmorgen das Seegebiet bei Helgoland. Dabei fiel gebietsweise
schauerartiger Regen. Vor allem im Westen Deutschlands frischte der
Wind kräftig auf. In besonders kräftigen Schauern wurden sogar
schwere Sturmböen registriert. An der Wetterstation Trier-Petrisberg
erreichte eine Böe am Freitag um 17 Uhr 102 km/h (Windstärke 10).
Zum Sonntag folgte das Sturmtief "Manja" (international "Boelo"
genannt) und sorgte erneut für stürmisches Wetter. Die Station Büsum
registrierte am Sonntagnachmittag um 16 Uhr eine Orkanböe mit 125
km/h (Windstärke 12). Auch andernorts kam es im Zuge der Tiefpassage
verbreitet zu stürmischen Böen oder Sturmböen. Doch nicht nur der
Wind hatte es in sich. Insbesondere in Staulagen der Mittelgebirge
sowie im Allgäu kamen erhebliche Regenmengen zusammen. Entsprechend
musste vor markantem, örtlich sogar unwetterartigem Dauerregen
gewarnt werden. Innerhalb von 72 Stunden fielen von der Eifel über
das Saarland bis zum Schwarzwald lokal mehr als 80 Liter Regen pro
Quadratmeter. Die Station Weiskirchen an der Saar registrierte
insgesamt 94 Liter, davon allein 72 Liter innerhalb von nur 14
Stunden.
Die Folgen des stürmischen und nassen Wetters waren vielerorts zu
spüren. Umgestürzte Bäume, abgedeckte Dächer und Schiffe in Seenot
waren wiederholt Thema in den Medien. In Freiburg und Region waren am
Sonntag rund 10.000 Haushalte stundenlang ohne Strom. Auch im
Bahnverkehr kam es teilweise zu erheblichen Einschränkungen. Die
Feuerwehren waren vielerorts im Dauereinsatz.
Besonders glimpflich ging ein Vorfall im Ruhrgebiet aus. In der Nacht
zum Samstag durchbohrte ein herabstürzender Ast die Windschutzscheibe
eines Autos und blieb im Armaturenbrett stecken. Die 18-jährige
Fahrerin blieb glücklicherweise unverletzt.
Neben Sturm und Regen brachte ?Manja? auch die erste Sturmflut dieses
Herbstes. Unter anderem in Cuxhaven, Wilhelmshaven und Hamburg kam es
zu Überschwemmungen. Dabei wurden einige Menschen von den
Wassermassen überrascht. Autos mussten abgeschleppt werden, andere
blieben im Wasser stecken. In einzelnen Fällen retteten sich die
Insassen auf die Dächer ihrer Fahrzeuge, von wo aus sie von Feuerwehr
und Deutscher Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Sicherheit
gebracht werden konnten.
Nach dem stürmischen Wochenende beruhigt sich das Wetter heute
vorübergehend unter Einfluss eines Zwischenhochs namens "Idris".
Einzig an der Nordsee muss heute Mittag noch mit einer weiteren
Sturmflut gerechnet werden, da aufgrund der vorherrschenden Strömung
weiterhin Wasser in die Deutsche Bucht gedrückt wird.
Bereits in der Nacht zum Dienstag greift dann die Warmfront von
?Naomi? auf Deutschland über, bringt aber lediglich der
Nordwesthälfte noch etwas Regen. Am Dienstag gelangt Deutschland in
den Warmsektor des Tiefs. Dann kann sich die Sonne zeitweise zeigen,
und die Temperaturen steigen auf bis zu 21 Grad. Damit kehrt der
goldene Oktober für einen kurzen Moment zurück.
In der Nacht zum Mittwoch zieht die Kaltfront von ?Naomi? über
Deutschland hinweg. Sie bringt erneut etwas Regen, im Vergleich zu
den Sturmtiefpassagen ist das Sturmtief aber deutlich schwächer
ausgeprägt. Im Laufe der Woche gewinnt dann Hoch ?Jurij? zunehmend an
Einfluss und es stellt sich meist ruhigeres Herbstwetter ein.
Allerdings bedeutet Hochdruckeinfluss im Herbst nicht zwangsläufig
Sonnenschein: Vor allem in der Südwesthälfte können sich Nebel und
Hochnebel hartnäckig halten und sich teilweise erst im Laufe des
Tages auflösen. Im Norden und Osten bleibt es dagegen stärker
bewölkt, örtlich kann weiterhin etwas Regen fallen. Nach dem
stürmischen Auftakt zeigt sich der Herbst damit von seiner anderen
Seite: Auf einen kurzen goldenen Zwischenakt folgen ruhige, aber
vielerorts graue und neblige Tage.
M.Sc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.10.2026
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