Thema des Tages

24-10-2026 14:50


Wetter aktuell

Tief Manja: Schnell unterwegs, nicht nur beim Wind, sondern auch in
der Entwicklung


Nach Tief LUISE (international AUSTEN) übernimmt jetzt MANJA
(international BOELO) die Wetterregie über dem Nordostatlantik. Schon
die Tatsache, dass beide auch einen internationalen Namen bekommen
haben, deutet auf eine gewisse Prominenz hin. Tief Manja hat dabei
nicht nur ordentlich Wind im Gepäck, sie war auch in ihrer
Entwicklung auch flott unterwegs - Stichwort "Rapide Zyklogenese".
Diese und weitere Aspekte von MANJA beleuchtet heute das Thema des
Tages.


Wie es um LUISE und MANJA aktuell bestellt ist, sieht man direkt in
der Abbildung 1, einer Satellitenaufnahme vom heutigen Samstagmittag
(24.10.) mit der vom DWD-Modell ICON errechneten
Bodendruckverteilung. MANJA, als großräumige Zyklone westlich von
Schottland zu erkennen, hat LUISE schon jetzt den Rang abgelaufen.
Letztere ist im Grunde nur noch ein kleiner Teil der Zirkulation von
Manja, genauer gesagt ein Bodentrog über Dänemark. Immerhin kann man
noch ein paar Wolkenbänder erkennen, die spiralförmig um LUISE
angeordnet sind.

Eindeutig mehr zu bieten hat diesbezüglich aktuell aber MANJA. Ihr
breiter Wolkenwirbel reicht vom Tiefkern über die Britischen Inseln
bis nach Frankreich, er dehnt sich aber auch in einem weiten Bogen
wieder bis auf den Atlantik aus. Auf ihrer Westflanke zapft MANJA
massiv polare Kaltluft an, diese ist wiederum in Form von Cumuli zu
erkennen, die wie Streusel eines Streuselkuchens (oberer linker
Bildausschnitt) wirken.

Der Kerndruck von MANJA hat dabei ein Niveau von 947 hPa erreicht.
Tatsächlich trauen die Modelle dem Tief auch nicht viel mehr - oder
genauer gesagt nicht viel weniger - zu. Um 15 UTC, was 17 MESZ
entspricht, sollen es etwa 945 hPa sein, anschließend soll der Druck
aber wieder zu steigen beginnen. Die entsprechende Entwicklung des
Drucks vom gestrigen Freitag um 00 UTC bis zum morgigen Sonntag um 06
UTC ist in der Abbildung 2 dargestellt.

Es fällt auf, dass nach einem anfänglich nur sehr zögerlichen
Druckfall in der ersten Hälfte des Freitags der Druckfall in der
zweiten Tageshälfte deutlich zunahm und sich in der Nacht zum Samstag
dann nochmals beschleunigte. Der stärkste Rückgang war dabei zwischen
03 UTC und 06 UTC am heutigen Samstagmorgen zu verzeichnen - mit
bemerkenswerten 11 hPa in nur 3 Stunden! Rückblickend auf die letzten
24 Stunden ist der Druck im Kern von MANJA von etwa 1003 auf 947 hPa
und damit um 56 hPa (!) zurückgegangen, womit das Tief die Kriterien
für eine sogenannte "Rapide Zyklogenese" extrem locker erreicht.
Dafür braucht es (MANJA würde "nur" sagen) einen Druckfall von 24 hPa
in 24 Stunden.

Für die Ausbildung eines Tiefs oder dessen Verstärkung kann es viele
Gründe geben, Warmluftadvektion wäre ebenso ein solcher wie eine
divergierende Höhenströmung oder die Advektion, also das Heranführen
von positiver Vorticity (von positiver Wirbelhaftigkeit oder
Wirbelstärke). Und natürlich gerne, wie in der Meteorologie üblich,
auch eine Kombination von mehreren Faktoren. Die Advektion von
Vorticity kann auf jeden Fall ein Starkwindband in der Höhe
übernehmen, der sogenannte Jet. Und so ist es auch bei MANJA der Jet,
der maßgeblichen Einfluss auf die Tiefentwicklung genommen hat.

In Abbildung 3 ist oben jeweils die Ausprägung des Jets in 300 hPa,
also in etwa 9 km Höhe zu erkennen, oben links für den 23.10. um 18
UTC, oben rechts für den 24.10. um 06 UTC. Das Jetmaximum ist im Kern
des Jets in blauen Farben zu erkennen, im Westen befindet sich der
Jeteingang, im Osten der Jetausgang. In der unteren Zeile sind, für
die gleichen Zeitpunkte, jeweils die aktuellen Positionen des Tiefs
im Bodendruckfeld angegeben, die sich auch jeweils in den oberen
Karten wiederfinden (die beiden weißen "T"s). Der Ablauf ist dabei
der folgende: Das Bodentief schiebt sich von Südwesten nach Nordosten
unter dem Jet hindurch, wobei sich in unserem speziellen Fall auch
der Jet nach Süden bewegt. Somit gelangt das Bodentief unter den
linken Jetausgang. Weil dort aber massiv positive Vorticity advehiert
wird, sinkt der Druck sehr schnell, sozusagen rapide. Infolgedessen
ist unter dem linken Jetausgang oftmals eine massive Vertiefung von
Bodentiefs zu beobachten.

Soviel zur Entstehung bzw. der Entwicklung von MANJA. Bezüglich der
erwarteten Windstärken kann hier, sehr grob, mal folgende
Marschrichtung ausgegeben werden. Im Binnenland auch in tiefen Langen
Böen von 50 bis knapp über 70 km/h (Bft 7 bis 8), Im Hochlagen und an
den Küsten Böen von 75 bis 100 km/h (Bft 9 bis 10) und an
ausgewählten Küstenabschnitten (Nordfriesland) sowie auf exponierten
Gipfeln sind es über 100 bis knapp 120 km/h (Bft 11), auf dem Brocken
sogar die Bft 12, was über 120 km/h entspricht (volle Orkanstärke).
Der Südosten kommt bei alldem etwas glimpflicher weg, dort weht der
Wind deutlich schwächer. Und noch als Wiederauffrischung: Da der Wind
von Südwest auf West dreht, wurde gestern schon darauf hingewiesen,
dass in der Deutschen Bucht Sturmflutgefahr herrscht
(www.bsh.de).

Auffällig sind aber auch die mit MANJA verbundenen massiven
Regenfälle. Schon am Abend beginnt es im Westen teils heftig zu
regnen, im Laufe der Nacht und am morgigen Sonntag greifen die
Regenfälle weiter nach Südosten aus. Entsprechende
Dauerregenwarnungen laufen schon, wie sich der Abbildung 4 entnehmen
lässt.

Da bleibt die Hoffnung, dass, wenn der Sonntag schon verbreitet ins
Wasser fällt, das Wasser wenigstens den Flüssen zu Gute kommt. Das
wird auch erwartet, ist von Pegel zu Pegel aber deutlich
unterschiedlich.

Abbildung 5 zeigt für die Rheinpegel in Mainz und in Koblenz nicht
nur den Rückblick auf die vergangenen Tage, sondern auch eine knapp
48-stündige Prognose. Nach dieser soll der Pegel in Koblenz deutlich
kräftiger auf die Regenfälle reagieren, als dies der Pegel in Mainz
tun soll. Ein Grund dürfte sein, dass sich in Koblenz auch die
steigenden Zuflüsse, z. B. von Lahn, Nahe und auch Mosel bemerkbar
machen dürften, die am Pegel in Mainz fehlen bzw. werden sich in
Mainz die weiter Flussauf liegenden Zuflüsse erst mit einiger
Verzögerung bemerkbar machen.


Dipl.-Met. Martin Jonas

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 24.10.2026

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