Thema des Tages

23-10-2026 12:50


Wetter aktuell

Sturmtiefs im Doppelpack



Vier Namen, zwei Sturmtiefs und allerhand Warnungen: Turbulente Tage
stehen bevor. Doch nicht nur der Sturm ist ein Thema, auch kräftige
Niederschläge sind mit von der Partie.



Vorab eine kurze Erklärung zur Nomenklatur: Die FU Berlin benennt
Druckgebiete, die für Deutschland Relevanz haben. Im jährlichen
Wechsel tragen dabei Tiefs männliche und Hochs weibliche Namen ? und
umgekehrt. Die FU Berlin hat dem heutigen Sturmtief über Westeuropa
den Namen LUISE gegeben. Besonders schadensträchtige Stürme werden
von einem europaweiten Konsortium mit einem internationalen Namen aus
einer zuvor festgelegten Liste versehen. Am Dienstag hat der
britische Wetterdienst dem Tief den Namen AUSTEN gegeben. Ein
weiteres Sturmtief zieht am Wochenende über Schottland zum Nordteil
der Nordsee. Dieses erhielt von der FU Berlin den Namen MANJA und vom
britischen Wetterdienst gestern den internationalen Namen BOELO.
Im Folgenden wird die internationale Bezeichnung der Tiefs verwendet.
Den Anfang macht heute Tief AUSTEN, das vom Ärmelkanal in Richtung
Niederlande zieht und bis Samstagfrüh das Seegebiet bei Helgoland
erreicht. Der größte Druckgradient besteht an der Südflanke des
Tiefs. Entsprechend treten dort die höchsten Windgeschwindigkeiten
auf. Am stärksten waren die Böen heute früh in der Bretagne. In
diesen Stunden hatte AUSTEN noch einen Kerndruck von unter 980
Hektopascal (hPa) und die Orkanböen an der Küste erreichten dort 102
bis 140 Kilometer pro Stunde (km/h), lokal sogar 160 km/h. Auf seinem
Weg nach Osten schwächt sich AUSTEN ab und wird bei Helgoland einen
Kerndruck von etwas mehr als 990 hPa aufweisen. Die Böen fallen bei
uns entsprechend deutlich schwächer aus. In der Westhälfte reicht es
heute Nachmittag und Abend für stürmische Böen oder Sturmböen (Bft 8
und 9). Vereinzelt kann es schwere Sturmböen um 90 km/h (Bft 10)
geben. In Hoch- und Gipfellagen werden ähnliche oder höhere
Windgeschwindigkeiten erwartet. Weniger windig ist es allgemein in
der Osthälfte Deutschlands. Der Sturmhöhepunkt wird am Abend im
Westen erreicht. Bis Samstagmittag bleibt es in der Nordhälfte
allerdings windig bis stürmisch. Danach lässt der Wind nach, die Ruhe
währt aber nur kurz.
Das oben angesprochene zweite Sturmtief BOELO erreicht am Sonntag den
Nordteil der Nordsee. Ähnlich wie bei AUSTEN werden die stärksten
Böen zwar außerhalb von Deutschland gemessen, dennoch reicht das
Sturmfeld bis zu uns. Bereits in der Nacht zum Sonntag frischt der
südliche Wind von Westen her rasch wieder deutlich auf. Bei
gleichzeitig einsetzendem mäßigem, in Weststaulagen teils auch
kräftigem Regen ergibt sich eine ungemütliche Gemengelage. Am Sonntag
bringt uns ein verbreitet windiger bis stürmischer Wochenabschluss.
Etwas ausgenommen davon ist der äußerste Südosten Deutschlands. Am
anderen Ende des Landes werden dagegen die höchsten
Windgeschwindigkeiten erwartet. Besonders stürmisch wird es an der
Nordsee. Dort erreicht der auf West drehende Wind in Böen Stärke 10
oder 11, sprich schwere Sturmböen oder orkanartige Böen. Neben Sturm
fällt vor allem im Süden und dort besonders im Schwarzwald Regen. Im
Rest des Landes gibt es Schauer und einzelne Gewitter.
Weststurm lässt die Nordseeanrainer aufhorchen, bietet er doch
klassische Bedingungen für Sturmfluten. Wenig überraschend hat das
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) eine
Vorabinformation zur weiteren Entwicklung der Wasserstände
ausgegeben: ?Von Sonntag bis Montag ist mit deutlich erhöhten
Wasserständen an der deutschen Nordseeküste sowie im Weser- und
Elbegebiet zu rechnen. Bitte informieren Sie sich regelmäßig."
Auf Sturmtief eins und zwei folgt in der kommenden Woche kein
Sturmtief drei. Der Nordwesten bleibt zwar eher tiefdruckbeeinflusst,
windig bis stürmisch wird es jedoch hauptsächlich an der Küste ? und
das auf einem für die Jahreszeit üblichen Niveau. In Richtung
Südosten dominiert zunehmend Hochdruckeinfluss. An der milden
Witterung ändert sich dagegen kaum etwas. Ganz im Gegenteil: Am
Dienstag wird es wahrscheinlich sogar besonders mild. Im Breisgau
sind dann noch einmal bis zu 20 Grad möglich.


M.Sc.-Met. Thore Hansen

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 23.10.2026

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