DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

17-10-2026 17:01
SXEU31 DWAV 171800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 17.10.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Am Wochenende unbeständig und teils windig, an der See stürmisch, Gebietsweise
Stark-/Dauerregen. Ab Montag Wetterberuhigung und freundlicher.

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... dominieren in den EPS-Verfahren bis zum Montag zyklonale
Strömungsbedingungen. Die bestimmende Wetterlage dahinter ist Nordost zyklonal.
Diese wird von allen Membern des EPs sowie auch von anderen deterministischen
Modellen gestützt. Demnach scheint über das Wochenende hinweg unbeständiges
Wetter gesetzt zu sein. Doch wie verteilt sich dieses im Detail über Deutschland
und welche Geopotential- und Luftdruckverteilungen sind zu verzeichnen?

Über ganz Europa konnte sich ein Langwellentrog ausdehnen. Dieser verfügt heute
Abend etwa über den Niederlanden sowie über der Westtürkei über Höhentiefs,
dessen Tröge sich auf der einen Seite zur Iberischen Halbinsel und auf der
anderen Seite bis zum roten Meer und Ägypten erstrecken. Vor allem das Höhentief
samt Trog bei den Niederlanden ist für unser Wetter sehr interessant. Dieses
korreliert bodennah ein Tief über Ostdeutschland bzw. Westpolen. Gleichzeitig
induziert der Trog auf der Vorderseite noch ein Tief über dem Golf von Genua.
Ausgehend vom steuernden Tief über der Barentssee zieht sich dabei ein
Frontenzug entlang der Tiefs bis in den Golf von Genua und bildet eine wellende
Luftmassengrenze aus. Hierzulande verläuft diese vom Südwesten über die östliche
Mitte und Ostdeutschland in den Ostseeraum. Vor allem im Südwesten können dabei
die Aufgleitprozesse der WLA sehr gut mit der Trog basierten PVA harmonieren und
somit die Hebungsprozesse verstärken. Entsprechend kommt es in Teilen
Baden-Württembergs und Nordbayern durchaus zu intensiveren Regenfällen, die im
äußersten Südwesten auch länger anhalten. Entsprechend wurde dort eine
Dauerregenwarnung über 24-26 Stunden herausgegeben. Mit Abkopplung des
Höhentiefs von der Grundströmung und südwestwärtigen Verlagerung nach
Nordostfrankreich in der Nacht auf Sonntag und Sonntag schiebt sich auch
bodennah das Tief aus dem Osten Deutschland ins nördliche Niedersachsen, während
das Genuatiefs recht ortsfest wirbelt. Resultierend verlagern sich auch die
Niederschlagsschwerpunkte etwas. Der Südwesten bzw. Süden bleiben von den
Aufgleitniederschlägen geprägt, die aber im Verlauf durch fehlende bzw.
reduzierte PVA-Unterstützung eine nachlassende Tendenz aufweisen. Anders sieht
es im Norden aus. Dort interagiert PVA ebenfalls mit Aufgleitprozessen. Hinzu
kommt einen Gegenstromsituation, indem eine nordöstliche bodennahe Strömung
einer südlichen Höhenströmung gegenübersteht. Zusammenfassend können schließlich
vor allem von der westlichen Ostsee bis in den Hamburger Raum stärkere und teils
länger anhaltende Niederschläge auftreten. Dies wurde dort ebenfalls mit einer
Stark-/Dauerregenwarnung über 6-12 Stunden honoriert. Am Sonntag wird dann die
Verbindung vom Höhentief über Nordfrankreich zum Trog des steuernden Höhentiefs
über der Barentssee durch einen schwachen Rücken nahezu gekappt. Nachfolgend
lassen die Niederschläge über dem Norden Deutschland nach bzw. klingen im
Verlauf komplett ab. Dafür kann das Höhentief samt Trog, der sich südwärts bis
nach Spanien erstreckt, auf der Vorderseite ordentlich PVA erzeugen, welche die
Hebungsimpulse verstärkt. Dies führt schließlich dazu, dass das Bodentief vom
Golf von Genua unter leichter Verstärkung in die Schweiz wandert.
Aufgleitniederschläge und PVA interagieren dann besonders gut von der
Westschweiz über die Vogesen hinweg bis in den Westen Deutschlands. Entsprechend
können vor allem westlich des Rheins teils kräftige und länger anhaltende
Regenfälle auftreten, die derzeit jedoch noch nicht warnwürdig daherkommen und
in der Nacht zum Montag nachlassen bzw. überwiegend abklingen.
Neben den Niederschlägen bleibt am Wochenende auch der Wind ein Thema,
wenngleich dieser vor allem im Küstenumfeld warnwürdig ist. Dort sorgt eine
zeitweise Gradientverschärfung durch die Verlagerung des Bodentiefs zu frischen
bis starken Ost bis Nordostwind, der in Böen an der See und dem angrenzenden
Binnenland mit steifen bis stürmische Böen einhergeht und erst in der Nacht zum
Montag von Osten her spürbar nachlässt. Bis dahin sind und werden gelbe, an
exponierten Küstenabschnitten auch markante Warnungen nötig sein.
Ansonsten sind nachts auch örtliche Nebelfelder zu nennen, wenngleich die
Nebelgefahr aufgrund des bestehenden Windes und der Bewölkung in der Nacht zum
Sonntag eher gering wahrscheinlich sind. In der Nacht zum Montag mit
Windabschwächung und größeren Wolkenlücken nimmt die Wahrscheinlichkeit von
Nebel mit in den warnwürdigen Sichtbereich von unter 150 m zu.

Bei den ganzen Beschreibungen der Prozesse und potentiellen Warnungen ist noch
hinzuzufügen, dass ein Rücken vom Nordatlantik bis nach Skandinavien bodennah
ein kräftiges Hoch vom Nordatlantik über die britischen Inseln hinweg bis nach
Skandinavien stützt, welches schließlich die zyklonal geprägte, nordöstliche
Grundströmung induziert, die sich somit in der bestimmenden Wetterlage
wiederfindet.

Sonntag ... siehe oben

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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Montag ... verlagert sich das Höhentief von Nordfrankreich weiter westwärts auf
den Ostatlantik. Resultierend schiebt sich auch das Bodentief westwärts und
schwächt sich dabei deutlich ab. Die stärksten durch PVA getriggerten
Hebungsimpulse sind dann über Frankreich zu finden. Allerdings kann sich von
Osten ein neues Höhentief von Polen annähern, welches durch fehlendes Höhentief
auch als Kaltlufttropfen angesehen werden kann. Auch wenn die Hebungsprozesse
hierzulande zunächst noch nicht ausreichen signifikante Niederschläge
auszulösen, wird doch insgesamt eine markante Luftmassengrenze aufgebaut.
Während das hochreichende Tief über West- und Südwesteuropa wärme Luft nordwärts
schiebt, kann das Hoch inklusive Höhentief von Nordosten her kältere Luft
einsickern lassen. Der Bereich der Luftmassengrenze wird dabei durch dichtere
Wolken markiert, die hier und da auch etwas Regen oder Sprühregen abladen
können. Derzeit wird dies von den Modellen von Sachsen bis in den Norden NRWs
und das südwestliche Niedersachsen angeboten. Ansonsten sind im Südwesten mit
dem abziehenden System bei vielen Wolken noch ein paar Tropfen möglich. Der
Wind weht zwar noch mäßig, an der See auch frisch und stark böig, Warnungen sind
allerdings allenfalls noch an auflandigen Abschnitten von Nord- und Ostsee zu
erwarten.


Modellvergleich und -einschätzung
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Auch andere Global- und Regionalmodelle simulieren die Geopotential- und
Luftdruckverteilung sowie die resultierenden Prozesse vergleichbar zur Deutschen
ICON-Kette. Bei der räumlichen Einordnung der Niederschlagschwerpunkte ist bis
einschließlich Montag eine große Übereinstimmung zu verzeichnen. Bei der
Intensität der Niederschläge gibt je nach Auflösung und Parametrisierung
typische Unterschiede zwischen den betrachteten Modellen. Vor allem die höher
aufgelösten EPS-Verfahren stützen die mit Wahrscheinlichkeiten bis zu 40% die
warnwürdigen Stark-/Dauerregenmengen.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met.Lars Kirchhübel