Thema des Tages
16-10-2026 12:50
Wetter aktuell
Es grünt so grün
Gelb, Orange, Rot und Braun - alle diese Farben kann man an den
Bäumen sehen, am häufigsten ist aber noch Grün. Die Blätter hängen
größtenteils auch noch am Baum, aber sicher nicht mehr lange.
Streift man dieser Tage durch die Natur, so leuchten die Blätter der
Bäume in allen möglichen Farben von Gelb über Orange zu Rot und Braun
und häufig auch noch in Grün. Dabei fällt außerdem auf, dass die
meisten Bäume ihre Blätter noch nicht oder nur sehr begrenzt haben
fallen lassen. Das dürfte allerdings nicht mehr lange dauern. Warum
aber verfärben sich die Blätter der Bäume jetzt überhaupt und fallen
dann zu Boden?
Blattverfärbungen
Blattverfärbungen werden im Herbst ausgelöst, wenn der Sonne immer
niedriger steht, die Tageslänge immer kürzer wird und vor allem auch
die nächtlichen Temperaturen in den einstelligen Bereich sinken.
Dabei sollte es mehrere sehr kühle Nächte hintereinander geben. Ist
es soweit, wird der in den grünen Blättern vorherrschende Farbstoff
Chlorophyll schneller abgebaut. Der Baum zerlegt diesen in seine
Bausteine und holt es in die dicken Äste und den Stamm zurück. Dort
werden sie bis zum nächsten Frühjahr eingelagert und dann
wiederverwertet. Blattverfärbungen stellen sich also nicht nur
aufgrund der kürzeren Tage ein, sondern auch im Zusammenhang mit der
aktuellen Witterung.
In diesem Herbst ist eine kleine Verzögerung der Blattverfärbung zu
erwarten. Anhand der aktuellen phänologischen Uhr (weitere
Informationen zur Phänologie unter https://www.dwd.de/phaenologie)
lässt sich ablesen, dass die Leitphase für den Spätherbst mit der
Blattverfärbung der Stieleiche üblicherweise um den 19. Oktober herum
abgeschlossen ist (Mittel der Jahre 2011 bis 2025, 80% Meldestand
notwendig). In diesem Jahr wurde bei einem Meldestand von 68% die
Leitphase bisher noch nicht vollendet. Bereits der Vollherbst hatte 4
Tage Verzögerung (üblicherweise 17. September, dieses Jahr 21.
September). Diese Verzögerung dürfte sich in etwa gehalten haben, da
es noch nicht so viele kalte Nächte gab.
Blattfall
Als nächstes steht dann der Blattfall an, der bisher nur sehr
eingeschränkt eingesetzt hat. In der Phänologie wird als Leitphase
dafür der Blattfall der Stieleiche für den beginnenden Winter
ermittelt. Diese Leitphase ist im Durchschnitt am 7. November eines
Jahres abgeschlossen, also etwa 3 Wochen nach der Blattverfärbung.
Mit der aktuellen Verzögerung und nicht allzu kalten Aussichten bis
in die Mittelfrist (Vorhersagetage 3 bis 10) hinein ist zu erwarten,
dass sich die Verzögerung auch beim Blattfall bemerkbar machen wird.
Die alte Bauernregel dagegen, die besagt: "Hängt das Laub bis
November hinein, wird der Winter lange sein" lässt sich nicht
belegen. Sie steht wissenschaftlich auf sehr wackeligen Beinen. Wie
der Winter wird, können uns die Bäume auch heute leider noch nicht
verraten.
Dipl.-Met. Simon Trippler
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 16.10.2026
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