Thema des Tages

13-10-2026 13:50


Wissenschaft kompakt

Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 2


Für die Benennung von tropischen Wirbelstürmen werden von der
Weltorganisation für Meteorologie (WMO) festgelegte, alphabetische
Namenslisten bereitgestellt. Welche Besonderheiten es bei diesen
Listen gibt und was passiert, wenn das Alphabet mal nicht ausreicht,
lesen Sie im heutigen Thema des Tages.


Im Thema des Tages vom gestrigen Montag haben wir uns damit
beschäftigt, wie es dazu kam, Druckgebilde - beziehungsweise
tropische Wirbelstürme - zu benennen. Zudem ging es um die
Namenslisten, die für die Benennung von - in unserem Beispiel -
Hurrikanen, also tropischen Wirbelstürmen im Nordatlantik sowie im
zentralen und östlichen Nordpazifik, herangezogen werden.

Nochmals zur Erinnerung: Die sechs jeweils alphabetisch sortierten
Listen für den östlichen Nordpazifik enthalten je 24 Namen (kein Q
und U), die für den Nordatlantik 21 Namen (kein Q, U, X, Y und Z).
Für den zentralen Nordpazifik liegen dagegen nur vier Listen vor, die
jeweils gerade einmal 12 Namen umfassen (kein...naja, siehe
Namenstabelle im Thema des Tages vom gestrigen Montag).

Jetzt könnte man sich natürlich fragen, was eigentlich passiert, wenn
mehr Wirbelstürme auftreten, als es Namen auf der Liste gibt, oder
anders ausgedrückt: Was, wenn das Alphabet ausgeht?

Tja, dieser Fall ist extrem selten und kam gerade einmal zwei Mal im
Nordatlantik vor: 2005 und 2020. Während 2005 bereits unfassbare 28
benannte Tropenstürme über den Nordatlantik fegten, waren es 2020
sogar noch zwei mehr. In der Folge wurde ab Sturm 22 (also nach Ende
der eigentlichen Liste) das griechische Alphabet herangezogen. Alpha,
Beta und Gamma hießen damit die nächsten Stürme. 2021 entschied die
WMO, in Zukunft statt auf das griechische Alphabet auf eine
Ersatzliste zurückzugreifen, sollten nochmals die Namen ausgehen.
Hintergrund ist, dass sich zum einen die griechischen Buchstaben zum
Teil sehr ähnlich anhören, wodurch es zu Verwechslungen kommen kann.


Zum anderen - und hier kommt eine Besonderheit der Namenslisten zum
Tragen - ist es üblich, dass die Namen besonders schadensträchtiger
Stürme aus der Liste gestrichen und neu besetzt werden. So wird es
zum Beispiel nie wieder einen Hurrikan "Katrina" (2005) geben. 2020,
als man auf das griechische Alphabet zurückgreifen musste, wurden Eta
und Iota aufgrund ihrer Heftigkeit gestrichen. Jetzt wird es bei
einem Alphabet natürlich schwierig, gestrichene Buchstaben zu
ersetzen. Bei einer Ersatzliste ist das dagegen kein Problem.

Im östlichen Nordpazifik musste noch nie auf die Ersatzliste
zurückgegriffen werden. Allerdings kam es 1985 zu einer
entscheidenden Anpassung der Listen. Bis dahin wurden nämlich
ebenfalls nur 21 Namen verwendet, wobei wie im Nordatlantik neben Q
und U auch X, Y und Z fehlten. Nachdem die 1985 benutzte Liste das
erste Mal an ihre Grenze kam, wurden kurzerhand "Xina", "York" und
"Zelda" hinzugefügt, die jährlich mit "Xavier", "Yolanda" und "Zeke"
gewechselt wurden und werden. Während sich alle anderen Namen alle 6
Jahre wiederholen, ist dies bei X, Y und Z also alle 2 Jahre der
Fall.

Im zentralen Nordpazifik hat man mit Ersatzlisten dagegen überhaupt
nichts am Hut. Dort geht man einfach fließend zur nächsten Liste
über, sobald eine "aufgebraucht" ist.

Eine Übersicht über die ausgebooteten Namen finden Sie übrigens auf
den Seiten des Nationalen Hurrikan Zentrums
(https://www.nhc.noaa.gov/aboutnames_history.shtml).

Ist Ihr Name vielleicht auch schon gestrichen worden? Oder finden Sie
ihn auf einer der Vergabelisten wieder
(https://www.nhc.noaa.gov/aboutnames.shtml)? Der Autor muss noch zwei
Jahren warten, bis er möglicherweise ein Thema des Tages über
Hurrikan Tobias verfassen kann, und hofft, dass der Name nie
gestrichen werden muss...

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

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Offenbach, den 13.10.2026

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