Thema des Tages

12-10-2026 13:50


Wissenschaft Kompakt

Tropische Wirbelstürme und ihre Benennung - Teil 1



Während die Namensliste für die Benennung tropischer Wirbelstürme
über dem Ostpazifik bald aufgebraucht ist, bietet diejenige für den
Atlantik noch mehr als genug Raum für neue Entwicklungen. Wie es zur
Benennung der Stürme kommt, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.


Sie sind nicht mehr aus den Wetterkarten wegzudenken: Namen für Hoch-
und Tiefdruckgebiete. Die Idee dazu, Druckgebilde, die einen Einfluss
auf unser Wettergeschehen in Deutschland haben, zu benennen, hatte
1954 Karla Wege, damalige Studentin des Instituts für Meteorologie
der Freien Universität (FU) Berlin.

Vorreiter diesbezüglich waren allerdings die USA. Der US-Wetterdienst
begann bereits im Zweiten Weltkrieg damit, Taifune, also tropische
Wirbelstürme über dem Westpazifik, mit Vornamen zu versehen. Der
Grund hierfür war recht simpel: Man konnte dadurch deutlich leichter
den Überblick über das aktuelle Wettergeschehen behalten. Dies machte
sich vor allem dann bezahlt, wenn nicht nur ein, sondern gleich
mehrere Taifune unterwegs waren. Diese Vorgehensweise war so
erfolgreich, dass man sich entschied, in Zukunft auch Hurrikane
(tropische Wirbelstürme über dem Atlantik sowie dem östlichen und
zentralen Nordpazifik mit Mittelwinden über 118 km/h) zu benennen.

Nach einigen Weiterentwicklungen dieses Benennungsprozesses werden
seit 1978 alle tropischen Stürme (Mittelwinde über 60 km/h) über dem
östlichen Nordpazifik und seit 1979 auch über dem Nord- und
Zentralatlantik mit männlichen und weiblichen Vornamen versehen. Im
Gegensatz zu Deutschland, wo man bei der FU Berlin ein Hoch oder Tief
gegen Bezahlung taufen lassen kann, sind die Namen der Tropenstürme
durch die WMO (Weltorganisation für Meteorologie) vorgegeben. Sie
entwickelte sechs Namenslisten, wobei pro Kalenderjahr eine Liste
genutzt wird. Nach sechs Jahren beginnt man wieder von vorne und
nutzt erneut Liste 1. Jede Liste beinhaltet dabei für den Atlantik 21
Namen, beginnend mit allen Buchstaben des Alphabets außer Q, U, X, Y
und Z und für den Pazifik 24 Namen, außer Q und U.

Zu kompliziert? Dann wird es im Folgenden nicht besser, denn für den
zentralen Nordpazifik (zwischen 140 und 180 Grad westlicher Länge)
wird die Benennung nicht vom Nationalen Hurrikan Zentrum (National
Hurricane Center, kurz: NHC) in Miami, sondern vom Zentralen Pazifik
Hurrikan Zentrum (Central Pacific Hurricane Center, kurz CPHC) in
Honolulu übernommen. Dafür werden dem CPHC von der WMO vier Listen
mit jeweils 12 Namen zur Verfügung gestellt. Diese sind nun nicht an
bestimmte Jahre gebunden, sondern laufen fortwährend durch. Das
heißt: Ist eine Liste zu Ende, geht es direkt mit der nächsten Liste
weiter. Und so fing der erste tropische Sturm in 2026 im
Zuständigkeitsbereich des CPHC nicht mit "A" an, sondern mit "L"
(Hurrikan "Lala") und damit mitten in Liste 1.


Aktuell (Stand 12.10.2026) befinden wir uns im Atlantik erst bei
Buchstabe I (Hurrikan "Isaias"), im östlichen Nordpazifik schon bei S
(Hurrikan "Simon") und im zentralen Nordpazifik bei N (Hurrikan
"Nolo"). Die nächsten tropischen Wirbelstürme in den drei
Zuständigkeitsbereichen würden dann "Josephine", "Trudy" und "Olana"
heißen. Eine Übersicht über die Namenslisten finden Sie
beispielsweise auf den Seiten des NHC
(https://www.nhc.noaa.gov/aboutnames.shtml)

Welche Besonderheiten es bei diesen Listen gibt und was passiert,
wenn dann doch mal das Alphabet nicht ausreicht, lesen Sie im
morgigen Thema des Tages.

Dipl.-Met. Tobias Reinartz

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 12.10.2026

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