DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

10-10-2026 16:30
SXEU31 DWAV 101800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 10.10.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Bayern kassieren nach 8 Sekunden Gegentor bei den "Datschis"
(Bundesligarekord!!) und Wagner-Debüt bei H96 geht mal so was von in die Hose.
Und beim Wetter? - Wechselhafter Sonntag, von Westen aber allmählicher Druck-
und Potenzialanstieg (ELMAR).

Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
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Aktuell ... befinden wir uns inmitten einer zyklonalen Westlage (Wz), die
allerdings nicht rein zonal gestrickt ist, sondern mit einem Höhentrog behaftet
ist, der heute Abend genau über dem Vorhersageraum liegt. Das treibende
Bodentief - genau genommen handelt es sich um ein mehrkerniges System mit Namen
GABRIELA - erstreckt sich von der südlichen Norwegensee bis hinüber ins
Baltikum. Südlich davon herrscht eine recht lebhafte West-Südwestströmung, mit
der vor allem nach Norden hin labil geschichtete maritime Polarluft (mP; T850 im
Norden um +1, sonst um +3°C, T500 im Norden um -26°C, sonst um -22°C) zu uns
gelangt. Die Kaltfront, welche die frische Luftmasse herangeführt hat, hat
inzwischen die Alpen erreicht mit dem festen Vorhaben, diese auch zu überqueren.


In der kommenden Nacht zum Sonntag bleiben Schauer und einzelne Gewitter -
jahreszeittypisch möchte man hinzufügen - in Küstennähe sehr aktiv. In der
Gesamtakkumulation über 12 Stunden können regional eng begrenzt durchaus 10 bis
30 l/m² zusammenkommen, die in der Regenwarnung an der Nordsee eingepreist sind.
Eine Ausweitung der Warnung auf andere Gebiete ist eher unwahrscheinlich.
Abseits der Küsten sind zwar auch noch ein paar Schauer am Start, die sogar bis
in die Mitte und etwas darüber hinaus ausgreifen können (die Schauer an den
Alpen gehen auf das Konto der abziehenden Kaltfront). Häufigkeit und Intensität
sind aber nicht mit den Huschen an den Küsten vergleichbar.

Zweites Thema ist der Wind, der an den Küsten und in exponierten Hochlagen aus
West bis Südwest kommend prominent unterwegs bleibt mit Spitzen 7-8 Bft, Brocken
9-10 Bft. Im Flachland respektive in tiefen Lagen sorgt der Tagesgang hingegen
dafür, dass kaum noch Böen 7 Bft auftreten. Die Luft kühlt verbreitet auf 10 bis
5°C ab, in einigen Mittelgebirgstälern etwas darunter, direkt am Meer etwas
darüber.

Sonntag ... bekommen der Trog und das Tief (der Hauptkern befindet sich am
Morgen über Südschweden) Druck von "hinten". So wölbt sich über dem nahen
Atlantik ein gut im Futter stehender Potenzialrücken auf - ein Orkantief am
Westrand der Irminger See (12 UTC) liefert die erforderlichen Kalorien in Form
schmackhafter WLA - und am Boden meldet von Frankreich her ein Azorenhochkeil
(ELMAR) Gebietsansprüche an. Bemerkbar macht sich das vor allem im Westen und
Süden, wo sich etwa zwischen 750 und 700 hPa langsam aber sicher eine
Absinkinversion über die labile Grundschicht legt. Wettertechnisch ergeben sich
daraus ´ne Menge Quellwolken, die teilweise breitlaufen, auf der anderen Seite
aber nur ein paar schwache Schauer absondern.

Nach Norden und Osten hin gibt es diese Sperrschicht nicht. Außerdem schwenken
gerade im Norden immer wieder kurze Wellen oder Bodentröge durch, die für den
Fortbestand des wechselhaften und schauerlastigen Wetters sorgen (einzelne
Gewitter mit Böen 7-8 Bft und Graupel stehen ebenfalls an, wobei die
Wahrscheinlichkeit für stürmische Böen aufgrund nachlassender Oberwinde im
Tagesverlauf deutlich zurückgeht). Die Sonne hat unter diesen Bedingungen keine
guten Karten, einzig in Schleswig-Holstein könnte sich im Tagesverlauf etwas
abgetrocknete Luft aus Norwegen mit einigen Auflockerungen bemerkbar machen.

Bemerkbar macht sich auf alle Fälle wieder der Wind, wenn auch vielleicht etwas
weniger als heute. Mit dem Aufleben der Konvektion legt der "West-Südwest"
insbesondere in einem von der Nordsee bis nach Mitteldeutschland reichenden
Korridor eine gewisse Garstigkeit an den Tag, die sich in einzelnen Böen 7 Bft
äußert. Ob das am Ende eine Warnung zur Folge hat oder mit langer Leine operiert
wird, entscheidet sich morgen früh. Auf alle Fälle nimmt der Wind an der See im
Laufe des Tages ab, weil der Gradient nach Passage eines (vorerst?) letzten
Bodentrogs immer weiter aufweicht.

Bei guter Durchmischung (T850 um 2°C) stehen thermisch 12 bis 16, am Oberrhein
lokal bis 18°C auf der Karte.

In der Nacht zum Montag löst sich aus dem Bodenhochkeil eine eigenständige
Parzelle, die nach Süddeutschland wandert. Gleichzeitig verlagert sich der
Höhentrog ein kleines Stück nach Osten, was uns unter eine zunehmend
indifferente nordwestliche Höhenströmung bringt. Nimmt man noch den Tagesgang
dazu, dann sind das alles Mechanismen, die für eine weitere Wetterberuhigung
sprechen. Und tatsächlich geht die Schaueraktivität deutlich zurück, wenn auch
nicht ganz auf null. Und auch der Wind bekommt kalte Füße, was angesichts der
merklichen nächtlichen Abkühlung auf 8 bis nahe 0°C (je nach Bewölkung; direkt
an der See etwas darüber) fast wortwörtlich zu nehmen ist. Lediglich an der
Ostsee könnte eine weitere Bodentrogpassage ein nochmaliges Anfachen des nunmehr
auf West bis Nordwest gedrehten Windes mit Böen 7 Bft initiieren. Derweil droht
im Süden und Westen teils dichter Nebel.

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Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC

Montag ... weiterer Druck- und Potenzialanstieg => synoptische Langeweile. Wer´s
trotzdem etwas genauer haben will, dem seien die Frühübersichten des
geschätzten Kollegen Zeuschner von heute oder morgen empfohlen.


Modellvergleich und -einschätzung
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Es gibt nix hinzuzufügen, zumindest nix Substanzielles.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann