Thema des Tages
08-10-2026 12:20
Wetter aktuell
Endlich Regen!
Wann haben Sie sich denn zuletzt über Regen gefreut? "Felicia" sorgt
derzeit für dringend benötigte Niederschläge und einen markanten
Wetterumschwung. Auf Regen folgen Wind und deutlich kühlere Luft. Auf
den höchsten Alpengipfeln fallen sogar die ersten Schneeflocken.
Das Geräusch von prasselndem Regen ist selten geworden in den letzten
Wochen und Monaten. Lange hat er auf sich warten lassen. Selbst der
Start in den Herbst fiel trocken und deutlich zu warm aus. Nun öffnet
der Himmel vielerorts endlich wieder seine Schleusen. Verantwortlich
dafür ist Tief "Felicia", das von Dänemark kommend über die Ostsee
zieht und Deutschland dabei einen ordentlichen Wetterumschwung
beschert.
Bereits in der vergangenen Nacht zum Donnerstag (08.10.2026) griff
der Ausläufer von "Felicia" auf die Nordwesthälfte Deutschlands mit
länger anhaltendem, teils kräftigem Regen über. Dabei kamen von der
Eifel bis zum Teutoburger Wald gebietsweise 20 bis 30 Liter pro
Quadratmeter in 12 Stunden zusammen. An der Station Essen-Bredeney
wurden durch wiederholt kräftige Schauer sogar 40 Liter pro
Quadratmeter registriert.
Im heutigen Tagesverlauf zieht das Regengebiet dann weiter ost-
südostwärts. Besonders am Alpenrand kann dabei erneut einiges
zusammenkommen: Von Donnerstagmittag bis in die Nacht zum Freitag
sind dort verbreitet 30 bis 40 Liter Regen pro Quadratmeter möglich,
in Staulagen sogar um 50 Liter. Auch im Schwarzwald werden tagsüber
voraussichtlich die DWD-Warnschwellen für Dauerregen erreicht,
wenngleich die Mengen etwas geringer ausfallen als am Alpenrand.
Allerdings bietet der fallende Regen wohl eher Grund zur Freude,
lindert er doch die weiterhin gebietsweise vorherrschende große
Trockenheit ein wenig.
Doch "Felicia" hat noch mehr im Gepäck. Hinter ihres Ausläufers
strömt deutlich kühlere Luft nach Deutschland. Während es an der
Neiße heute noch einmal bis zu 22 Grad warm werden kann, liegen die
Höchstwerte im Westen und Norden nur noch zwischen 12 und 16 Grad.
Binnen eines Tages geht es also teilweise um fast zehn Kelvin
(wissenschaftlicher Ausdruck für eine Temperaturdifferenz; entspricht
zehn Grad Celsius) bergab. Der Herbst zeigt damit ziemlich
eindrucksvoll, dass er nicht nur auf dem Kalender angekommen ist.
Mit der kühleren Luft frischt außerdem der Wind auf. Zwischen dem
Tief über der Ostsee und höherem Luftdruck vor der Iberischen
Halbinsel entsteht über Deutschland ein signifikantes
Luftdruckgefälle. An den Küsten und im höheren Bergland sind deshalb
stürmische Böen, vereinzelt sogar Sturmböen möglich. Im Binnenland
fällt der Wind meist etwas schwächer aus, aber auch dort können in
Schauernähe einzelne steife Böen auftreten.
Und was passiert mit dem Regen? Von Nordwesten her geht er zunehmend
in Schauer über, örtlich sind auch Gewitter dabei. In der Nacht zum
Freitag beruhigt sich das Wetter dann allmählich. Die Niederschläge
lassen vielerorts nach, der Wind nimmt ab und örtlich kann sich Nebel
bilden.
An den Alpen bleibt es dagegen nass. Dort sinkt die Schneefallgrenze
mit der einströmenden maritimen Polarluft auf etwa 1800 Meter. Auf
den höchsten Gipfeln kann deshalb bereits der erste Schnee der neuen
Saison fallen. Während es im Tal also noch regnet, könnte sich die
Landschaft auf den Gipfeln schon in ein erstes winterliches Weiß
verwandeln.
Doch mit "Felicia" ist die wechselhafte Witterung nicht vorbei. Das
nächste Tief steht bereits in den Startlöchern: Bei Grönland macht
sich "Gabriela" auf den Weg. Am Samstag zieht es in den Süden
Skandinaviens, am Sonntag weiter zur Ostsee. Sein Frontensystem
erreicht Deutschland bereits ab Freitag und bringt erneut Regen, Wind
und vor allem im Küstenumfeld auch Gewitter.
Erst im Laufe des Sonntags deutet sich von Südwesten her eine
Wetterberuhigung an. Dann lässt der Wind nach, die Niederschläge
werden weniger und der Luftdruck steigt. Doch Hochdruck bedeutet im
Herbst nicht automatisch strahlenden Sonnenschein. Wenn die Nächte
länger werden und die Sonne tiefer steht, kann sich bei schwachem
Wind leicht Nebel bilden. Dieser kann sich dann hartnäckig halten und
mancherorts sogar bis in die Mittagsstunden bestehen bleiben.
Temperaturmäßig bleibt es zunächst herbstlich: Die Höchstwerte liegen
meist zwischen 12 und 18 Grad, nachts werden überwiegend einstellige
Plusgrade erreicht. In der Nacht zum Dienstag könnte es im Süden bei
Aufklaren sogar örtlich für leichten Frost in Bodennähe reichen.
So bringt "Felicia" heute also gleich mehrere Zutaten für einen
echten Wetterumschwung: Regen, Wind, kühlere Luft und auf den Alpen
sogar die ersten Schneeflocken. Nach den ungewöhnlich warmen und
trockenen Wochen dürfte das Prasseln des Regens heute vielerorts
deshalb vor allem eines sein: ein willkommenes Geräusch.
MSc.-Met. Sebastian Schappert
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.10.2026
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