DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
08-10-2026 10:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 08.10.2026 um 10.30 UTC
Zu Wochenbeginn Wetterberuhigung und allmähliche Abtrocknung. Mild. In der
zweiten Wochenhälfte voraussichtlich wieder unbeständiger bei allerdings
zunehmenden Prognoseunsicherheiten.
__________________________________________________________
Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 15.10.2026
Nach dem "atmosphärischen Paradigmenwechsel" am heutigen Donnerstag -
Kaltfrontpassage mit REGEN! und Ablösung des bis dato vorherrschenden
Spätsommerwetters - sowie der Passage eines weiteren Frontensystems am
Freitag/Samstag stellt sich am Wochenende vorübergehend eine Troglage bei uns
ein. So steht der Sonntag, der den offiziellen Beginn der Mittelfrist markiert,
ganz unter der Knute eines von Skandinavien bis nach Mitteleuropa gerichteten
Potenzialtrogs, der mit nicht allzu kalter Polarluft gefüllt ist (T500 über
-30°C, T850 um +2°C) und mit einem Bodentief über Südschweden (12 UTC)
korrespondiert. Bedeutet unter dem Strich, dass der Sonntag ziemlich wechselhaft
über die Bühne geht mit Schauern und kurzen Gewittern, wobei an Nord- und Ostsee
nicht nur die meisten, sondern auch die kräftigsten Huschen auftreten. Mit 13
bis 18°C (die höchsten Werte im südlichen Oberrheingraben) ist es für fast Mitte
Oktober noch immer ziemlich mild.
Zu Beginn der neunen Woche ziehen sich Trog und Bodentief langsam in Richtung
Finnland und Baltikum zurück. Dahinter steigen Luftdruck und Potenzial an, was
sich in der Höhe in Form eines von Südwesteuropa bis nach Skandinavien
gerichteten Rückens widerspiegelt. Im Bodendruckfeld baut sich ausgehend vom
Azorenhoch westlich der Iberischen Halbinsel eine über Deutschland
nord-nordostwärts exponierte, brückenartig anmutende Hochdruckzone auf, die am
Dienstag bis hoch zur Barentssee bzw. Nowaja Semlja reicht. Folgerichtig
trocknet es verbreitet ab (am Montag nach Norden und Osten hin aber noch
einzelne Schauer) und das Wetter beruhigt sich in weiten Landesteilen. Im
Gegensatz zum Luftdruck steigt die Temperatur nur sehr zögerlich an und in den
Nächten tritt der Jahreszeit entsprechend Nebel auf (auch wenn die zuvor
eingeflossene Polarluft nicht unbedingt der nebelaffinen Premiumklasse
angehört).
Wie so oft bei ähnlich gelagerten Großwetterlagenmustern hat auch diese
Hochdruckzone eine Schwachstelle, die voraussichtlich aber erst ab Mittwoch so
richtig zum Tragen kommt. Sie befindet sich im Nordwesten der Republik, wo die
Ausläufer vom Ostatlantik in die Norwegische See eindrehender Tiefdruckgebiete
Akzente zu setzen versuchen. Zunächst nur in Form von Wolkenfeldern und wenigen
Tropfen, am Mittwoch und Donnerstag dann mit "richtigem" Regen. Wie viel davon
und wo genau die Grenze zum trockenen Wetter weiter östlich und südlich
verläuft, ist derzeit noch offen.
Fakt ist, dass der aktuelle 00-UTC-Lauf von IFS (ECMF) zum Freitag hin zu einer
Trogpassage mit vorgeschalteter Kaltfront ansetzt (=> Niederschläge,
0°C-Isotherme soll bis zu den Alpen vorankommen), bevor im Laufe des Wochenendes
ein neuer Hochkeil vom Atlantik den Weg zu uns findet. Mal sehen, wie das die
neuesten Ensembles sehen...
__________________________________________________________
Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Bis etwa Mitte der nächsten Woche bieten die jüngsten Läufe von IFS (ECMF) sehr
ähnliche Lösungen an. Die Modellkonsistenz kann bis dahin also als gut bis sehr
gut bezeichnet werden. Demnach baut sich nach einem wechselhaften Wochenende
eine Hochdruckbrücke bei uns auf, die ein substanzielles Übergreifen
atlantischer Störungen verhindert. Lediglich nach Nordwesten hin deuten sich
einige "Streifschüsse" an, ab Mittwoch nach Lesart des aktuellen 00-UTC-Laufs
auch mal etwas zielgerichteter (Regen).
Ohnehin nimmt die Vielfalt der Modelllösungen in der zweiten Wochenhälfte zu,
die Konsistenz entsprechend ab. Ob das Pendel dann eher auf die antizyklonale
(also im Wesentlichen hochdruckbestimmte) oder eher auf die zyklonale (also im
Wesentlichen tiefdruckbestimmte) Seite ausschlägt oder die Atmosphäre gar einen
Hybridzustand (also von beidem was) anstrebt, ist derzeit noch offen.
__________________________________________________________
Vergleich mit anderen globalen Modellen
So gänzlich abweichende Ideen von dem, was IFS heute feilbietet, haben die
anderen für gewöhnlich an dieser Stelle gescannten Globalmodelle (ICON, GFS,
GEM, UK10) auch nicht zu bieten. Der Höhenrücken und die Bodenhochdruckzone
lassen sich in allen Simulationen finden. Unterschiede ergeben sich bei der
Robustheit dieses Systems. So lässt beispielweise UK10 schon zum Mittwoch hin
eine Front mit Regen sehr weit nach Südosten vordringen, während im Gegensatz
dazu GFS die Blockade sehr ernst nimmt und bis Mittwoch selbst im Nordwesten nix
anbrennen lässt.
Kurze Bemerkung noch zu erweiterten Mittelfrist ab Freitag: Während das
kanadische GEM der IFS-Lösung ähnelt, setzt GFS deutlicher und nachhaltiger auf
zyklonal (Höhentief im Raum Frankreich/Deutschland).
__________________________________________________________
Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte zeigen beim Geopotenzial
500 hPa ab Sonntag einen ganz klaren Aufwärtstrend, dessen Höhepunkt am Dienstag
bzw. in der Nacht zum Mittwoch erreicht wird. Danach nimmt die Streuung deutlich
zu, wobei die Mehrheit (aber nicht alle) der Lösungen wieder nach unten
tendiert.
Bei der Temperatur 850 hPa zeigen die Kurven je nach Region ein bis anderthalb
Tage später als Pot500 nach oben. Dort beschreiben sie dann für zwei bis drei
Tage einen waagerecht verlaufenden Sockel (Seitwärtsbewegung), bevor es schon am
Donnerstag beginnend vogelwild wird. Zwar lässt sich auch hier eine leichte
Mehrheit für die Richtung "nach unten" finden, allerdings nicht im Süden, wo
kein Trend erkennbar ist. Tatsache ist, dass die Niederschlagssignale nach einem
von Montag bis Mittwoch währenden Minimum danach tendenziell wieder zunehmen.
Von den Fahnen zu den Clustern. Los geht´s am Sonntag/Montag (T+72...96h) mit
einer einzigen Lösung ("Atlantischer Rücken"), die selbstredend des HRES stützt.
Von Dienstag bis Donnerstag (T+120...168h) erhöht sich die Anzahl der Cluster auf
drei, die alle den Wechsel zu "NAO+" anzeigen. CL1 und 3 (insgesamt 37 Fälle +
Kontrolllauf) simulieren ein ähnliches Muster wie der HRES (Brückenhoch +
Höhenrücken), wohingegen CL 2 (14 Fälle) eine nördliche bzw. antizyklonale
Westlage (Wa) favorisiert. Drei Schubladen werden auch ab Freitag (T+192...240h)
aufgemacht, von denen CL 1 (22 Fälle) eine Westlage, CL 2 (17+CL) High-over-Low
mit Cut-Off-Tief über Oberitalien und CL 3 (12) ein leicht progressives, für
unseren Raum aber über weite Strecken hochdrucklastiges Keil-Trog-Muster
anbieten. Kurzum, in der erweiterten Mittelfrist weiß man nicht so recht, wie´s
weitergeht.
FAZIT:
Nach der wechselhaften Kurzfrist (+ Sonntag) beruhigt sich die Szenerie
(brückenartige Hochdruckzone + stützender Rücken). Dabei steigt die Temperatur
zwar etwas an, spätsommerliche Granatentage wie zuletzt sind aber nicht mehr
drin. Die Schwachstelle des Konstrukts liegt im Nordwesten, wo ab Mittwoch
möglicherweise ein frontaler Durchbruch erfolgt. Ob und wie und wenn, wie
schnell sich dieser auch nach Süden und Osten hin durchsetzt ist ebenso noch
offen wie ganz allgemein die erweiterte Mittelfrist.
_________________________________________________________
Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Es ist unstrittig, dass sich das Gros markanter respektive signifikanter
Wettererscheinungen in der Kurzfrist sowie zu Beginn der Mittelfrist am Sonntag
abspielt. Dabei steht zum einen der WIND/STURM, zum anderen STARKREGEN/GEWITTER
im Fokus. Von beiden Parametern betroffen sind die küstennahen Gebiete, wo zwar
kein ausgewachsener Sturm zu erwarten ist, von wenigen Pausen abgesehen aber
flotter und in Böen stürmischer Wind (8 Bft) aus westlichen Richtungen unterwegs
ist. Die Wahrscheinlichkeit für Böen 8 Bft ist dabei an der Nordsee größer als
an der Ostsee. Zeitweise stürmisch präsentieren sich auch die exponierten
Hochlagen des Berglands, wobei der Brocken am Sonntag mit (schweren) Sturmböen
9-10 Bft wie so oft die deutsche Hitliste anführt.
Darüber hinaus kommt es am Sonntag wie zuvor bereits auch schon an den Küsten zu
einer hochfrequenten Schaueraktivität mit eingelagerten Gewittern.
Küstenkonvergente Effekte im Verbund mit der zu dieser Jahreszeit hohen Zufuhr
latenter Wärme (relativ hohe Oberflächentemperatur von Nord- und Ostsee =>
diabatischer Input) bergen die Gefahr erhöhter Regenmengen. Insbesondere das
Überschreiten der mehrstündigen Starkregenschwelle muss dabei im Auge behalten
werden.
________________________________________________________
Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS mit MOSMix und Modellmix.
________________________________________________________
VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann