Thema des Tages
07-10-2026 13:50
Wissenschaft kompakt
Ist der Himmel wirklich blau?
In den letzten Tagen war der Himmel oft tiefblau, manchmal ist er
milchig weiß, obwohl keine Wolke am Himmel die Sicht trübt und zum
Sonnenuntergang erstrahlt er in kräftigem Rot. Doch woran liegt es,
dass der Himmel solch unterschiedliche Farben annimmt?
Wenn wir in den Himmel blicken, sehen wir ein strahlendes Blau, dabei
ist unsere Atmosphäre eigentlich farblos. Und auch das Sonnenlicht
erscheint weiß. Woher kommt also die blaue Farbe?
Unser Sonnenlicht besteht eigentlich aus verschiedenen Farben, den
sogenannten Spektralfarben. Bei einem Regenbogen können wir diese
sehen: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett. Alle diese Farben
haben unterschiedliche Wellenlängen, die von Rot zu Violett abnehmen.
Rotes Licht hat also eine lange, violettes Licht eine kurze
Wellenlänge.
Auf dem Weg durch die Atmosphäre trifft das Sonnenlicht auf die
Luftmoleküle und wird gestreut. Diese sogenannte Rayleigh-Streuung
ist abhängig von der Wellenlänge des Lichts. Die kurzwellige blaue
Strahlung wird rund 16-mal stärker gestreut als das langwellige rote
Licht. Durch die stärkere Streuung verteilt sich der blaue Anteil des
Lichts in alle Richtungen und erreicht unser Auge aus nahezu jeder
Blickrichtung. Deshalb sieht der Himmel für uns blau aus. Ohne
Atmosphäre wäre er selbst am Tag schwarz. Wenn die Sonne dann
untergeht, muss das Licht einen viel längeren Weg durch die
Atmosphäre zurücklegen. Dabei wird der blaue Anteil bereits zu Beginn
des Weges durch die Atmosphäre so stark gestreut, dass nur noch der
rote und orangene Lichtanteil unser Auge erreicht und der Abendhimmel
erscheint für uns rot-orange.
Auf den DWD-Webcam-Bildern aus Schmücke lässt sich das beobachten. Am
Dienstag um 10 Uhr war der Himmel tiefblau, während er sich am
Sonntag zum Sonnenuntergang rot-orange zeigte.
Die Rayleigh-Streuung erklärt also, warum der Himmel mal tiefblau und
mal leuchtend rot aussieht. Doch die Webcam zeigt auch Bilder, auf
denen der Himmel milchig wirkt. Obwohl es sich um den gleichen
Standort und in etwa die gleiche Tageszeit handelt, sah der Himmel
hier am 12. Juli doch ganz anders aus als am vergangenen Dienstag.
Was hat sich verändert, dass der Himmel nicht gleich blau ist?
Verantwortlich ist die Zusammensetzung der Atmosphäre. Auf seinem Weg
durch die Atmosphäre wird Licht nämlich nicht nur an Molekülen,
sondern auch an größeren Partikeln wie Wassertropfen oder Staub
gestreut. Die hier auftretende Streuung nennt sich Mie-Streuung. Im
Gegensatz zur Rayleigh-Streuung ist sie aber weitgehend
wellenlängenunabhängig. Jeder Farbanteil des Lichts wird also zu
ähnlichen Anteilen gestreut. Es kommen alle Wellenlängen an unserem
Auge an und überlagern sich dort, sodass wir den Himmel weiß
wahrnehmen. Deshalb ist die Farbe auf dem Webcam-Bild weiß und
hellblau.
Die Farbe des Himmels zeigt also den Zustand der Atmosphäre an. Bei
einer sehr trockenen Atmosphäre gibt es kaum Wassertropfen oder
andere große Partikel, an denen die Mie-Streuung auftreten kann, die
Rayleigh-Streuung dominiert und der Himmel ist tiefblau. Je höher
aber der Wassergehalt der Luft wird, desto mehr Wassertropfen
befinden sich in der Atmosphäre. Das Licht wird gleichmäßig gestreut
und der Himmel erscheint milchig.
Vor allem wenn jetzt dann im Herbst und Winter kalte, trockene
Luftmassen zu uns kommen, können wir den strahlend blauen Himmel
bewundern. In den nächsten Tagen werden wir davon nichts zu sehen
bekommen, denn dank Tief FELICIA ziehenden Wolken, Schauer und
feuchten Luftmassen auf, die uns den Blick auf einen blauen Himmel
versperren.
M.Sc. Tanja Egerer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.10.2026
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