DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

03-10-2026 12:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Samstag, den 03.10.2026 um 10.30 UTC



Zunächst spätsommerlich. Ab Mittwochnachmittag von Westen aufkommende
Niederschläge, bis Donnerstag ostwärts vorankommend, vereinzelt Gewitter und
Starkregen. An der Küste ab Donnerstag zunehmend stürmisch.
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Synoptische Entwicklung bis zum Samstag, den 10.10.2026


Am Dienstag erstreckt sich ein kräftiger Höhenrücken vom westlichen
Mittelmeerraum über Frankreich bis nach Deutschland. Nördlich davon schließt
sich eine aktive Frontalzone an, von der Deutschland aber nur im Norden leicht
beeinflusst wird. Dort gibt es stärkere Bewölkung und an der Grenze zu Dänemark
auch mal ein paar Spritzer Regen. Bei höhenwarmer Luft (T850: 10-12 Grad) wird
ein ruhiger, von der Mitte bis in den Süden nach Nebelauflösung oft goldener
Oktobertag erwartet. Abgesehen von Regionen mit Nebel oder dichten Wolken dürfen
über 20 Grad erwartet werden. Dafür wird es nachts mit 10 bis 3 Grad recht
frisch.

Am Mittwoch verschiebt sich der Schwerpunkt des Höhenrückens nach Osteuropa.
Damit rückt das Höhentief über der Biskaya langsam näher. Zudem amplifiziert
sich der Trog bei den Britischen Inseln. Auf der Vorderseite amplifiziert sich
ein Bodentief über Nordfrankreich. Damit rücken im Tagesverlauf allmählich
dichtere Wolken näher und im Nachmittagsverlauf setzt im Nordwesten Regen ein.
Abgesehen vom Nordwesten und Nebelgebieten wird es oft noch einmal sehr mild
(20-24 Grad).
In der Nacht auf Donnerstag kann sich das Bodentief durch einen neuen Randtrog
bei den Britischen Inseln vertiefen und zieht in den Westen von Deutschland.
Damit breiten sich die Niederschläge von Nordwesten und Westen im Verlauf bis
zur Mitte aus und können teils kräftig ausfallen.
Am Donnerstag amplifiziert sich der Trog bei den Britischen Inseln weiter und
beginnt sich langsam abzuschnüren. Das resultierende eigenständige Höhentief
zieht im Tagesverlauf von der Nordsee nach Ostfrankreich. Damit kann sich auch
das Bodentief weiter intensivieren und zieht bis zum Abend mit seinem Zentrum
zur Ostsee. Der Schwerpunkt der Niederschläge verlagert sich von der Mitte und
dem Südwesten im Tagesverlauf in den Osten und nach Bayern. Rückseitig ziehen
die Niederschläge in den Nachtstunden ostwärts ab, hängen aber noch längere Zeit
staubedingt am Alpenrand fest.
Der zunehmende Wind dreht von West auf Nordwest, mit stürmischen Böen an der
See. Die Maxima liegen mit 12 bis 18 Grad deutlich niedriger als am Vortag.
Am Freitag rutscht das Höhentief nach Südostfrankreich und setzt sich dort fest.
Deutschland verbleibt an der Nordostflanke und damit weiter meist zyklonal
geprägt. Der Schwerpunkt der Niederschläge konzentriert sich auf die
Südwesthälfte, wo Deutschland dem Höhentief am nächsten liegt.
Auch am Samstag ändert sich nicht viel. Das Höhentiefzentrum verschiebt sich zum
Golf von Genua. In Deutschland bleibt das Wetter mit dieser Konstellation
unbeständig, aber weiterhin mild.
In der erweiterten Mittelfrist setzt sich das Höhentief beim Golf von Genua dort
fest und beginnt sich im Verlauf der kommenden Woche dort aufzufüllen. Die
Entwicklung in Deutschland wird von dieser Entwicklung im Verlauf deutlich
entkoppelt. Zum Sonntag kann das Höhentief zwar noch deutlich Einfluss ausüben.
Nachfolgend verstärkt sich aber von Westen her mit einem Höhenrücken der
antizyklonale Einfluss. Nach Süden bleibt es noch leicht unbeständig, von der
Mitte bis in den Norden wird es hingegen goldenoktoberisch.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Es zeigt sich, dass die sich abschnürenden Höhentiefs, die bereits in der
Kurzfrist für Unsicherheiten sorgen, auch in der Mittelfrist die
Modellkonsistenz einschränken. Das gilt bereits zu Beginn für das Höhentief über
Norditalien, das sowohl in Positionierung als auch Intensität unterschiedlich
vorhergesagt wird, aber für Deutschland zunächst keinen Einfluss hat.
Der Wetterumschwung ab Mittwoch bzw. in der Nacht auf Donnerstag wird von allen
Modelläufen gezeigt, allerdings ist der genaue Ablauf unsicher. Das betrifft zum
Beispiel den zeitlichen Ablauf, also wie schnell das Bodentief über Deutschland
nach Nordosten zieht und damit die Niederschläge auf Deutschland übergreifen.
Aber auch die Intensität des Tiefs und damit die Stärke der Niederschläge und
des Windes weisen Unsicherheiten auf.
Die Unsicherheiten nehmen in Bezug auf den Abschnürungsprozess zum Ende der
Woche zu. Im gestrigen 00-UTC-Lauf sollte dieser gar nicht stattfinden, sondern
der Trog nach Osteuropa abziehen. Im 12-UTC-Lauf war er dann klar zu sehen, aber
eher kleinräumig mit einem noch deutlichen Trogresiduum über Deutschland. Im
heutigen 00-UTC-Lauf ist das abgeschnürte Höhentief deutlich umfangreicher und
umfasst nahezu ganz Frankreich und auch Teile von Deutschland.
Im weiteren Verlauf des Wochenendes nehmen diese Unsicherheiten noch einmal
deutlich zu und eine Aussage ist eigentlich nicht mehr möglich.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Beim Modellvergleich ergeben sich direkt Unterschiede bei der Lage des
Höhentiefs über Nordfrankreich am Dienstag. ICON hat dieses beispielsweise an
der kroatischen Küste liegen.
Der Umstellungsprozess zu Wochenmitte wird von allen Modellen gezeigt, aber die
Stärke des sich entwickelnden Bodentiefs und die Frage, wie schnell der
Luftmassenwechsel mit Niederschlägen von Westen her stattfindet, zeigen noch
größere Diskrepanzen.
Der nachfolgende potentielle Abtropfprozess zum Ende der Woche ist sehr
unsicher. GFS und UK10 lassen den Trog ohne Abtropfen nach Osteuropa abwandern
und ein Höhenrücken kann am Freitag wetterwirksam werden, der von kräftiger WLA
überlaufen ist. Bei ICON findet zwar noch ein Abtropfen statt, aber nur ein
kleines Höhentief resultiert und von Westen nähert sich ebenfalls der Rücken.
Das ECMWF ist das einzige Modell, das einen solchen starken Energietransfer in
das Mittelmeer simuliert, der dann dort zum Liegen kommt. Folglich sind die
Diskrepanzen am Wochenende riesig. Nimmt man das GFS, so simuliert dieses einen
umfangreichen Trogkomplex über Nordeuropa mit einer strammen westlichen bis
nordwestlichen Strömung über Deutschland. Beim ECMWF liegt die Frontalzone
nördlich von Deutschland und das Trog-Keil-Muster ist deutlich flacher. Dafür
gibt es das umfangreiche Höhentief über dem Mittelmeer, das es bei GFS gar nicht
gibt.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen zeigen den grundlegenden Wetterablauf ziemlich einheitlich. So
erkennt man zunächst hohes Geopotential und leicht steigende
T850-hPa-Temperaturen bis Mittwoch. Dann folgt der deutliche Absturz, der an die
Passage des Bodentiefs gekoppelt ist, bei der rückseitig ein Schwall maritimer
Polarluft einströmen kann. Bis dahin verläuft der Hauptlauf noch gut im Median
bei nur geringem Spread. Anschließend nimmt der Spread zu. Einige Member zeigen
eine rasche Erholung der T850, andere verbleiben wie auch der Hauptlauf am
Unterrand des Ensembles. Das umfangreiche, persistente Höhentief vom
deterministischen Lauf scheint damit eher eine Extremlösung zu sein. Durch den
großen Spread ist wiederum eine gesicherte Aussage kaum möglich.
Das Clustering des ECMWF zeigt für den Zeitraum +120 h (Do 00) bis +168 h (Sa
00) insgesamt sechs Lösungen, wobei die ersten fünf Cluster mit 9 bzw. 10
Membern besetzt sind. Das spricht für sich schon für eine große Unsicherheit.
Auffällig ist in allen Clustern eine positive Potentialanomalie über dem
Atlantik. Je nach Member ist diese unterschiedlich stark ausgebildet und leicht
anders positioniert. Stromab sieht es für Zentraleuropa im Mittel zyklonal
geprägt aus. Allerdings ist die Art und Weise noch sehr unterschiedlich: Von
einem stark amplifizierten Trog bis hin zu zonaler Strömung ist vieles möglich.
Einzelne Member zeigen auch eine stärker antizyklonale Prägung.
Im Zeitraum +192 h (So 00) bis +240 h (Di 00) gibt es zwei Cluster. Nach Cluster
1 bliebe der Vorhersageraum bestimmt von einem umfangreichen Trogsystem. Bei
Cluster 2 würde sich eine positive Potentialanomalie über großen Teilen von
Europa bis nach Russland aufbauen.
Das Ensemble des GFS zeigt nach dem Absturz zur Wochenmitte eine rasche
Erholung, aber ebenso eine rasche und dann beständige Rückkehr zur Troglage (mit
niedrigen T840-hPa-Temperaturen). Das Mittel und die Mehrzahl der Member stützen
damit den Hauptlauf, der keinen Abtropfprozess zeigt. Es gibt aber natürlich
auch Einzellösungen, die diesen simulieren, aber klar in der Minderheit sind.
Fazit:
Bis einschließlich Mittwoch bleibt es in weiten Landesteilen sehr mild und
abseits der Nebelgebiete freundlich. Nachfolgend wird mit einem sich
amplifizierenden Trog und Zyklogenese am Boden der Wetterumschwung eingeleitet.
Das Bodentief zieht nordostwärts über Deutschland hinweg mit einem nachfolgenden
Schwall maritimer Polarluft. Der genaue zeitliche Ablauf und die Intensivierung
des Tiefs sind noch unsicher. Zum Ende der Woche findet nach dem aktuellen EZMWF
ein umfangreicher Abtropfprozess ins westliche Mittelmeer statt, der aber weder
modellintern noch modellübergreifend konsistent gezeigt wird, teils gibt es gar
keinen Abtropfprozess. Zum kommenden Wochenende ist in der weiteren Folge keine
zielführende Prognose mehr möglich. Einzig: Zyklonalität ist eher zu erwarten
als ruhiges Hochdruckwetter.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Mit der Passage des Bodentiefs kommt es ab Mittwochnachmittag und in der Nacht
auf Donnerstag zu schauerartig verstärkten Niederschlägen und eingelagerten
Gewittern. Dabei ist Starkregenpotential vorhanden.
Markanter Starkregen ist am Donnerstag am ehesten in den östlichen Landesteilen
und im Südosten zu erwarten, wo es zudem an den Alpen eine Staukomponente gibt.
Auch am Freitag sind im Süden noch Gewitter mit Starkregen möglich. Insgesamt
aber Wetterberuhigung.
An der See ist es am Donnerstag und Freitag stürmisch aus Nordwest (Bft 8/9).
Zum Wochenende zu große Unsicherheiten für eine Prognose von markantem Wetter.

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Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix, ECMWF + AIFS EPS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Marcus Beyer