DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

01-10-2026 10:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 01.10.2026 um 10.30 UTC



Nach einem recht stabilen Beginn gestaltet sich das Wetter ab der Wochenmitte
wechselhafter. Mild bis ungewöhnlich mild. Küsten zeitweise böiger Westwind und
Nächte zunehmende Nebelbildung.
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Synoptische Entwicklung bis zum Donnerstag, den 08.10.2026


Die Mittelfrist beginnt noch im Zeichen des alten Strömungsmusters unter einem
eher blockierenden Einfluss, bevor sich in der Folge aber ein eher zonal
ausgerichtetes/progressives Strömungsmuster auch bei uns in Form einer
wechselhafteren Witterung im Bereich der erweiterten Mittelfrist auswirken
sollten. Eine nun folgende kurze Aktualisierung der dynamischen Parameter kann
gerne bis zum Absatz "AKTUELLE MITTELFRIST" übersprungen werden.

Dem seit Mitte September zu beobachtenden markanten Anstieg der globalen
atmosphärischen Impulsbilanz folgte dank eines ausgeprägten negativen
Gebirgsmoments (über Ostasien) seit Ende September ein starker Rückgang auf
allerdings weiterhin (El Nino forcierte) hohe Standardwerte. Da die Tendenz
dieses Parameters von Interesse ist, wechseln wir also von einem hohen
Energieeintrag (stärker wellender Jet mit höheren Wahrscheinlichkeiten für
Blockierungslagen) hin zu einem niedrigeren, was grundsätzlich eine zonale
Ausrichtung des Jets fördert. Übrigens hatte der Energieeintrag zur Monatsmitte
(September) dank des Gebirgsmoments für eine agile vertikale
Rossbywellenausbreitung gesorgt, was u.a. für eine temporäre Abschwächung des
Polarwirbels in der Stratosphäre unter den Medianwert gut war mit einer nun
stattfinden kompletten Umkehr hin zu überdurchschnittlichen Werten (dank
Vorzeichenänderung des Gebirgsmoments). All das lässt die zonal gemittelten
Zonalwinde in 60 Grad Nord/100 hPa (in den Vorhersagen) teils bis in den
Rekordbereich hochschnellen. Unter dem Strich stehen die Zeichen also auf eine
zonale Jetausrichtung mit ansteigenden Zonalwindgeschwindigkeiten, was besonders
für den ostasiatischen/pazifischen und nordatlantischen Sektor zutrifft (v.a.
dank eines sich über Kanada etablierenden kräftigen Polarwirbels in der
Troposphäre).

Dieser Entwicklung steht aber ein kräftiger Subtropenjet gegenüber (innerhalb
der Wellenflussanalyse vom Ostpazifik bzw. dem aufsteigenden Ast der anormal
kräftigen Walkerzirkulation ausgehend), was über dem Nordatlantik für eine duale
Jetkonfiguration sorgt. Diese grundsätzlich blockierungsfreudige Ausgangslage
könnte über dem Nordatlantik für Blockierungen sorgen, wenngleich hier die
Numerik sehr stark streut, wann bzw. wo etwas Blockierendes initiiert wird (u.a.
auch vom Energietransfer stromauf und ggf. einsetzendem Rossbywellenbrechen
abhängig). Insofern verwundert eine rasch zunehmende Unsicherheit im Bereich der
erweiterten Mittelfrist nicht.

Es deutet sich aber mit großer Streubreite eine positive PNA Entwicklung an, was
stromab für eine Verwellung über dem Nordatlantik gut sein dürfte (Initiator für
Rossbywellenbrechen / dualer Jet). Europa würde mit Blick auf Niederschläge bei
einer recht nördlichen Lage der Frontalzone somit eher auf Abtropfvorgänge
hoffen müssen, die nach Europa gerichtet sind und den Fokus für
Niederschlagsbildung darstellen. Dieser Kampf innerhalb der Numerik (Blockierung
versus Zonalisierung) zeigt sich auch in einer recht diffusen Verteilung der
Wahrscheinlichkeitsvorhersagen der zu erwartenden Wetterregime, allerdings
insgesamt mit einem Überhang der Blockierung (nach dem aktuell vorhandenen
gestrigen Lauf).

Unter dem Strich sehen die Chancen für etwas mehr Nass zur Monatsmitte im
Vergleich zu den letzten Monaten solider aus, was besonders für den Westen und
Norden der Republik gilt, doch vor allem wenn es auf Abtropfvorgänge hinausläuft
muss der Niederschlagsvorhersage eine hohe Unsicherheit bescheinigt werden.
Zudem stützt die nördliche Lage der Frontalzone eher antizyklone Verhältnisse
über Mitteuropa, deren Schwerpunkte aber durch optionale Abtropfprozesse
maßgeblich beeinflusst werden.

Die aktuelle Subsaisonalvorhersage des EZ fällt durchweg neutral/trocken aus,
während es bei einer lag +10 Tagesvorhersage des aktuellen MJO/ENSO und GWO
(Globale Windoszillation) Komposits zum Beginn der zweiten Monatsdekade
wenigstens vorübergehend über Mitteleuropa nasser werden würde.


AKTUELLE MITTELFRIST:

Wie sieht nun aber das Wetter für die kommende Mittelfrist aus, was den Zeitraum
vom Sonntag, den 04. Oktober bis zum Donnerstag, den 08. Oktober 2026 abdeckt?

Am Sonntag erstreckt sich ein zonal ausgerichteter Keil nach Mitteleuropa, wobei
Deutschland an dessen Ostflanke verweilt. Dadurch wird eine teilokkludierte
Kaltfront zögernd ostwärts gedrückt, die vor allem den Norden, Osten und den
Alpenrand mit vielen Wolken und etwas Nass beglückt. Im Westen und über der
Mitte starten wir häufig neblig-trüb in den Tag und wenngleich die Numerik
aktuell eine rasche Nebelauflösung andeutet, so bestehen daran wenigstens
regional doch berechtige Zweifel, dank des üppigen Feuchteeintrags. Zum Mittag
sollten aber die letzten Nebelfelder getilgt sein und dann erwartet uns im
Westen ein freundlicher, streckenweise auch sonniger Tag. Im Rest des Landes
schwächen sich die Schauer im Tagesverlauf ebenfalls immer weiter ab und die
dichte Wolkendecke lockert weiter auf.

Zum Montag steigt bei uns das Geopotenzial in einer zonalen Hintergrundströmung
weiter ab, sodass besonders entlang der zentralen Mittelgebirge und südlich
davon Hochdruckeinfluss dominiert. Das bedeutet nach der Auflösung letzter
Nebelfelder aus der Nacht heraus (besonders in Bayern teils zäh bis zum Mittag
haltend) besonders nach Südwesten meist sonnig, bei trockenen Verhältnissen. Dem
Norden bringt eine wetterinaktive und Norddeutschland streifende
Warmfrontpassage dichte Wolkenfelder, aus denen es besonders im Umfeld der
Deutschen Bucht und Ostsee zeitweise leicht regnen kann.

Und an dieser Wetterzweiteilung ändert sich auch zum Dienstag wenig, außer, dass
die Höhenströmung mehr auf "Südwest zyklonal" kippt, dank sinkendem Geopotenzial
vor Westeuropa. Bedeutet am Vormittag im Süden noch teils dichter Nebel und im
Norden ausgedehnte Wolkenfelder. Beides löst sich im Vormittagsverlauf auf bzw.
zieht zur Ostsee ab und in der Folge erwartet uns über der Mitte und dem Süden
ein freundlicher, teils auch sonniger Dienstag. Nach EZ könnte auch in
Norddeutschland zum Nachmittag die Sonne scheinen (abgesehen der
Küstenabschnitte), doch hier bestehen noch Unsicherheiten, was vor allem der
Druck-/Geopotenzialgeometrie innerhalb der Modellwelt geschuldet ist.

Bereits im Verlauf der Nacht zum Mittwoch greift von Westen Aufgleitniederschlag
auf Deutschland über, was dem nahenden Trog und einer Bodentiefentwicklung über
Deutschland geschuldet ist. Hier ergeben sich aber noch erhebliche
Modelldiskrepanzen, was dem beginnenden Abtropfprozess über Mitteleuropa
geschuldet ist. Grundsätzlich sollte am Mittwoch und Donnerstag der Osten von
Deutschland noch längere Zeit unter Hochdruckeinfluss stehen, der aus heutiger
Sicht erst zum Donnerstagabend von Westen mit Wolken und Niederschlag beendet
wird. Ansonsten gestalten sich beide Tage im Süden/Westen und Norden wechselhaft
und auf die Fläche gesehen sind nennenswerte Niederschlagsmengen nicht
ausgeschlossen. Allerdings hängt dies sehr von der Lage des in Richtung
westliches Mittelmeer abtropfenden Troges ab, sodass auch dieses optionale
Niederschlagsereignis noch nicht in trockenen Tüchern ist (gestützt durch die
Ensembleanalyse weiter unten).

Die Höchstwerte liegen im Zustrom subtropischer Luftmassen meist im sehr milden
bis ungewöhnlich milden Bereich (18 bis 24 Grad) und kratzen im Südwesten
besonders zum Dienstag/Mittwoch den Oberrhein entlang an der Sommermarke. Im
Norden bleibt es mit 17 bis 20 Grad etwas weniger mild (mild bis sehr mild) und
zum Donnerstag kühlt es insgesamt etwas ab.

Die Minima liegen meist zwischen 12 und 6 Grad, können aber an beiden Enden
etwas abweichen (besonders im Norden auch mal etwas milder, im Südosten auch mal
etwas kälter ausfallend). In den Nächten muss mit teils überregionaler und
dichter (warnrelevanter) Nebelbildung gerechnet werden.

Im Küstenumfeld weht der Westwind besonders zum Beginn der kommenden Woche
zeitweise stark böig, exponiert auch mal stürmisch, während dieser im Binnenland
sonst meist nur schwach bis mäßig aus überwiegend westlicher Richtung daherkommt
(im Süden zum Wochenbeginn vorübergehend auf Ost drehend).

In der erweiterten Mittelfrist sorgt eine umfangreiche Zyklone über dem
Europäischen Nordmeer für eine wechselhafte Westströmung.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


EZMW zeigt die kommende Mittelfrist in den jüngsten Modellläufen recht homogen.
Diskrepanzen ergeben sich vor allem bei den jeweiligen Amplituden der
Druckgebilde: Der Keil zum Wochenbeginn wird etwas progressiver und schwächer
gezeigt, während der nachfolgende Trog in den beiden letzten Modellläufen
zügiger nach Südwesteuropa vorankommt und zum Ende der Mittelfrist über dem
westlichen Mittelmeer einen (allerdings noch stärker streuenden) Abtropfprozess
induziert.

Unter dem Strich wird aber die grobe Geopotenzialentwicklung mit einer guten
Übereinstimmung gezeigt.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Beim internationalen Vergleich beginnt die Mittelfrist mit einer großen Streuung
bei einer über Norddeutschland ostwärts ablaufende Kurzwelle, die besonders von
ICON13 bis nach Sachsen gebracht wird, während EZ und UK10 insgesamt zonaler
aufgestellt sind. Diese Unsicherheiten könnten sich verzögernd auf die
Niederschlagsentwicklung besonders im Nordosten/Osten von Sonntag auf Montag
auswirken.
Der nachfolgende Trog und beginnende Abtropfprozess wird in seinen Grundzügen
recht homogen gezeigt, allerdings mit einer noch deutlichen zonalen Streuung
z.B. zwischen EZ und GFS. Nichtsdestotrotz zeichnet sich zum Ende der
Mittelfrist nach allen Modellen ein zunehmend wechselhafter Witterungsabschnitt
ab.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse beginnt am Sonntag mit drei Clustern und dem einheitlichen
klimat. Regime der Blockierung, wobei Deutschland an deren Ostrand gelegen noch
anfällig für (im Ensemble herausgeglättete) Kurzwellenpassagen ist.

Von Montag bis Mittwoch weicht die Blockierung auf und macht in drei Clustern
dem dominanten Regime der positiven NAO bzw. zum Mittwoch in Cluster 1 und 2 dem
Regime "Atlantikrücken" Platz (Kontrolllauf im zweiten Cluster gelegen). Bei uns
in Deutschland bedeutet das zum Wochenbeginn Geopotenzialabbau mit noch dominant
antizyklonalem Einfluss (besonders für die Mitte und den Süden von Deutschland),
bevor zum Mittwoch von Nordwesten ein Trog auf Mitteleuropa übergreift.

Von Donnerstag bis in die erweiterte Mittelfrist nehmen die Unsicherheiten dann
rasch zu. Drei der vier Cluster zeigen eine eher zonal ausgerichtete Strömung
mit dem Übergreifen eines kräftigen Troges, der über Nordwesteuropa zum
kommenden Sonntag in Richtung Nordsee zieht. Es bestehen noch Unsicherheiten,
wie weit südlich der Trog ziehen wird, sodass sich besonders über Süddeutschland
temporär auch ein stabiler Witterungsabschnitt durchsetzen kann. Der 4. Cluster
zeigt ein Abdriften des kräftigen Atlantikrückens nach Osten hin zu einer
Blockierungslage über Mitteleuropa, was aber auf deutlich abweichende
Geopotenzialmuster stromauf in Richtung Nordamerika/Kanada zurückgeht und
aktuell als Außenseiterlösung angesehen werden darf. In der Folge nehmen die
Unsicherheiten weiter zu, wobei in vielen Clustern ein zeitlich versetzter
Abtropfvorgang über Europa angedeutet wird.

Die Meteogramme heben den insgesamt sehr milden und zum Mittwoch/Donnerstag
zunehmend wechselhaften Verlauf der Mittelfrist recht homogen hervor mit einer
innerhalb der Rauchfahnenanalyse (500 hPa Geopotenzial und 850 hPa Temperatur)
recht zentralen Lage des Kontrolllaufs innerhalb der Memberwolken.

Allerdings fällt auf, dass der Kontrolllauf beim Niederschlag zum
Mittwoch/Donnerstag recht aggressiv aufgestellt ist im Vergleich zum Rest des
Ensembles. Auch bei den Rauchfahnen zeigt sich zum Mittwoch/Donnerstag bei den
meisten Membern ein schnelleres Absinken der 850 hPa Temperaturwerte im
Vergleich zum Kontrolllauf und selbiges gilt auch für das Geopotenzial. Daher
ist zu befürchten, dass der Abtropfprozess (eh schon recht schwach auf der
Brust) noch früher/westlicher von uns initiiert wird (Vergleich höhere
Standardabweichungen beim 500 hPa Geopotenzial in der Südwestflanke des Troges
beim IFS-ENS) und Deutschland hauptsächlich von einer progressiven
Resttrogpassage beeinflusst wird. Diese Entwicklung würde die
Niederschlagsmengen für Mittwoch/Donnerstag verringern.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die Mittelfrist ist insgesamt arm an signifikanten Wettererscheinungen.

Windböen:

Besonders im Küstenumfeld frischt der Wind zum Beginn der kommenden Woche
wiederholt stark böig, exponiert auch stürmisch aus West (Bft 8) auf.

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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS, GEFS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy