Thema des Tages
30-09-2026 13:50
Wetter aktuell
Die pazifische Hurrikansaison 2026: Auf Rekordjagd!
So ruhig die Hurrikansaison 2026 auf dem Atlantik verläuft, so
intensiv findet sie auf pazifischer Seite statt. Den aktuellen Stand
dazu lesen Sie im heutigen Thema des Tages.
Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Ostpazifik
vom 15. Mai bis zum 30. November und im zentralen Pazifik vom 1. Juni
bis zum 30. November. Das bedeutet nicht, dass es außerhalb dieser
Zeitfenster keine Hurrikans beziehungsweise tropischen Wirbelstürme
gibt. Statistisch gesehen, treten die meisten davon aber innerhalb
dieser Korridore auf.
Tropische Wirbelstürme definieren sich über ihre mittlere
Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62 km/h spricht man
von einem tropischen Sturm (bzw. je nach Entstehungsregion auch
subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem Hurrikan und ab 178 km/h
von einem schweren Hurrikan (engl.: major hurricane). Schwere
Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis fünf auf der
fünfteiligen Saffir-Simpson-Skala ein.
Durchschnittlich entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 - also
innerhalb der aktuellen sogenannten Vergleichsperiode - pro Jahr 15
tropische Stürme, darunter 8 Hurrikane und darunter wiederum 4
schwere Hurrikane. Während diverse nationale Wetterdienste und
weitere wissenschaftliche Einrichtungen für den Atlantik aufgrund des
extrem starken El Niños eine unterdurchschnittliche Saison 2026
erwarteten, war für den Pazifik genau das Gegenteil der Fall. Das
Klimaprognosezentrum der US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and
Atmospheric Administration) zum Beispiel ging in seiner Prognose vom
21.05.2026 von einer überdurchschnittlichen Saison aus mit 15 bis 22
benannten Stürmen, darunter 9 bis 14 Hurrikanen und darunter wiederum
5 bis 9 schwere Hurrikanen. Als Begründung führte die NOAA unter
anderem ebenfalls El Niño auf.
Werfen wir nun mal einen Blick auf den aktuellen Stand: Bisher wurden
20 Stürme benannt, wovon 10 zu Hurrikanen und davon wiederum 7 zu
schweren Hurrikanen heranreiften. Damit wird bereits an der oberen
Grenze der NOAA-Prognose gekratzt, zumindest was die Gesamtanzahl der
Stürme angeht. Zudem zählt die Saison 2026 schon jetzt zu einer der
intensivsten seit Aufzeichnungsbeginn und die offizielle Saison läuft
noch zwei volle Monate wohlgemerkt.
Unter den sieben schweren Hurrikanen befinden sich drei Exemplare,
die mit Kategorie 5 die Saffir-Simpson-Skala voll ausgenutzt haben:
"Genevieve" (Lebensdauer 24.07.-02.08., maximales 1-Minuten-Mittel
260 km/h, tiefster Luftdruck 924 hPa), "Lowell" (27.08.-11.09., 260
km/h, 922 hPa) und "Polo" (20.09.-30.09., 285 km/h, 892 hPa). Damit
zählt 2026 neben 1994, 2002 und 2018 zu den Saisons mit den meisten
Kategorie-5-Hurrikanen - zumindest bis jetzt.
Von den Stürmen betroffen waren neben kleineren Inselgruppen
hauptsächlich Mexiko und Hawaii. Den klassischen Landfall, also das
Ziehen auf Land, vollführten nur Tropensturm "Boris" und jüngst
Hurrikan "Polo" - beide in Mexiko. Neben dem ein oder anderen
Streifschuss blieben einige Stürme (zum Glück) aber auch fernab
jeglicher Landmasse. Der materielle Schaden wird bisher auf knapp 690
Millionen US-Dollar geschätzt, dazu sind 20 Todesopfer zu beklagen.
Aktuell wirbelt Hurrikan "Rachel" knapp südwestlich von Mexiko, der
sich im weiteren Verlauf zwar verstärken, aber zum Glück auch nach
Westen (also von Mexiko weg) abdriften soll. Und dann hätten wir da
noch "Nolo", der bereits seit 13. September, also seit über zwei
Wochen, sein Unwesen treibt, sich zwischendurch bis Kategorie 4
verstärken konnte und mittlerweile westlich von Hawaii angekommen ist
- allerdings nur noch als Tropensturm. Den Prognosen nach soll sich
"Nolo" auf seinem weiteren Weg nach Westen erneut zu einem Hurrikan
(Kat. 1) mausern.
Südlich von Mexiko braut sich derweil wohlmöglich schon wieder neues
Ungemach zusammen. Das Nationale Hurrikan Zentrum (NHC) gibt aktuell
eine Wahrscheinlichkeit von 40 % an, dass sich dort in den nächsten
sieben Tagen ein Tropisches Tief, also die Vorstufe eines
Tropensturms entwickelt. Man darf gespannt sein, was die pazifische
Hurrikansaison noch so alles zu bieten haben wird.
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 30.09.2026
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