Thema des Tages
28-09-2026 13:20
X Wissenschaft kompakt
Halos - optische Erscheinungen am Himmel
Der Himmel zeigt sich meist sehr facettenreich, vielleicht "nur" mit
interessanter Bewölkung, manchmal aber auch mit mehr oder weniger
spektakulären Leuchterscheinungen. Das heutige Thema des Tages dreht
sich um sogenannte "Halos".
Unter dem Begriff Halo wird eine Gruppe optischer Phänomene von
Ringen, Bögen, Flecken oder Säulen zusammengefasst, die durch
Spiegelung (Reflexion) und Brechung (Refraktion) von Licht an in der
Luft schwebenden Eiskristallen entstehen. Welche Erscheinung an
welcher Stelle des Himmels auftritt, ist abhängig von der Art, Größe
und Orientierung der Eiskristalle sowie vom Winkel, unter dem das
Sonnenlicht auf die Kristalle trifft. Die Eiskristalle, die
Voraussetzung für das Entstehen von Halos sind, findet man als Teil
einer Cirrusbewölkung. Dabei handelt es sich um Wolken, die in
unseren Breiten in einer Höhe von 8 bis 12 km auftreten und
umgangssprachlich auch als Schleierwolken bezeichnet werden.
Eine Halo-Art sind sogenannte Nebensonnen. Nebensonnen sind helle,
leicht farbige Flecken links und rechts von der Sonne. Am vergangenen
Mittwoch (23.09.2026) konnten abends, etwa eine halbe Stunde vor
Sonnenuntergang, Nebensonnen im Raum Stuttgart beobachtet werden. Bei
der Entstehung dieser Halo-Art erfolgt die Lichtbrechung an zwei
Seitenflächen der Eiskristalle, genauer an Eiskristallen in Form von
Plättchen. Die unterschiedlichen Anteile des Sonnenlichtes werden
dabei verschieden stark abgelenkt, so dass das sichtbare, weiße
Sonnenlicht in seine Farbanteile aufgespalten wird. Damit entsteht
eine regenbogenfarbene Leuchterscheinung, zur Sonne hin mit dem roten
Lichtanteil. Sind Nebensonnen besonders intensiv ausgeprägt, zeigt
sich ein weißer, nach außen (von der Sonne weg) gerichteter Schweif.
Nebensonnen können relativ oft im Jahr auftreten, im Gegensatz zu
einer anderen Halo-Art, die vor einigen Jahren ebenfalls im
Stuttgarter Raum beobachtet werden konnte: ein Zirkumhorizontalbogen.
Eine der Hauptbedingungen für die Entstehung eines solchen
Zirkumhorizontalbogens ist ein sehr hoher Sonnenstand. Dadurch kann
der Lichtstrahl an einer Seitenfläche und der unteren Basisfläche des
Eiskristalles gebrochen werden. Erst ab einer Sonnenhöhe von 57,8°
zeigt sich der Bogen unterhalb der Sonne am Horizont. Im Norden
Deutschlands besteht daher nur an wenigen Tagen um die
Sommersonnenwende die Möglichkeit, einen Zirkumhorizontalbogen zu
sehen. In Richtung Bayern und Baden-Württemberg sind die
Voraussetzungen hinsichtlich der Sonnenhöhe von Anfang Mai bis Anfang
August gegeben.
Dipl.-Met. Sabine Krüger
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 28.09.2026
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