Thema des Tages
20-09-2026 13:50
Wetter aktuell
Europawetter
Schon im gestrigen Thema des Tages wurde die positive
Geopotentialanomalie in den kommenden Tagen über Südwesteuropa
thematisiert. Heute soll auf einige der sich daraus ergebenden
Wetterphänomene eingegangen werden.
Schon gestern wurde hier im Therma des Tages der Blick auf die
kommenden Tage gerichtet. Ein Schwerpunkt war dabei die sich
abzeichnende Konstellation mit hohem Druck und hohem Geopotential,
insbesondere aber auch einer hohen positiven Geopotentialabweichung,
über Südwesteuropa. Auch andere Aspekte wurden adressiert,
beispielsweise die hohen zu erwartenden Temperaturen auf der
Iberischen Halbinsel und in Teilen Frankreichs.
Heute sollen, in Ergänzung zu den gestrigen Ausführungen, einige
Details der Wetterentwicklung der kommenden Tage in Europa erläutert
werden. Dazu zeigt die Abbildung 1 das Geopotential (Linien) sowie
die Temperatur (farbig) im 500-hPa-Niveau (ca. 5,5 km Höhe) für den
kommenden Donnerstag um 08 MESZ, so wie sich unser DWD-Modell ICON
die Situation vorstellt. Von Südwesten bzw. Süden ragt eine Zone
hohen Geopotentials in Richtung der Iberischen Halbinsel und des
angrenzenden Ostatlantiks. Der sich daran nach Norden anschließende
Höhenkeil weist weiter zur nördlichen Nordsee. Tiefes Geopotential
herrscht dagegen südlich von Island, über dem Südwesten Deutschlands
und über Osteuropa vor. Dies ist natürlich nur eine Momentaufnahme.
Das kleinräumige Höhentief über Südwestdeutschland beispielsweise
kommt aus Schottland und ist auf dem Weg nach Sizilien. Das
großräumige Höhentief über Osteuropa ist dagegen relativ ortsfest. Es
ändert zwar wie eine Amöbe seine Form und hat zwischenzeitlich auch
mehrere Kerne, aber wirklich reiselustig ist es nicht. In seinem
Einflussbereich liegt aber eine Luftmassengrenze mit kleinräumigem
(Boden-)Tief, welche das Höhentief zu kräftigen Niederschlägen
"animiert".
Entsprechend soll sich in einem weiten Bogen von der westlichen
Türkei über den Osten der Ukraine bis ins nördliche Baltikum einiges
an Regen akkumulieren. Die Abbildung 2 zeigt diese Niederschläge für
den 72-stündigen Zeitraum von Dienstagmorgen, 22.09. bis
Freitagmorgen, 25.09, jeweils 06 UTC (08 MESZ). Dabei ist links das
Modell des Europäischen Zentrums für Mittelfristige Wettervorhersage
(EZMWF) dargestellt, rechts dagegen unser DWD-Modell ICON. Letzteres
bringt es in der Spitze über dem nördlichen Belarus auf über 120
l/qm, innerhalb des Streifens deuten beide Modelle Regionen mit mehr
als 60 l/qm an.
Für viel Niederschlag sorgt auch das o. e. kleinräumige Höhentief,
nicht nur im Verlauf der Woche auf seinem Weg zum, sondern auch am
Freitag und Samstag im Bereich des zentralen Mittelmeers. Hierzu
liefert die Abbildung 3 die 48-stündigen Regensummen nach ICON. An
der Ostküste Siziliens sollen sich knapp dreistellige Summen
akkumulieren. Ganz so viel soll es in Deutschland nicht werden.
Beginnend in der Nacht zum Donnerstag und endend in der Nacht zum
Freitag avisieren die Modelle 5 bis 15 l/qm. Und es gibt zwei
Modellgruppen. Die erste sieht den Regen bei uns in der
Nordosthälfte, die Südwesthälfte soll dagegen weitgehend trocken
bleiben. Die andere Modellgruppe deutet einen breiten Regenstreifen
vom Nordwesten in den Südosten an. Dann wären der Nordosten und der
Südwesten beim Regen außen vor. Mal schauen, wohin der Regen dann
tatsächlich zieht. Im Südwesten, insbesondere von der Eifel und der
Saar bis in die Vorderpfalz würde man sich auf jeden Fall über jeden
Tropfen freuen.
Aber nicht nur auf die Niederschläge, auch auf die Temperaturen hat
die aktuelle bzw. erwartete Konstellation Einfluss. Auch dies ist
gestern am Beispiel Bordeaux schon angeklungen. Die Abbildung 4 zeigt
dies einerseits in einer flächigen Farbdarstellung der Höchstwerte
für den kommenden Mittwoch, aber auch für zwei ausgewählte Städte.
Über Südwesteuropa erkennt man deutlich die großflächig hohen
Temperaturen, während über weiten Teilen Osteuropas deutlich
niedrigere Temperaturen vorherrschen. Das Meteogramm des EZMWF für
die beiden Stationen Madrid und Bukarest lässt darüber hinaus
erkennen: Während sich die Tagesmaxima in Madrid nahe am Oberrand des
Klimaensembles bewegen, liegen die Werte für Bukarest deutlich unter
dem Klimamittel. Von Dienstag bis Donnerstag soll es dort
ungewöhnlich kalt werden.
Dipl.-Met. Martin Jonas
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.09.2026
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