DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

17-09-2026 07:30
SXEU31 DWAV 170800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 17.09.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
GWL: Wa
Vor allem im Norden wechselhaft und windig, im Nordseeumfeld zeitweise
stürmische Böen, auf dem Brocken ab und zu Sturmböen.

Synoptische Entwicklung bis Samstag 24 UTC
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Donnerstag... hat sich eine klassische Westlage eingestellt, die in
Süddeutschland fast durchgehend antizyklonal daherkommt, im Norden aber einen
durchaus wechselhaften Witterungscharakter aufweist. Markante
Wettererscheinungen bleiben aber auch dort - mal abgesehen vom Wind im
Nordseeumfeld und auf dem Brocken - Mangelware.
Westlage bedeutet eigentlich nicht viel anderes, als das sich die Höhentröge und
-keile quasi die Klinke in die Hand geben, ebenso wie die daran gekoppelten
Frontensysteme.
Nachdem die Kaltfront des Tiefs "ZURI" über Lappaland in der vergangenen Nacht
schleifend die Alpen überquert hat (immerhin fielen im Chiemgau und
Berchtesgadener Land in den vergangenen 12 Stunden 30 bis gebietsweise an die 40
l/m²) und der dazugehörige Trog sich aktuell bereits über Polen befindet (mit
"Restschauern" über Schleswig-Holstein und der Ostsee im Gepäck), folgt heute
Vormittag ein flacher Höhenrücken, der aber bereits bis zum Nachmittag quasi das
gesamte Vorhersagegebiet ostwärts überquert hat. Dieser stützt wiederum einen
Bodenhochkeil über Süddeutschland, so dass dort sowie in Teilen der Mitte und
der Osthälfte nicht nur ein störungsfreier, sondern vor allem im Südwesten neben
harmlosen lockeren Wolkenfeldern auch ein recht sonniger Tag ins Haus steht. Die
eingeflossene maritim erwärmte Polarluft kann sich dort somit wieder auf
immerhin 8 bis knapp 10 Grad in 850 hPa erwärmen, entsprechend erreichen die
Höchsttemperaturen Werte zwischen 19 und 23 Grad, am Oberrhein sogar knapp 25
Grad.
Der Nordwesten gelangt dagegen rasch wieder auf die Vorderseite des nächsten
Troges (Drehzentrum über dem Seegebiet zwischen Schottland und Island), der mit
seiner Achse rasch die Britischen Inseln überquert und nachmittags bereits die
Nordsee erfasst. Das zugehörige Bodentief "ALEXA" weist zwei Kerne auf, wobei
der südlichere bis zum Abend zu den Färöer-Inseln zieht, dann aber bereits den
Höhepunkt seiner Entwicklung überschritten hat und dort mit einem Kerndruck von
etwa 980 hPa aufschlägt. Die zugehörige teilokkludierte Kaltfront überquert
rasch die Nordsee südostwärts und erreicht abends die Deutsche Bucht.
Vorderseitig setzt im Vorhersagegebiet wieder Druckfall ein, der im Nordwesten
deutlich stärker ausfällt als im Bereich des Hochkeils über Süddeutschland.
Entsprechend verschärft sich der Gradient und im Nordseeumfeld frischt der
Südwestwind vormittags rasch auf mit steifen Böen (Bft 7). Der Höhepunkt der
Windentwicklung wird unmittelbar präfrontal am späten Nachmittag/frühen Abend
erwartet, wobei dann auf den Inseln und entlang der Westküste
Schleswig-Holsteins auch mit stürmischen Böen (Bft 8) zu rechnen ist. Weiter
landeinwärts (also im Weser-Ems-Gebiet) sowie an der Ostseeküste reicht es
zunächst wohl noch nicht für warnrelevante Böen, lediglich exponiert kann dort
auch mal eine Bft 7 auftreten.
Bereits aktuell macht sich die WLA im Westen und Nordwesten mit dem Aufzug recht
dichter, mehrschichtiger Bewölkung bemerkbar, im Nordseeumfeld ist die Luftmasse
in der unteren Troposphäre zudem noch recht feucht und indifferent bis leicht
labil geschichtet, so dass es dort auch einzelne Schauer gibt. Nachmittags und
abends setzt dann etwa vom Niederrhein über das Weser-Ems-Gebiet bis nach
Schleswig-Holstein schauerartiger Regen ein; im Emsland und im Westen von
Schleswig-Holstein fallen dabei gebietsweise mehr als 5 l/m² in wenigen Stunden.
Mit Maxima zwischen 17 und 19 Grad bleibt es im Nordwesten etwas frischer als im
Rest des Landes.

In der Nacht zum Freitag greift die Kaltfront des langsam Richtung Norwegische
See ziehenden Tiefs "ALEXA" auf Deutschland über und erreicht Freitagfrüh etwa
eine Linie Südpfalz-Uckermark. Sie wird rasch von KLA überlaufen und verliert an
Wetterwirksamkeit, so dass das die Front markierende Regenband immer mehr
zerfleddert und keine nennenswerten Mengen mehr bringt (meist sogar weniger als
1 l/m², lediglich in einigen Staulagen etwas mehr). Postfrontal hört es rasch
auf zu regnen und die Wolken lockern wieder auf.
Der Wind nimmt präfrontal in der ersten Nachthälfte an der Ostsee (Bft 7) und
auf dem Brocken (Bft 8 bis 9) vorübergehend zu, flaut aber nach Frontpassage
rasch wieder ab.
Der der Front folgende, zunehmend flache Höhentrog erreicht morgens den Westen
und Nordwesten des Vorhersagegebietes. Mit Advektion labil geschichteter
Höhenkaltluft lebt die Schauertätigkeit im Laufe der zweiten Nachthälfte und
morgens vor allem im Nordseeumfeld und in Schleswig-Holstein, eventuell auch
noch im Emsland wieder auf. Die Labilitätsfläche reicht im Bereich der Deutschen
Bucht vorübergehend bis auf nahe 600 hPa, so dass insbesondere an der Westküste
Schleswig-Holsteins unter Zuhilfenahme der "warmen" Unterlage auch einzelne
kurze Gewitter nicht ganz ausgeschlossen sind. Bei wiederholter Schauertätigkeit
können kleinräumig durchaus auch mal Mengen zwischen 15 und 20 l/m² innerhalb
weniger Stunden auftreten. Mit Annäherung eines Bodentroges nimmt der Wind an
der Nordsee morgens wieder zu und es gibt vermehrt steife Böen aus West.
Präfrontal, im Südosten Bayerns, bleibt es teilweise noch gering bewölkt, so
dass sich dort gebietsweise Nebel bilden kann. Dort fällt die Nacht mit Minima
zwischen 10 und 6 Grad auch recht frisch aus. Sonst bleibt es mit 13 bis 8 Grad,
an der Nordsee knapp darüber, ein wenig milder.

Freitag... überquert der Höhentrog das Vorhersagegebiet langsam ostwärts.
Dahinter setzt durch WLA rasch wieder Stabilisierung ein, so dass es wohl
lediglich noch im Bereich der Norddeutschen Tiefebene, vor allem aber nach
Nordosten zu noch für eine mehr oder weniger rege Schauertätigkeit reicht. Ein
kurzes Gewitter kann vielleicht anfangs über Schleswig-Holstein bzw. Vorpommern
nicht ganz ausgeschlossen werden, danach ist die Labilitätsfläche aber nicht
mehr hochreichend genug.
Die Kaltfront gerät über der Mitte des Landes mehr und mehr unter Druckanstieg,
da sich der von den Azoren über Frankreich bis nach Süddeutschland reichende
Hochkeil wieder verstärkt. Sie kommt kaum mehr nach Süden voran und löst sich
schließlich auf. Am Vormittag fällt vor allem in Franken, am Erzgebirge und in
der Oberlausitz im Frontbereich noch etwas Regen, nachmittags und abends kommt
dann so gut wie gar nichts mehr an. Somit scheint präfrontal südlich de5r Donau
erneut häufig die Sonne, lediglich an den Alpen ist es aufgrund schwacher
Tiefdrucktätigkeit über Oberitalien zweitweise stärker bewölkt, eventuell fällt
dort auch etwas Regen.
Postfrontal setzt sich vor allem vom Westen bis in die Mitte neben flachen
Quellwolken, die teilweise in Stratocumulusbewölkung übergeht, wieder häufiger
die Sonne durch. Mit dem sich verstärkenden Hochkeil verschärft sich der
Gradient vor allem über Norddeutschland erneut. Mit Unterstützung durch den
Tagesgang gibt es dann nicht nur an den Küsten von nord- und Ostsee häufiger
steife Böen aus West bis Südwest (an exponierten Abschnitten der nordfriesischen
Küste eventuell auch stürmische Böen), sondern auch im Binnenland von
Schleswig-Holstein. Erst zum Abend hin flaut der Wind zumindest dort, aber auch
an der Ostsee wieder ab, während es im Nordseeumfeld unverändert windig bleibt.
An den Höchstwerten ändert sich gegenüber dem Vortag nur wenig. Bei 850
hPa-Werten zwischen 5 Grad im Norden und 10 Grad am Alpenrand werden in der
Nordhälfte meist 17 bis 20 Grad, in der Mitte und im Süden 19 bis 23, maximal 24
Grad erreicht.

In der Nacht zum Samstag greift mit einem breiten Höhentrog die sich
verstärkende Frontalzone auf den Norden der Britischen Inseln über. Auch
hierzulande verschärft sich die westliche Höhenströmung etwas, bleibt aber
relativ glatt konturiert, wobei über Norddeutschland kräftige WLA einsetzt.
Im Bodenfeld zieht ein Tiefdruckgebiet bis Samstagfrüh ins Seegebiet nördlich
der Färöer-Inseln. Dessen Frontensystem greift im Laufe der Nacht mit
fortschreitendem Okklusionsprozess auf die Nordsee über. Die Warmfront erreicht
morgens bereits Nordwestdeutschland, während die Kaltfront mangels
Schubkomponente über der mittleren Nordsee ins Schleifen gerät.
Mit zunehmender WLA werden die Wolken im Nordwesten und Norden somit im Laufe
der Nacht wieder dichter. Die Front wird allerdings dynamisch kaum gestützt, so
dass die frontalen Niederschläge nur gering ausfallen; vom Niederrhein bis nach
Schleswig-Holstein dürfte es lediglich für geringen Regen oder Nieselregen
reichen, die simulierten Mengen liegen durchwegs unter 1 l/m².
Allerdings verschärft sich der Gradient im Nordwesten präfrontal deutlich und im
Nordseeumfeld gibt es neben steifen im Laufe der Nacht wieder häufiger
stürmische Böen aus West bis Südwest. Angesichts der stabilen Schichtung macht
sich die Gradientverschärfung im Binnenland nicht bemerkbar, lediglich auf dem
Brocken gibt es - vor allem mit Entkopplung der Grenzschicht - im laufe der
Nacht häufiger Sturmböen, eventuell sogar schwere Sturmböen aus Südwest.
Die dichte mehrschichtige Bewölkung dürfte noch bis in die mittleren und
östlichen Landesteile ausgreifen, im Süden und Südosten bleibt es dagegen teils
gering bewölkt. Dort können sich dann gebietsweise dichte Nebelfelder
ausbreiten. Entsprechend wird es in den Regionen mit Minima zwischen 10 und 5
Grad recht frisch, während es sonst mit 15 bis 9 Grad etwas milder bleibt.

Samstag... verlagert sich der Höhentrog mit seinem Drehzentrum in Form eines
hochreichenden und zentralsteuernden Tiefdruckgebietes langsam Richtung
Nordmeer/Norwegische See. An dessen Südflanke erfasst die recht scharfe
Frontalzone Schottland und die nördliche Nordsee. Somit bleiben wir auf deren
"warmen" Seite unterhalb einer über Norddeutschland zunehmend diffluent
konturierten, über Süddeutschland aber überwiegend antizyklonalen westlichen
Höhenströmung.
Die Warmfront überquert somit die Nordhälfte Deutschlands mit dichten
Wolkenfeldern, aber weiterhin nur leichten Regenfällen rasch ostwärts. Der
Kaltfront fehlt es zunächst noch an Schubkomponente, so dass sie kaum nach Süden
vorankommt und erst etwa gegen Abend die Deutsche Bucht bzw. die Grenze zu
Dänemark erfasst. Dabei kommen im Bereich bzw. an der Südflanke einer flachen
Frontalwelle vor allem vom nördlichen Niedersachsen über Schleswig-Holstein bis
nach Vorpommern gebietsweise um 5 l/m² Regen zusammen, ansonsten bleiben die
Mengen nach wie vor nicht nennenswert.
Von Warnrelevanz bleibt allerdings der Wind. Süddeutschland befindet sich
nämlich nach wie vor im Einflussbereich einer zonal ausgerichteten
Hochdruckzone, die sich sogar noch etwas verstärken kann. Entsprechend
verschärft sich der Gradient nahe der Frontalzone über Norddeutschland. Je nach
Timing und Intensität der Frontalwelle kann es vorübergehend auch im Binnenland
Norddeutschlands steife Böen aus West bis Südwest geben, an der Nordsee ist das
wohl durchgehend der Fall, exponiert sind dort auch stürmische Böen möglich. Auf
dem Brocken muss mit Sturm-, eventuell sogar mit schweren Sturmböen gerechnet
werden.
Während es im Norden durchgehend stark bewölkt bis bedeckt bleibt, lockern die
Wolken in der Mitte im Warmsektor zunehmend auf, im Süden scheint dagegen sogar
überwiegend die Sonne. Die Temperatur in 850 hPa steigt mit der Advektion warmer
Luftmassen aus Südwesteuropa auf Werte um 10 Grad, im Süden sogar auf etwa 12
Grad. Somit bleibt es selbst unter den dichten Wolken über Norddeutschland mit
Maxima zwischen 18 und 21 Grad recht warm. In der Mitte und vor allem im Süden
werden 21 bis 25, im südlichen Oberrheingraben bis zu 26/27 Grad erreicht.

In der Nacht zum Sonntag greift an der Südflanke des zentralsteuernden
Nordmeertiefs ein Randtrog von den Britischen Inseln auf die Nordsee über, was
der Kaltfront über der südlichen Nordsee eine gewisse Schubkomponente verleiht.
Morgens erreicht sie den äußersten Norden/Nordwesten Deutschlands, wobei die
präfrontalen schauerartigen Regenfälle auf die gesamte Norddeutsche Tiefebene
übergreifen und die nördliche Mitte erreichen (etwa Niederrhein bis Uckermark).
Nach Lesart des ICON-EU fallen verbreitet 5 bis 10 l/m², gebietsweise auch mehr
bis Sonntagfrüh, GFS hat allerdings deutlich geringere Mengen auf der Agenda. Ob
es mit Frontpassage bzw. postfrontal im Nordseeumfeld bzw. an der Grenze zu
Dänemark mal für Blitz und Donner reicht, ist noch unklar, kann aber nicht ganz
ausgeschlossen werden.
Der Wind an den Küsten weht weiterhin lebhaft aus West bis Südwest, dreht an der
Nordsee mit Frontpassage auf Westnordwest, wobei es steife, im Nordseeumfeld
vereinzelt auch stürmische Böen geben kann, auf dem Brocken nach wie vor
Sturmböen. Auch im Lee der westlichen und zentralen Mittelgebirge frischt der
Wind böig auf, steife Böen sind dort ebenfalls nicht ausgeschlossen.
Ansonsten verläuft die Nacht in der Mitte und im Süden im Einflussbereich der
sich nur langsam zurückziehenden Hochdruckzone störungsfrei. Vor allem in der
Südhälfte bleibt es gering bewölkt, so dass sich dort erneut gebietsweise
Nebelfelder ausbreiten können. Im Norden und in der Mitte bleibt es mit Minima
zwischen 16 und 11 Grad mild, im Süden wird es mit 12 bis 7 Grad frischer.

Modellvergleich und -einschätzung
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Bis zum Samstag sind keine warn- und kaum prognoserelevanten Modellunterschiede
auszumachen. Das Übergreifen der Kaltfront in der Nacht zum Sonntag wird dann
aber leicht unterschiedlich simuliert, insbesondere was deren Wetterwirksamkeit
angeht. GFS hat nur geringe Niederschlagsmengen auf der Agenda, UK10 dagegen
ähnliche Mengen wie das ICON, lässt die Front aber bereits etwas weiter
landeinwärts vorankommen. Von Warnrelevanz sind diese Differenzen aber nicht.

Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Winninghoff