DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

15-09-2026 17:30
SXEU31 DWAV 151800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 15.09.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Von Nordwesten Kaltfront mit Schauern und Gewittern.

Synoptische Entwicklung bis Donnerstag 06 UTC
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Aktuell ... liegt Deutschland noch unter einem Höhenrücken, der von der
Iberischen Halbinsel bis nach Skandinavien reicht. Derweil hat ein
Langwellentrog die Nordsee erfasst und weitet sich zunehmend nach Süden bis zur
Biskaya aus. Der Rücken aktuell nach Südosten verdrängt, sodass sich über
Deutschland eine südwestliche Höhenströmung verstärkt, die nach Nordwesten zu
allmähliche auch zyklonale Konturen annimmt. Niedertroposphärisch kommt
Deutschland in den Warmsektor des mit dem Trog verbundenen Tiefdruckgebietes,
dessen südlichstes Zentrum vor der Küste Südskandinaviens befindet. Die
Hochdruckzone wird nach Südosten verdrängt und liegt mit ihrem Schwerpunkt
später über dem Balkan.
In der dabei von Südwesten advehierten maritimen Subtropikluft ist die
Temperaturen auf 850 hPa auf 11 bis 16 Grad mit den höheren Werten im Südwesten
gestiegen. Der Nordwesten wird aktuell von einem Wolkenband erfasst, das sich an
einer vorlaufenden Konvergenz die der Kaltfront vorausläuft, gebildet hat. Aus
ihm fällt geringer Regen. Sonst dominiert Absinken unter dem Keil, sodass sich
die Kumulusbewölkung in der Mitte und im Nordosten in den Abendstunden auflöst.

In der Nacht zum Mittwoch greift die Kaltfront auf den Nordwesten über und
erreicht bis zum Morgen eine Linie Münsterland-Vorpommern. Während sie an
Wetterwirksamkeit einbüßt, wird entlang der der Kaltfront vorgelagerten
Konvergenz verbreitet immer noch die Auslösung von Schauern und Gewittern
gerechnet. Da die Scherung sowohl hoch- als auch niedertroposphärisch deutlich
anzieht (DLS 25-30 m/s, LLS 5-10 m/s), können sich die Zellen zu Multi- und
einzelnen Superzellen organisieren. Allerdings sind die Zellen tageszeitbedingt
von der sich bereits abkühlenden Grundschicht abgekoppelt, was das
Gefahrenpotenzial stark limitiert, insbesondere was die Böen betrifft. Dennoch
sollte man neben kleinem Hagel zumindest stürmische Böen ins Kalkül ziehen,
wenngleich die Modelle kaum darauf anspringen. Starkregen tritt natürlich
trotzdem auf; bei PPWs über 35 mm sowie aufgrund von rascher Verclusterung und
schleifenden Frontcharakters sind lokal auch Unwetter durch heftigen Starkregen
(insbesondere mehrstündig durch "Doppeltreffer") nicht ausgeschlossen. Die
Gewitter ziehen im Laufe der Nacht über die Nordhälfte ostwärts. Der Schwerpunkt
wird von den meisten ENS derzeit auf einer Linie Ostwestfalen- Region Südlich
von Hamburg bis ins Nordwestliche Mecklenburg-Vorpommern gerechnet. Dennoch
springen die Modelle und ENS noch bis zu 100 km in der genauen Verortung.
In der Südhälfte verläuft die Nacht noch ruhig, vor allem im Südosten ist es
auch noch länger klar oder gering bewölkt. Dort kann sich auch nochmal lokal
dichter Nebel bilden.
Ein schmales Starkwindband in der unteren Troposphäre vor der Kaltfront macht
sich eventuell in den Kamm- und Gipfellagen der Mittelgebirge bemerkbar, Böen
7-8 Bft müssen aber nicht zwingend eine Warnung nach sich ziehen (Einzelfall).



Mittwoch ... verlagert sich der recht scharfe und sich zunehmend amplifizierende
Höhentrog langsam weiter ostwärts und erreicht bis zum Abend auch den äußersten
Westen Deutschlands. Das damit verbundene Tief zieht weiter nach Skandinavien.
Die gewittrigen Starkniederschläge aus der Nacht ziehen im Vormittagsverlauf
über den Osten nach Polen ab. Übrig bleibt ein Band mit schauerartigen
Regenfällen, das vom Südwesten über die Mitte bis in den Osten reicht, sich
langsam südostwärts verlagert und nunmehr in etwa die Kaltfront markiert.
Der Südosten liegt damit noch in der feucht-warmen und mäßig instabil
geschichteten maritimen Subtropikluft (ML-CAPE ~500 J/kg). Die Lokalmodelle
rechnen unmittelbar vor der Front mit Einstrahlung. In diesm bereich sollen
einige Gewitter ausgelöst werden. Bzw. aktiviert sich die Front. Da zudem die
Scherung wieder durchaus signifikante Werte aufweist (DLS ~20 m/s), wäre auch
ein gewisser Organisationsgrad zu erwarten (Multizellen, einzelne Superzellen).
Dann könnte es Hagel (~2 cm) und Sturmböen geben. Im Fokus steht bei hohen PPWs
(~35 mm) und rascher Verclusterung aber wieder der Starkregen (lokal auch wieder
bis in den Unwetterbereich).
Im übrigen Land fließt rückseitig der Kaltfront maritime Subpolarluft (T850 5
bis 8 Grad) ein, die durch den hereinschwenkenden Trog leicht labilisiert wird.
In der Nordwesthälfte wird etwas CAPE aufgebaut (100-300 J/kg), sodass es zu
Schauern und einzelnen Gewittern kommt. Die Scherung nimmt deutlich ab, sodass
es sich eher kurzlebige, unorganisierte Konvektion handelt.
Zeitweise Sonnenschein gibt es am ehesten in der schmalen Subsidenzzone, die vom
Südwesten bis in den Nordosten reicht.
Die Höchsttemperaturen liegen von Nordwest nach Südost zwischen 18 und 25 Grad.

In der Nacht zum Donnerstag tropft der Trog über Spanien ab, das Residuum
schwenkt beschleunigt über Deutschland ostwärts. Zwischen dem abziehenden Trog
und einem neuen hochreichenden Tief bei Island nähert sich von Westen ein
schmaler Höhenrücken, der im Bodenfeld einen bis nach Süddeutschland
vorstoßenden Hochkeil stützt.
Die Kaltfront zieht rasch südostwärts ab und damit auch die letzten, kräftigen
Gewitter vom Tage. Eine echte Staulage stellt sich durch den rasch vorstoßenden
Keil an den Alpen zwar nicht ein, allerdings hält eine trogvorderseitige
Gegenstromdynamik Hebungs- und Niederschlagsprozesse dort weiter aufrecht. 30
bis 40 mm im 12-stündigen Zeitraum geben die meisten Modell her. Unwetterartige
mengen rechnet nur noch das GFS 12z.
Die an den Trog gekoppelten Schauer und Gewitter im übrigen Land lassen
tagesgangbedingt etwas nach - mit Ausnahme des Nordseeumfeldes. Gebietsweise
klart es auf, allerdings kann sich dann im Verlauf gebietsweise Nebel oder
Hochnebel bilden.
Mit Annäherung des nächsten Frontensystems zieht der Gradient im Nordwesten
langsam an, sodass der wieder auf Südwest drehende Wind auffrischt. Zumindest
über der Nordsee sind erste steife Böen wahrscheinlich.
Die Tiefsttemperaturen liegen zwischen 12 und 6 Grad, mit den tieferen Werten im
Süden und Südwesten.


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Synoptische Entwicklung bis Freitag 06 UTC

Donnerstag ... gibt es kaum wesentliche Änderungen zu den Vorläufen. Zunächst
Zwischenhocheinfluss ehe am Nachmittag das okkludierte Frontensystem eines neuen
Atlantiktiefs übergreift und mit Schauerartigem Regen bis zur Mitte von kommt.
Dabei kommt es im norden zu einer deutlichen Windzunahme mit starken Böen an der
Küste




Modellvergleich und -einschätzung
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Die groben Regionen, die heute Nacht von gewittern getroffen werden sind recht
eindeutig. Dennoch springen die ENS noch über 100 km in den am stärksten
betroffenen Bereichen. Von der Niederschlagsintensität sind ICON-D2 und RUC am
stärksten mit lokal bis zu 45 mm in wenigen Stunden. SuperHD ist verhaltener und
AROME simuliert deutlich wenigere. Auch wenn die ENS bezüglich Sturmböen kaum
etwas hergeben, so sind heute Nacht im Norden und insbesondere am
Mittwochnachmittag im Südwesten in eventuellen Superzellen Sturmböen zu
erwarten.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Christian Herold