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13-09-2026 10:20


Wissenschaft kompakt

Geschichte der Meteorologie - Teil 17: Etablierung nationaler
meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (c) und
internationale meteorologische Konferenzen



Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische
Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein.
Schwerpunkt dieser Abhandlung bilden ausgewählte Länder außerhalb
Europas mit Fokus auf Afrika. Abgerundet wird diese Übersicht mit
einem Überblick über die internationale Zusammenarbeit über
Konferenzen, Polarkommission bis hin zur Gründung der
Weltorganisation für Meteorologie.



Im letzten Teilbereich der Geschichte zur Meteorologie zur
Etablierung nationaler meteorologischer Institute blicken wir auf
Afrika, ehe ein Überblick über die internationale meteorologische
Zusammenarbeit erfolgt.
Südafrika war über längere Zeit in mehrere britische Kolonien
aufgeteilt. Initiiert durch meteorologische Beobachtungen durch den
Königlichen Astronomen am Kap der Guten Hoffnung, dem
irisch-südafrikanischen Astronom Sir Thomas Maclear (1794-1879) wurde
1860 in der Kapkolonie die Meteorologische Kommission am Kap der
Guten Hoffnung gegründet.
Bild 1 zentriert
In der Oranjefluss-Kolonie (Orange River Colony) wurden erste
meteorologische Messungen 1878 durch den britischen Meteorologen John
Brebner (1833-1902) in Bloemfontein initiiert. 1881 nahm er weitere
Stationen in Betrieb, die allerdings nur Niederschläge aufzeichneten.
Im Bereich des Ministeriums für Landwirtschaft wurde 1903 eine
meteorologische Abteilung gegründet, die vom britischen Meteorologen
James Lyle (1871-1941) geleitet wurde. Aus demselben Jahr liegen von
dort erste Messungen vor. In der Kolonie Natal begannen systematische
Wetteraufzeichnungen ab 1882 am Natal-Observatorium in Durban. Ältere
temporäre Messungen aus Pietermaritzburg reichen bis 1858 zurück. In
der Kolonie Transvaal wurde 1903 eine meteorologische Abteilung
gegründet. Ihr Sitz war das Union-Observatorium bei Johannesburg, das
als meteorologisches Observatorium erbaut worden war. Dessen erster
Direktor, der britisch-südafrikanische Astronom Robert Innes
(1861-1933), baute das Observatorium zu einem astronomischen
Observatorium um. Nach Bildung der Südafrikanischen Union 1910 wurden
alle meteorologischen Dienste der vormaligen vier Kolonien zum Union
of South Africa's Weather Service vereinigt, der bei der staatlichen
Abteilung für Bewässerung angesiedelt wurde. Erster Leiter wurde der
südafrikanische Meteorologe Charles Stewart (ca. 1870?-nach 1931).
1940 erfolgte die Umgliederung ins Verteidigungsministerium, 1949
unter dem Namen "South African Weather Bureau" ins
Verkehrsministerium.
In der ehemaligen britischen Kolonie Rhodesien, die das heutige
Sambia und Simbabwe umfasst, starteten erste Niederschlagsmessungen
1878 an der Hope Fountain Mission, einer christlichen Missionsstation
nahe Bulawayo. Systematische meteorologische Messungen begannen 1897
am Jesuiten-Observatorium in Bulawayo und in Salisbury (heute
Harare). Das Jesuiten-Observatorium diente der Suche nach Wegen zur
systematischen Wetteraufzeichnung für Landwirtschaft und Bergbau und
lieferte die ersten präzisen Datensätze von Luftdruck und
Wettergeschehen der Region. In der Folge baute der aus dem Elsass
stammende französische Jesuitenpater, Mathematiker und Astronom
Edmund Goetz (1865-1933) das später nach ihm benannte Observatorium
aus und stattete es mit neuen Messinstrumenten aus. Neben der
Meteorologie wurden am Observatorium auch astronomische und
erdmagnetische Beobachtungen durchgeführt. Ab 1922 wurden synoptische
Wettermeldungen täglich durchgeführt. Ab 1924 wurden regelmäßige
Wettervorhersagen an die Presse gegeben und mittels Telegraphie an
die Postämter gesendet.
Erste meteorologische Aufzeichnungen in Madagaskar führten
katholische Missionare um 1884 durch, die sich in Andohalo (heute ein
Stadtteil der Hauptstadt Antananarivo) niedergelassen hatten mit dem
Ziel, dort landwirtschaftliche Praktiken zu verbessern. 1901 wurde
durch den französischen General und Kolonialverwalter Joseph Gallieni
(1849-1916) der Landwirtschaftliche meteorologische Dienst und
Wettervorhersagedienst gegründet. 1927 wurde der Dienst in "Direktion
der Meteorologischen Dienste von Madagaskar und seinen abhängigen
Gebieten" umbenannt und erweiterte seine Dienstleistungen und seinen
Zuständigkeitsbereich.
Erste temporäre meteorologische Messstationen in Abessinien oder
Äthiopien wurden im 19. Jahrhundert durch Missionare und Entdecker
betrieben. Ab 1890 betrieben Italiener eine Messstation nahe der
später gegründeten Stadt Adami Tullu südlich von Addis Abeba, ab 1896
folgte eine weitere in Gambela im äußersten Westen. Systematische
Messungen in Addis Abeba starteten 1902. Während der italienischen
Invasion zwischen 1936 und 1941 im Abessinienkrieg wurden 192
Messstationen eingerichtet. Seit 1951 wurde das Messnetz auf 495
Stationen für den Flugbetrieb ausgebaut und bei der Zivilluftfahrt
eine Abteilung gegründet, die sich mit meteorologischen
Angelegenheiten befasst.
Im Sudan (damals unter anglo-ägyptischer Besatzung bzw. Verwaltung)
wurde 1890 eine erste Messstation in Sawakin (Suakin) südlich von
Port Sudan an der Küste des Roten Meeres eingerichtet. Bis 1920 wuchs
die Anzahl der Messstation auf 16. 1937 erfolgte die Gründung der
Sudan Meteorological Authority.
Im britischen Protektorats- und Kolonialbereich Nigeria starteten
1887 meteorologische Messungen in Akassa im Mündungsbereich des
Flusses Niger. 1907 wurde eine Messstation in Ilorin nördlich von
Lagos und 1909 eine weitere in Lokoja (hier mündet der Nebenfluss
Benue in den Niger) eingerichtet. 1937 wurden die verschiedenen
Messtationen in einer einheitlichen Abteilung der britischen
westafrikanischen Wetterdienste organisiert.
Ghana war unter dem Namen Goldküste eine Kolonie in
Britisch-Westafrika. Die Beobachtung von Wetterphänomenen begann in
den 1830er Jahren in der Umgebung der Aburi-Gärten in der Ostregion
durch die Basler Mission. 1886 richtete die britische
Kolonialregierung drei klimatologische Stationen entlang der Küste
der Kolonie ein, deren Betrieb den medizinischen Abteilungen
anvertraut wurde. 1937 wurde in der Goldküste die Abteilung für den
britischen westafrikanischen Wetterdienst gegründet.
Mali war als französisches Territorium unter den Bezeichnungen
Französisch-Sudan sowie Obersenegal und Nigar administrativ ein Teil
von Französisch-Westafrika. Erste meteorologische Messstationen
wurden im Zuge der kolonialen Expansion 1895 in Kayes im Westteil des
Landes, der damaligen Hauptstadt, 1897 in Timbuktu und 1900 in Nioro
du Sahel im Westteil des Landes eingerichtet. 1930 wurde dann der
Wetterdienst von Französisch-Sudan gegründet. Er war im Rahmen des
Wetterdienstes von Französisch-Westafrika technisch mit den anderen
Gebieten von Französisch-Westafrika verbunden, dessen Bundesdirektion
für Meteorologie ihren Sitz in Dakar (Senegal) hatte. 1937 wurde das
Netz der Wetterbeobachtungsstationen eingerichtet, das über einen
Flugwetterdienst verfügte. Dieser lieferte meteorologische
Informationen für Flugrouten, insbesondere auf den Strecken zwischen
Bamako und Timbuktu, Gao und Dakar. Diese Wetterstationen wurden bis
zur Unabhängigkeit des Landes im Jahr 1960 von zivilem Personal der
Verwaltung für öffentliche Arbeiten oder von Militärpersonal unter
französischer Leitung betrieben. Nach diesem Zeitpunkt wurde die
Ablösung des französischen Führungspersonals schrittweise durch
malisches Personal gewährleistet. Im benachbarten Senegal wurden im
19. Jahrhundert nur vereinzelt vorübergehend meteorologische
Messungen auf der Halbinsel Cap Vert, der Westspitze Afrikas,
durchgeführt. 1920 erfolgten erste systematische Messungen in
Diourbel östlich von Dakar. In Dakar starteten Wetterbeobachtungen
1945.
In der portugiesischen Kolonie Kap Verde fanden erste meteorologische
Beobachtungen 1854 im Hafen von Vila da Praia an Bord des
Kriegsschiffes "Andorinha" durch den portugiesischen Leutnant
Fernando Maria Gama Lobo (1829-1879) statt. 1857 erfolgte die
Einrichtung einer ersten meteorologischen Messstation im Bereich des
Militärkrankenhauses in Praia. Diese wurde von dem portugiesischen
Pharmazeuten Manuel Leyguarda Pimenta (ca. 1844-1868) geleitet. 1883
folgte eine weitere in Mindelo. Diese wurde von Jacinto Augusto
Medina (1838-ca. 1895), einem portugiesischen Mediziner aus Madeira,
geführt. Die meteorologischen Daten wurden per Telegramm über
Unterseekabel an den internationalen meteorologischen Dienst
gesendet. 1949 erfolgte die Gründung des Kapverdischen
Meteorologischen Dienstes.
Erste meteorologische Messungen im modernen Sinne im damaligen
französischen Protektorat Tunesien sind 1873 datiert, allerdings ohne
Ortsangabe. 1885 wurde eine französische Wetterstation in Tunis
eingerichtet. Das Office Meteorologique de France baute 1923 ein
Messnetz auf. Dessen Zentralstation war am Flughafen El Aounia (heute
Flughafen Tunis) eingerichtet und hieß Service d'El Aounia.
Im Bereich der Deutschen Schutzgebiete in Afrika wurden
Überseestationen eingerichtet, deren meteorologische Messungen als
die ersten in dieser Region gelten. Von besonderem Interesse waren
Niederschlag und Temperatur. In Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und
Burundi) starteten 1891 meteorologische Messungen im ersten
Verwaltungssitz Bagamoyo sowie nachfolgenden Verwaltungssitz
Daressalam und in Tanga (im Nordosten, alle in Tansania). In den
Residenturen Urundi begannen meteorologische Beobachtungen 1908 in
Marienheim (Usumbura; heute Bujumbura in Burundi) sowie in Ruanda
1911 in Kigali. Etwas länger reichen die Aufzeichnungen der
Überseestation Sansibar in der Stone Town im außerhalb des
Schutzgebiets gelegenen Sultanat Sansibar zurück, diese begannen
1886. 1895 wurde in der Kolonie Deutsch-Ostafrika der offizielle
Posten eines Regierungs-Meteorologen mit Sitz an der Kaiserlichen
Hauptwetterwarte Daressalam geschaffen. Dessen Aufgabe bestand darin,
das Klima des Schutzgebietes wissenschaftlich zu erfassen und ein
Beobachtungsnetz aufzubauen, um Landwirtschaft und Schifffahrt zu
unterstützen. Der erste Amtsinhaber Hans Maurer (1868-1945),
Mathematiker, Geophysiker und Meteorologe aus dem Großherzogtum
Hessen, baute in seiner Amtszeit von 1895 bis 1899 das bis dahin
unstrukturierte Messnetz aus Missions- und Militärposten zu einem
wissenschaftlich verlässlichen Stationsnetzwerk aus. Ihm folgte der
deutsche Geograph und Meteorologe Carl Uhlig (1872-1938) als nächster
Regierungs-Meteorologe nach. Er führte in seiner Amtszeit von 1900
bis 1906 die Arbeiten seines Vorgängers fort und erfasste bei
Forschungsexpeditionen am Kilimandscharo und am Maeru (Mount Meru)
die dortigen klimatischen und topographischen Verhältnisse. Ab 1906
übernahm der deutsche Meteorologe Gerhard Castens (1877-1963) den
Amtsposten. Unter seiner Leitung erreichte das meteorologische
Messnetz der Kolonie seinen Höhepunkt. Er baute das System bis zum
Ersten Weltkrieg auf zeitweise rund 60 Stationen höherer Ordnung und
etwa 400 Regenwarten aus. In Kamerun begannen Wetterbeobachtungen
1885 in Duala (Douala), 1889 in Jaunde (Yaounde) und 1891 in Buea
(vorübergehender Verwaltungssitz). Mit Garbabi liegt eine
Überseestation des Schutzgebietes im heutigen Nigeria (Messungen ab
1911). Im Bereich Neukamerun wurden auch Überseestationen
eingerichtet, deren Messdauer in 1913, teils auch in 1912, jedoch
relativ kurzer Dauer war (Fianga im heutigen Tschad, Mbaiki bei
Bangui, heute Zentralafrikanische Republik, Ikelemba, heute Republik
Kongo sowie Ukoko und Ojem oder Oyem, beide in Gabun). Zunächst wurde
der Wetterdienst in Kamerun oft behelfsmäßig und dezentral durch
koloniale Dienststellen, Faktoreien von Handelshäusern oder
Missionsstationen betrieben und durch die Kaiserliche Versuchsanstalt
in Victoria koordiniert. Von dort wurden die ersten systematischen
Wetter-, Regen- und Temperaturmessungen für die Region organisiert,
um den Plantagenbau (z. B. Kakao und Kautschuk) wissenschaftlich zu
unterstützen. Nach dem Vorbild von Deutsch-Ostafrika wurde 1912 ein
Amtsposten des Regierungs-Meteorologen geschaffen, dessen Aufgabe der
Aufbau eines flächendeckenden Messnetzes und
Wetterbeobachtungsdienstes war. Hauptsitz war die kühlere Bergstation
in Buea. Einziger Amtsinhaber war der deutsche Meteorologe Paul
Heidke (1877-1953).
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In Südwestafrika (heute Namibia) begannen meteorologische Messungen
1882 in Omaruru und 1883 in Rehoboth. Die Messreihe am
Verwaltungssitz Windhuk (Windhoek) startete 1891. Der
württembergische Geograph und Meteorologe Karl Dove (1863-1922)
bereiste das Schutzgebiet zwischen 1892 und 1894 in staatlichem
Auftrag. Er führte die ersten systematischen meteorologischen und
klimageographischen Studien durch und legte den wissenschaftlichen
Grundstein für die spätere landwirtschaftliche Nutzung. Das spätere
Messnetzwerk, welches mit rund 420 Stationen das größte und dichteste
aller deutschen Kolonien war, unterstand zunächst der Kaiserlichen
Bergbehörde in Windhuk. Später wurden die meteorologischen Daten
zentral von der Kaiserlichen Hauptwetterwarte in Windhuk verwaltet.
Die täglichen Messungen vor Ort, oft reine Regenmessungen, wurden
meist nebenamtlich von Regierungsbeamten, Stationsleitern oder
Soldaten der Schutztruppe sowie lokalen Farmern durchgeführt. In
Togoland (Togo und Ostteil von Ghana) wurden erste Messungen in der
Kolonialstation Misahöhe (heute Misahoe, Togo) ab 1890 getätigt, im
Verwaltungssitz Lome starteten diese 1892 und im Bergland der
Volta-Region in Ahmedschowe (heute Amedzofe in Ghana) 1895. Die
Wetterstationen unterstanden der Leitung des Kaiserlichen
Vermessungsamtes in Lome.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden in vielen Staaten meteorologische
Messungen vorgenommen und meteorologische Messnetze innerhalb der
jeweiligen Landesgrenzen eingerichtet, welche vielfach in
meteorologischen Institutionen der jeweiligen Länder mündete. Für die
weitere Entwicklungen der Meteorologie war es unabdingbar, die
Messmethoden und die Art der Messinstrumente einheitlichen Standards
zu überführen und die meteorologischen Daten auszutauschen. Auf
Initiative des US-amerikanischen Marineoffiziers und Hydrographen
Matthew Fontaine Maury (1806-1873) luden die britische und die
US-amerikanische Regierung andere Nationen zu einer ersten
internationalen meteorologischen Konferenz nach Brüssel ein, die 1853
unter Vorsitz des belgischen Astronomen und Statistikers Adolphe
Quetelet (1796-1874) abgehalten wurde.
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Das Hauptziel der Konferenz bestand darin, eine dauerhafte
internationale Zusammenarbeit bei der Erforschung der
meteorologischen Bedingungen über dem Meer zu etablieren. Man einigte
sich auf die Form der Beobachtungsprotokolle auf Militär- und
Handelsschiffen, die als Logbuch meteorologische, astronomische und
magnetische Messungen und Beobachtungen umfassen und nach Ankunft im
jeweiligen Hafen den zuständigen Stellen zur Auswertung übergeben
werden müssen. Die beiden Temperaturskalen Fahrenheit und Celsius
wurden anerkannt und zehn Wolkentypen zur Beobachtung festgesetzt.
Auch nichtteilnehmende Nationen akzeptierten die getroffenen
Vereinbarungen und setzten meteorologischen Messverfahren auf den
Schiffen ein. Um 1860 setzte sich die Erkenntnis durch, dass die
getroffenen internationalen Vereinbarungen auf See auch für
Bodenmessungen sinnvoll seien. Um Wetterkarten zu erstellen, mussten
Daten sowohl vom Land als auch vom Meer her gesammelt werden. Dies
war zweifellos der Hauptgrund für die Gründung der Internationalen
Meteorologischen Organisation. Der Schweizer Meteorologe und Physiker
Heinrich von Wild (1833-1902), der aus Mähren stammende
österreichische Meteorologe Karl Jelinek (1822-1876) und der
preußische Astronom und Meteorologe Carl Bruns (1830-1881), Direktor
der Sternwarte Leipzig, luden mit den Worten "Wenn es ein Gebiet der
Wissenschaft gibt, das von einem einheitlichen System profitiert,
dann ist es die Meteorologie" 1872 Meteorologen aller Länder zu einer
Konferenz in Leipzig ein, auf der die Wetterbeobachtung international
koordiniert werden sollte. Sie resultierte in großen
Meinungsunterschieden sowohl hinsichtlich der besten Instrumente,
ihrer Aufstellung am Messort als auch der Wahl der Maßeinheiten und
des Beobachtungszeitpunkts. Auf der nächsten internationalen
meteorologischen Konferenz in Wien 1873 wurde mit dem Ständigen
Ausschuss ein Gremium eingerichtet, aus welchem bis 1879 durch den
niederländischen Naturwissenschaftler Christoph Buys Ballot
(1817-1890) die erste Internationale Meteorologische Organisation
(IMO) ins Leben gerufen wurde. Deren erster Präsident wurde Buys
Ballot. Der Ständige Ausschuss traf sich 1874 und 1878 in Utrecht und
dazwischen 1876 in London. Nach dem nächsten internationalen
meteorologischen Kongress 1879 in Rom traf sich ein eingerichtetes
internationales meteorologisches Komitee öfter.
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Daneben wurden Treffen der Direktoren nationaler Wetterdienste
etabliert. Dabei wurde vereinbart, das Haarhygrometer und das
Aneroidbarometer als Begleitinstrumente zum Quecksilberbarometer
einzusetzen und für die Wolkenbeobachtung wurde Howards
Wolkenklassifikation übernommen. Russland führte das metrische System
ein und passte seinen Kalender an. Keine Einigung konnte über die
Celsius-Skala der Temperaturmessung erzielt werden, so dass auch
heute noch teilweise Fahrenheit verwendet wird.
Im Rahmen der Internationalen Meteorologischen Organisation wurden
Vereinbarungen getroffen, die von großer wissenschaftlicher Bedeutung
waren. So organisierte die Österreichisch-Ungarische Monarchie in den
Jahren 1872?1874 die Österreichisch-Ungarische Nordpolexpedition, die
von dem aus dem Großherzogtum Hessen stammenden Marineoffizier und
Polarforscher Carl Weyprecht (1838-1881) und dem aus Böhmen
stammenden österreichischen Offizier und Polarforscher Julius von
Payer (1841-1915) geleitet wurde. Dabei wurde das Franz-Josef-Land
entdeckt. Es wurden Erfahrungen hinsichtlich der Grundprinzipien der
Forschung in diesen Gebieten in allen Wissenschaftsbereichen
gesammelt. Die Internationale Polarkommission wurde 1879 von
Weyprecht zusammen mit dem aus der bayerischen Pfalz stammenden
Geophysiker und Polarforscher Georg von Neumayer (1826-1909) auf
einer Konferenz in Hamburg gegründet. In Bern wurde 1880 vereinbart,
im Rahmen der Polarexpedition acht Polarstationen zu errichten.
Russland, Österreich, Norwegen und Dänemark waren dafür
verantwortlich. Die Beobachtungen an diesen Stationen dauerten vom 1.
August 1882 bis zum 1. September 1883, dem Ersten Internationalen
Polarjahr. In dieser Zeit wurden zahlreiche Messungen
meteorologischer und magnetischer Größen durchgeführt. Diese Daten
bildeten eine gute Grundlage für wichtige wissenschaftliche
Untersuchungen. Ein halbes Jahrhundert später (1932/1933) wurde das
Zweite Internationale Polarjahr organisiert, um die vielfältigen
wissenschaftlichen Fragen zum Funktionieren der Natur in den
Polarregionen weiter zu untersuchen. In dieser Zeit trugen
sowjetische Meteorologen maßgeblich zum Erfolg dieser Aktion bei.
Andere europäische und US-amerikanische Länder leisteten aufgrund
finanzieller und politischer Umstände keinen nennenswerten Beitrag.
Dank der Bemühungen der Internationalen Meteorologischen Organisation
wurden nach und nach einheitliche Standards in der Meteorologie
eingeführt. Diese standardisierten Messdaten werden ausgetauscht, was
die Erstellung regelmäßiger täglicher Wettervorhersagen ermöglicht
hat. Damit ein solches System funktionieren konnte, wurde erkannt,
dass die Staaten es durch ihre Entscheidungen unterstützen mussten.
Auf der IMO-Konferenz 1947 in Washington, D. C. wurde die Konvention
zur Weltorganisation für Meteorologie (WMO) angenommen und die
Organisation zum März 1950 in die WMO überführt. Die WMO wurde 1951
von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in ihrer Resolution
als Sonderorganisation der Vereinten Nationen anerkannt. Sie hat
ihren Hauptsitz in Genf. Erster Präsident der WMO wurde der
US-amerikanische Meteorologe Francis Reichelderfer (1895-1983).
Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie wird die
Entwicklung der Aerologie im 19. Jahrhundert vorgestellt.


Dipl.-Met. Markus Eifried

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 13.09.2026

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