Thema des Tages
07-09-2026 14:20
Wissenschaft Kompakt
Geschichte der Meteorologie - Teil 15: Etablierung nationaler
meteorologischer Institute ab etwa 1800 außerhalb Europas (a)
Ab etwa 1800 setzten in den verschiedenen Staaten meteorologische
Entwicklungen hin zu nationalen meteorologischen Diensten ein.
Schwerpunkt dieses Beitrages bilden ausgewählte Länder außerhalb
Europas mit Fokus auf Asien und Ozeanien.
Im letzten Thema des Tages zur Geschichte der Meteorologie wurde die
Gründung und Etablierung nationaler meteorologischer Institute, die
als Vorläufer nationaler Wetterdienste gelten, im europäischen Raum
beleuchtet. In diesem Beitrag folgen ausgewählte Länder im
asiatischen und pazifischen Raum.
Mit Ausnahme von Jerusalem begannen systematische meteorologische
Messungen in Vorderasien im Vergleich zu anderen Regionen Asiens
relativ spät. Im damals zum Osmanischen Reich gehörenden Jerusalem
starteten 1846 systematische Niederschlagsmessungen, ab 1865 liegen
Temperaturmessungen vor. Militärstationen erweiterten im Osmanischen
Reich meteorologische Messungen, so ab 1915 in Beirut und ab 1918 in
Bagdad. Die erste Wetterstation im Oman auf der Arabischen Halbinsel
wurde in Maskat 1893 eröffnet. Im Iran wurde 1919 wissenschaftliche
Meteorologie an der landwirtschaftlichen Barzegaran-Schule in
Karadsch nahe Teheran gelehrt, dort 1928 ein meteorologisches Büro
eingerichtet und 1929 erste systematische Beobachtungen getätigt. In
Zentralasien (dem russischen Generalgouvernement Turkestan) begannen
systematische Messungen 1879 in Almaty (heute Kasachstan).
Indien war lange Zeit Teil des Britischen Weltreiches. Die Britische
Ostindien-Kompanie errichtete astronomische Observatorien, das erste
1792 in Madras (Chennai). Dort wurden zwischen 1793 und 1796
regelmäßig meteorologische Messungen durchgeführt, die als die ersten
meteorologischen Messungen im modernen Indien gelten. Neben der
Ostindien-Kompanie errichteten auch der Maharadscha von Travancore
1842 ein Observatorium. In den Provinzen wurden im 19. Jahrhundert
kleinere Messstationen aufgebaut, die vorwiegend Niederschläge, aber
auch andere meteorologische Parameter aufzeichneten. Auch im
gebildeten Bürgertum gab es durch Professoren, Geographen, Mediziner,
Armeeoffiziere, Seeleute und sogar christlichen Missionaren
meteorologische Aufzeichnungen. Der britische Gelehrte, Orientalist
und Numismatiker James Prinsep (1799-1840) führte zwischen 1824 und
1826 systematische Wetteraufzeichnungen in Benares (Varanasi) durch
und organisierte nachfolgend zeitgleiche Aufzeichnungen in Benares,
Kalkutta (Kolkata), Madras und anderen Orten. Er untersuchte auch den
Luftdruck über Indien. Der britische Schiffskapitän Henry Piddington
(1797-1858) untersuchte als Vorsitzender der
Marine-Untersuchungsgerichte in Kalkutta anhand von Schiffsschäden,
Schiffslogbüchern und Aufzeichnungen verschiedener Stürme deren
Struktur. Er stellte fest, dass Stürme ein ruhiges Zentrum hatten und
dass die Winde um dieses Zentrum herum auf der Nordhalbkugel gegen
den Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel im Uhrzeigersinn wehten.
In seinem Werk "The Horn-Book for the Law of Storms for the Indian
and China Seas" führte er 1848 den Begriff "Zyklon" ein, der sich vom
griechischen Wort ?????? (kyklos, was "Kreis" oder "Ring" bedeutet)
ableitet und auf der spiralförmigen Natur der Winde basiert. 1852
wurde dem Verantwortlichen der Großen Trigonometrischen Vermessung
Indiens, dem indischen Mathematiker Radhanath Sikdar (1813-1870), als
erstem Inder die Leitung des astronomischen Observatoriums Kalkutta
übertragen. Er veranlasste dort stündliche meteorologische
Beobachtungen und die Reduktion des Luftdrucks. Ihm gelang per
Triangulation auch die erste Höhenbestimmung von Peak XV im Himalaya
und er stellte fest, dass dieser wahrscheinlich der höchste Berg der
Welt sei (später genannt Mount Everest).
Der britische Paläontologe und Meteorologe Henry Francis Blanford
(1834-1893) untersuchte die Auswirkungen eines Zyklons, der 1864
Ostindien traf und 70.000 Opfer forderte. Er wurde zum 1867 zum
meteorologischen Berichterstatter der Provinz Bengalen bestellt. 1874
wurden alle meteorologischen Beobachtungen der mittlerweile 80
Observatorien und der Messstationen der verschiedenen Provinzen unter
dem Dach des India Meteorological Departments (IMD) in Kalkutta
organisiert. Erster kaiserlicher meteorologischer Berichterstatter
wurde 1875 Blanford. Er führte einheitliche Messstandards in allen
Beobachtungsstationen ein und errichtete 1877 ein zentrales
Observatorium in Alipore in Kalkutta. Das IMD verlegte sein
Hauptquartier 1905 nach Shimla, einem kühleren Ort in Nordindien auf
2100 m Höhe, 1928 nach Poona (Pune) und schließlich 1944 nach
Neu-Delhi.
In China wurden viele meteorologische Instrumente entwickelt und
Niederschlagsmessungen über Bambusrohre reichen weit zurück. Erste
Temperatur- und Windmessungen wurden Ende des 17. Jahrhunderts
während einer Expeditionsreise durch Cuninghame durchgeführt (siehe
Teil 8 der Serie zur Geschichte der Meteorologie). Von 1757 bis 1762
maß der französische Jesuitenmissionar, Astronom, Sinologe und
Historiker Joseph-Marie Amiot (1718-1793) in Peking zweimal täglich
Luftdruck, Bewölkung, Luftfeuchtigkeit und Windrichtung und hielt das
Auftreten von Sturmereignissen fest. Eine kurze Beobachtungsreihe in
Peking (von Dezember 1830 bis Juni 1831) wurde von dem russischen
Astronomen Georg Albert Fuss (1806-1854) durchgeführt, der 1830 die
russische Gesandtschaft in Peking begleitete. Ab dem 1. Januar 1841
führte diese Mission regelmäßige Messungen durch. Ab 1849 wurden in
der mit Zustimmung der russischen Mission errichteten Sternwarte in
Peking bis 1883 magnetische und meteorologische Messungen
durchgeführt. Im Jahr 1873 errichteten die Jesuiten eine
meteorologische Beobachtungsstation in der Nähe von Shanghai. Der
chinesische Zolldienst beteiligte sich am Aufbau eines Netzwerks von
Wetterstationen im Tal des Jangtsekiangs. Von der Station Wuhu in
Anhui liegen ab 1880 meteorologische Messungen vor. Der Schweizer
Jesuitenpriester und Meteorologe Marc Dechevrens (1845-1923) wurde
1875 Leiter des Observatoriums Zikawei (heute Xujiahui in Shanghai).
Sein Interesse galt Taifunen. 1879 tangierte ein Taifun Shanghai, den
Dechevrens aus Stationsmeldungen und Schiffslogbüchern analysierte.
Er erkannte daraus die spiralförmige Struktur und das Auge des
Wirbelsturms. Er baute ein Küstenstationsnetz auf, das unter
britische Verwaltung geriet, mit deren Meldungen er Taifune
prognostizierte. Er publizierte jährlich eine Zusammenfassung über
aufgetretene Taifune im Ostchinesischen Meer. 1882 gab Dechevrens die
erste Taifunwarnung für die chinesische Küste heraus. Neben den
Jesuiten betrieben vor allem ausländische Kräfte meteorologische
Messungen. Das Deutsche Kaiserreich gründete 1898 ein
meteorologisches Observatorium in Tsingtau (Qingdao), welches die
deutsche Marine betrieb. Einzelne Persönlichkeiten aus Industrie und
Landwirtschaft, die den Nutzen von meteorologischen Erkenntnissen
erkannten, trieben die Meteorologie Chinas voran. Der chinesische
Industrielle Zhang Jiao (1853-1926) richtete so 1905 eine
Wetterstation in Junshan in Nantong nördlich von Shanghai ein, die ab
1918 ihre gesammelten Daten mit denen anderer Stationen austauschte
und damit in Konkurrenz trat zu Daten der Jesuiten aus Zikawei und
denen aus Qingdao, das von den Japanern 1914 besetzt wurde und dessen
Kontrolle zwischen 1918 und 1931 von der chinesischen Regierung
beansprucht wurde. 1928 erfolgte die Gründung der Chinesischen
Akademie der Wissenschaften (Academia Sinica) in Nanking (Nanjing).
Ein dortiges Meteorologisches Institut wurde 1929 unter der Leitung
des chinesischen Geologen und Meteorologen Chu Coching oder auch Zhu
Kezhen (1890-1974) eingerichtet. Er gilt als Begründer der modernen
Meteorologie in China. Er veröffentlichte Arbeiten zu Taifunen.
In den Wirren des Bürgerkriegs wurde dessen Sitz nach Taiwan verlegt.
1949 wurde das Büro für Meteorologie der Volksrevolutionären
Militärkommission der Zentralen Volksregierung in Peking gegründet.
In Tibet wurden über Jahrhunderte, wenn die Trockenheit zu stark war,
aus buddhistischen Ritualen Regen über Regentänze beschworen. Lange
Zeit war es für Ausländer nahezu unzugänglich. Erste vorübergehende
meteorologische Messungen wurden auf der Deutschen Tibet-Expedition
1939 durch den deutschen Geophysiker Karl Wienert (1913-1992)
vorgenommen. In Osttibet versuchten die Chinesen 1939, in Außenposten
meteorologische Messungen vorzunehmen, die allerdings schnell
isoliert waren. Erste systematische Wetteraufzeichnungen in Lhasa
fanden unter chinesischer Administration 1956 statt. Auf der Insel
Taiwan (Formosa) wurden 1896, unter japanischer Verwaltung, an fünf
Stationen systematische Messungen aufgenommen und das meteorologische
Observatorium Taipeh gegründet. Die Zentrale Wetterbehörde wurde 1941
in Chongqing auf dem Festland gegründet und 1949 zusammen mit der
Kuomintang-Regierung nach Taipeh verlegt. In Hongkong wurde unter der
Verwaltung des aus Irland stammenden Kolonialadministrators George
Bowen (1821-1899) 1883 das Hongkong-Observatorium gegründet. Erster
Direktor wurde der dänische Astronom und Meteorologe William Doberck
(1852-1941). Bowen ordnete auch den Bau von Taifun-Schutzhütten an.
In Macao wurden 1861 erstmals Wetterbeobachtungen aufgezeichnet. Bis
1952 war die portugiesische Marine für die Messungen verantwortlich,
danach ging sie auf die Regierungsinstitution des meteorologischen
und geophysikalischen Dienstes über.
In der Mongolei begannen systematische Messungen 1936 mit Gründung
des Meteorologischen und Hydrologischen Dienstes.
Für lange Zeit war Japan isoliert von technischen und
wissenschaftlichen Errungenschaften des Westens. Mitte des 19.
Jahrhunderts kam Japan in Kontakt mit der europäischen Kultur. Erste
instrumentelle meteorologische Beobachtungen wurden 1862 in Yokohama,
1872 in Hakodate auf Hokkaido und 1875 in Tokio (Tokyo) organisiert.
Letzteres gilt als Gründungsdatum des meteorologischen Observatoriums
in Tokio. Die Tokioter Meteorologische Gesellschaft wurde 1882
gegründet und 1888 in Große Japanische Meteorologische Gesellschaft
umbenannt. Erster Direktor wurde der japanische Marinemagistrat
Ikonosuke Arai (1836-1909). 1883 begannen die Erstellung und
Verbreitung täglicher Wetterkarten, 1884 wurden dreimal täglich
landesweit Wettervorhersagen erstellt. Bis 1900 wuchs das
Beobachtungsnetz auf 80 Stationen. Gut bezahltes wissenschaftliches
Personal lieferte Beobachtungen in guter Qualität wie beispielweise
die Aufzeichnungen verschiedener Stürme. 1901 gab der japanische
Meteorologe Takematsi Okada (1874-1956) das meteorologische Buch
"Moderne Meteorologie" heraus. 1935 wurden erste Sturmwarnungen
veröffentlicht.
In Korea fanden im 15. Jahrhundert systematische
Niederschlagsmessungen statt (siehe Teil 5 der Serie zur Geschichte
der Meteorologie). Im 1818 erschienenen astronomischen Werk
Seongwanji wird auch auf die Wetterbeobachtung eingegangen. 1883
wurden durch die Joseon Maritime Customs systematische
Wetteraufzeichnungen in Incheon, Wonsan und Busan vorgenommen. 1904
wurden diese durch das Meteorologische Observatorium in Japan
kontrolliert. Korea wurde im Folgejahr zu einem japanischen
Protektorat. Weitere Wetterstationen wurden 1907 einerseits durch den
japanischen Administrator von Korea und andererseits durch das
Koreanische Reich selbst, unter anderem in Pjöngjang, initiiert. 1910
wurden alle meteorologischen Beobachtungen über die japanische
Administration von Korea koordiniert. 1945 gingen diese auf die
US-Administration über. 1949 wurde das Nationale Zentrale
Meteorologische Observatorium in Seoul im Bereich des
Bildungsministeriums gegründet.
In Thailand wurde die Wissenschaft der Meteorologie 1905 durch den
siamesischen Admiral und Mediziner Abhakorn Kiartiwongse (1880-1923)
der Königlichen Siamesischen Marine eingeführt. 1912 wurde die
Bedeutung der Meteorologie für die Navigation der Schiffe erkannt und
in der Folge ein erstes meteorologisches Lehrbuch auf Thai
veröffentlicht. 1923 wurde ein erster meteorologischer Dienst, die
Abteilung für Meteorologie und Statistik, gegründet und dem Amt für
Gewässerkunde im Bereich des Landwirtschaftsministeriums
angegliedert. Es wurden Beobachtungsstationen in vielen Provinzen
aufgebaut, um Temperatur- und Niederschlagsdaten aufzuzeichnen.
Letztere wurden zur Konstruktion von Wehren zur Kontrolle von
Hochwasser benötigt. 1928 wurde die meteorologische Ausbildung von
Marineoffizieren an ausländische Hochschulen fortgesetzt. Nach
Rückkehr der ersten Absolventen wurde ein richtiges meteorologisches
Messnetz aufgebaut. 1936 wurde die Abteilung für Meteorologie und
Statistik dem Hydrographischen Dienst der Königlichen Thailändischen
Marine zugeordnet und in Meteorologischen Dienst umbenannt.
In Indochina (heute Vietnam, Kambodscha und Laos), damals eine
Kolonie Frankreichs, fanden 1867 am Militärkrankenhaus in Saigon
erste instrumentelle Wetteraufzeichnungen statt. 1877 folgten weitere
Aufzeichnungen in Hai Phong (im Norden Vietnams) und 1882 in Hue (in
der Mitte Vietnams). 1898 wurde der Service Meteorologique in
Indochina gegründet und meteorologische Messungen auf das ganze
Kolonialgebiet ausgeweitet. Erster Leiter wurde der französische
Mathematiker Claude-Jean-Baptiste Ferra (1857-nach 1908). 1902
gründete die französische Kolonialverwaltung das Observatorium Phu
Lien bei Hai Phong, an welchem ab 1904 meteorologische Beobachtungen
starteten. Das Observatorium diente als meteorologische
Zentralstation, um Wettervorhersagen für die Landwirtschaft und für
die Schifffahrt zu erstellen. Es war auch zuständig für
Sturmwarnungen, wenn im Südchinesischen Meer ein Taifun auftrat. 1906
bestand in Indochina ein Messnetz aus 16 Stationen. 1926 erfolgte
eine Umorganisation des meteorologischen Dienstes in das neu
gegründete Büro für Klimatologie und Agrarmeteorologie.
Wetterphänomene und Naturgefahren wurden vor Erlangung
wissenschaftlicher Erkenntnisse und der Einführung von
Messinstrumenten aus europäischen Ländern auf den Philippinen aus
einer religiösen Perspektive verstanden. Erste meteorologische
Messungen auf den damals zu Spanien gehörenden Philippinen starteten
ab 1865. Der spanische Mathematiker und Physiker Francisco Colina
(1837-1893) betrieb eine primitive Wetterstation in Manila, in dem er
ein Thermometer, ein Hygrometer, ein Barometer und ein Anemometer in
einem verlassenen Taubenhaus aufhängte und zwei- bis dreimal täglich
Messwerte notierte. Im selben Jahr wurde ein Taifun untersucht, der
Manila traf, dabei wurden teils stündlich Wetteraufzeichnungen
vorgenommen. Dies gab den Ausschlag für die Errichtung eines
Observatoriums in Manila (Observatorio Meteorologico de Manila) durch
die Jesuiten-Mission. 1867 übernahm der spanische Jesuitenpriester
und Mathematiker Federico Faura (1840-1897) die Leitung des
Observatoriums. Weitere Messinstrumente wurden erworben, darunter
1869 ein Meteorograph, welcher rund um die Uhr aufzeichnete. 1879 gab
Faura die erste Taifunwarnung heraus. Ab 1880 wurden weitere
meteorologische Beobachtungsstationen auf den Philippinen in Betrieb
genommen. 1884 verfügte die spanische Regierung, dass das
Observatorium Manila zur offiziellen philippinischen Institution für
Wettervorhersagen wurde. Ab 1885 wurden am Observatorium weitere
Services wie die Zeitfestlegung sowie seismologische und
astronomische Studien angeboten. 1897 veröffentlichte der spanische
Jesuitenpriester, Astronom und Meteorologe Jose Maria Algue
(1859-1930) das erste Buch über Taifune auf den Philippinen und
stellte einen Barocyclonometer vor, eine Weiterentwicklung eines
Aneroidbarometers, welcher die Bestimmung des Zentrums eines Taifuns
und die Vorhersage der voraussichtlichen Zugbahn erlaubte. Nach
Übernahme durch die Vereinigten Staaten 1898 erkannte die koloniale
US-Administration 1901 das Observatorium Manila als philippinisches
Wetterbüro an. 1908 wurde die erste Wetterkarte des Fernen Ostens
publiziert.
Erste meteorologische Messungen von Temperatur und Niederschlag in
Singapur, damals Teil des britischen Territoriums Straits
Settlements, wurden zwischen 1820 und 1823 durch den britischen
Administrator William Farquhar (1774-1839) durchgeführt. Die
offizielle Erfassung von Wetterdaten in Singapur begann 1869 auf
Initiative der Medizinischen Abteilung der Straits Settlements, deren
ursprüngliches Ziel darin bestand, einen möglichen Zusammenhang
zwischen der Ausbreitung von Krankheiten und dem lokalen Wetter zu
untersuchen. In diesem Jahr wurde in Outram eine Wetterstation
eingerichtet, um die monatlichen Niederschlagsmengen zu messen. Die
Verantwortung für die Erhebung von Wetterdaten wurde 1927 einer neuen
meteorologischen Abteilung unter dem malaiischen Vermessungsamt
übertragen. Diese wurde 1929 zum Malayan Meteorological Service und
erhielt neue Aufgaben zur Bereitstellung meteorologischer Dienste für
ganz Britisch-Malaya. Im selben Jahr wurde auf dem Mount Faber eine
neue Wetterstation errichtet, die zusätzlich mit der Erfassung von
Temperaturdaten betraut wurde, womit die offiziellen
Temperaturaufzeichnungen Singapurs begannen. Mit der Unabhängigkeit
Singapurs von Malaysia im Jahr 1965 löste sich das
Beobachtungsnetzwerk in Singapur vom Malayan Meteorological Service
und wurde zum Meteorological Service Singapore.
Erste systematische Messungen in Indonesien, damals
Niederländisch-Indien, wurden ab 1841 individuell im Botanischen
Garten in Bogor auf Java durch den Leiter des örtlichen
Krankenhauses, den niederländischen Mediziner Pieter Loth Onnen
(1811-1865), durchgeführt. 1844 und 1845 führte ein defektes
Barometer zur vorübergehenden Unterbrechung seiner Messreihe. 1864
wurden die Messungen nach Batavia (heute Jakarta) verlegt. 1866 wurde
das Magnetische und Meteorologische Observatorium in Batavia in
Betrieb genommen und damit eine staatliche meteorologische Behörde
gegründet. Erster Direktor wurde der niederländische Mathematiker
Pieter Adriaan Bergsma (1830-1882). 1879 wurde ein
Niederschlagsmessnetz auf Java aufgebaut.
In Australien finden noch heute Traditionen der Wetterbeobachtung und
mythologischen Wetterdeutung der indigenen Bevölkerung Beachtung. Von
verschiedenen Stämmen der Aborigines und Torres Strait Islanders sind
saisonale Kalender überliefert, die je nach Klimazone zwischen zwei
und 13 Jahreszeiten unterscheiden. Erste moderne landbasierte
Beobachtungen in den damaligen britischen Kolonien führte der
britische Astronom und Linguist der Aborigines-Sprachen William Dawes
(1762-1836) zwischen 1788 und 1791 in der Bucht von Sydney durch. Der
britische Offizier, Kolonialadministrator und Astronom Sir Thomas
Brisbane (1773-1860) veranlasste den Bau des ersten Observatoriums in
Parramatta in New South Wales, welches 1821 eröffnet wurde.
Regelmäßige Wetteraufzeichnungen wurden in Adelaide in Südaustralien
ab 1839 durchgeführt. Erste Wetteraufzeichnungen an einem
Observatorium in Hobarton im damaligen Van Diemen's Land (heute
Hobart in Tasmanien) fanden 1841 statt, 1852 folgten solche in
Fremantle in Westaustralien und 1854 am ersten Observatorium in
Melbourne in Victoria. Der britische Ingenieur und Astronom Sir
Charles Todd (1826-1910) war verantwortlich für den Ausbau von
Überland-Telegraphen-Verbindungen in Südaustralien. Er erkannte die
Bedeutung meteorologischer Beobachtung und veranlasste 1855 seine
Betreiber der Telegraphenstationen, meteorologische Beobachtungen zu
übermitteln. So entstand ein erstes Messnetz. In Victoria wurden
erste Wetterbeobachtungen 1854 aufgezeichnet. Ab 1856 wertete der aus
der bayerischen Pfalz stammende Geophysiker und Polarforscher Georg
von Neumayer (1826-1909) am Flagstaff-Observatorium in Melbourne
Schiffslogbücher aus, um aus diesen Daten die optimale Schiffsroute
zwischen Europa und Australien zu finden. Im Northern Territory
folgten erste tägliche Aufzeichnungen in Port Darwin (heute Darwin)
ab 1869. Ab 1870 erfolgte die Kommunikation standardisierter
Wetterberichte in allen Kolonien mittels Telegraphie. 1877 wurde die
erste Wetterkarte in der Zeitung Sydney Morning Herald
veröffentlicht. Zwischen 1887 und 1903 betrieb der britische
Meteorologe Clement Lindley Wragge (1852-1922) ein Messnetz, das
große Teile von Queensland umfasste. Wragge war der Erste, der
tropische Zyklone benannte. Neben Buchstaben des griechischen
Alphabets verwendetet er hierfür Charaktere der griechischen und
römischen Mythologie und sogar Namen lokaler Politiker. 1899
untersuchte er den Zyklon Mahina, bis heute einer der heftigsten
Zyklone, die Queensland trafen.
1902 versuchte Wragge erfolglos, mit Regenkanonen die Dürre in
Queensland zu beenden. Fünf Jahre nach der Unabhängigkeit wurde 1906
die Verantwortung für Meteorologie und Astronomie der Bundesregierung
übertragen. Der britische Meteorologe Henry Ambrose Hunt (1866-1946)
wurde erster "Commonwealth Meteorologist". 1908 erfolgte die Gründung
des meteorologischen Dienstes (Bureau of Meteorology). Vorhersagen
für die verschiedenen Landesteile wurden zunächst per Morsecode
übertragen.
In Neuseeland waren vor der europäischen Besiedlung durch die Maori
und Polynesier Passatwinde bekannt. Die Maori nutzten spezielle
Wolkenformationen und -muster besonders zum Sonnenuntergang zur
Vorhersage von möglichem Regen am Folgetag. Der britische Landwirt,
Laienpriester und Missionar Richard Davis (1790-1863) führte in zwei
Tagebüchern Wetteraufzeichnungen. Eines umfasst den Zeitraum 1839 bis
1844 in der Te Waimate Mission, das andere von 1849 bis 1851 in
Kaikohe, beide im äußersten Norden von Neuseeland. Die Aufzeichnungen
umfassten Temperatur und Luftdruck sowie qualitative Anmerkungen zu
Windgeschwindigkeit und -richtung, Extremwetter und Bewölkung. Es
gibt zwei Einträge über Schneefall, was in der Northland Region
nördlich von Auckland ein sehr seltenes Ereignis ist. Die
Aufzeichnungen gelten als die ältesten kontinuierlichen
landgestützten Aufzeichnungen in Neuseeland. Die Royal Engineers
hatten in den 1850er Jahren begonnen, regelmäßige landgestützte
Beobachtungen in Auckland durchzuführen. Nach einer Serie von
Schiffsunglücken richtete das Marineministerium 1861 einen
Wettervorhersagedienst ins Leben. Das erste Messnetz umfasste neun
Wetterstationen von der Bay of Islands auf der Nordinsel bis Dunedin
auf der Südinsel. Nachdem zuvor ein experimentelles Sturmwarnsystem
eingerichtet worden war, ernannte das Marine-Ministerium im Januar
1874 den britischen Meteorologen Robert Atherton Edwin (1839-1911)
zum ersten offiziellen Wettervorhersager Neuseelands. Ende 1882
begannen die Zeitungen, Wetterkarten abzudrucken. Diese basierten auf
den Berichten von etwa 24 Wetterstationen. Robert Edwin sandte den
großen Zeitungen täglich Berichte zusammen mit Codenummern, die einem
der 24 über Neuseeland häufig auftretenden Isobarenmuster
(Luftdruckmuster) entsprachen. Die Nummer gab an, welche Karte
abzudrucken war. Bis 1926 blieb die Wettervorhersage eine Aufgabe der
Marine, bevor ihre Eingliederung in das neu gegründete Ministerium
für wissenschaftliche und industrielle Forschung erfolgte. 1927 wurde
der neuseeländische Meteorologe Edward Kidson (1882-1939) zum ersten
"Dominion Meteorologist" ernannt. Seinerzeit war der neuseeländische
Wetterdienst eine kleine Einrichtung mit fünf Mitarbeitern und einem
völligen Mangel an qualitativ brauchbaren meteorologischen
Langzeitaufzeichnungen.
Erste meteorologische Aufzeichnungen im Bereich der Inselwelt des
südwestlichen Pazifiks erfolgten 1851 durch den britischen Missionar
Reverend George Turner (1818-1891) am 1848 von der London Missionary
Society gegründeten Malua Theological College auf der Insel Upola
(Samoa). Notiert wurden Niederschlagsmengen und tägliche
Temperaturmaxima. Systematische Messungen in Samoa erfolgten zu
deutschen Kolonialzeiten (s. u.). Auf Fidschi begannen
Temperaturaufzeichnungen 1861 in Levuka. Ab 1892 wurden an der
Rarawai Mill im Nordteil der Insel auf einer monatlichen Basis
meteorologische Aufzeichnungen notiert, vornehmlich um das
Überschwemmungsrisiko des Flusses Ba für anliegende
Zuckerrohrplantagen abzuschätzen. 1905 begannen tägliche
systematische Wetteraufzeichnungen. Auf Tahiti
(Französisch-Polynesien) liegen erste meteorologische Aufzeichnungen
aus 1855 vor. Monatliche Durchschnittswerte für Luftdruck und
Feuchte, die Hauptwindrichtung und aufgetretene Extremtemperaturen
wurden in Kolonialzeitungen wie im Message de Tahiti ab 1860
veröffentlicht. 1922 richtete der französische Wetterdienst die erste
Wetterstation in Pape'ari an der Südküste ein. Auf Hawaii, damals als
Sandwich-Inseln bekannt, wurden auf Expeditionen erste
meteorologische Aufzeichnungen verzeichnet, so für Luftdruck und
Temperatur 1794 auf dem Mauna Loa durch den britischen Botaniker
Archibald Menzies (1754-1842). Erste systematische
Niederschlagsmessungen initiierte 1837 der britisch-hawaiianische
Mediziner Thomas Charles Byde Rooke (1806-1858) in Honolulu. Während
der United States Exploring Expedition wurden auf dem Mauna Loa
1840/1841 über wenige Wochen systematisch das Wetter beobachtet. Das
Eintreffen internationaler Expeditionen zum Venus-Transit 1874
markierte den Beginn systematischer Wetteraufzeichnungen im Bereich
des Hafens von Honolulu. Das Wachstum in der Ananas- und
Zuckerproduktion machte neue Niederschlags-Messstationen notwendig.
Dezentrale und private Wetterbeobachtungen wurden ab 1892 vom
Hawaiian Weather Bureau zusammengeführt. Nach der Annexion 1898
wurden die Aufgaben nahtlos an den Hawaii Territory Survey übergeben,
bevor 1904 der US-amerikanische Wetterdienst die Stationen übernahm.
Im Bereich der Deutschen Schutzgebiete in der Südsee wurden
Überseestationen eingerichtet, deren meteorologische Messungen
vielfach als die ersten in dieser Region gelten. Von besonderem
Interesse waren Niederschlag und Temperatur. In Neuguinea (heute Teil
von Papua-Neuguinea) wurde im ersten Verwaltungssitz Finschhafen 1886
mit meteorologischen Aufzeichnungen begonnen, eine längere
Aufzeichnungsreihe startete auf dem nahegelegenen Sattelberg 1900.
Vom vierten Verwaltungssitz Herbertshöhe (heute Kokopo) liegen
Aufzeichnungen ab 1902 vor. Bis auf Samoa waren alle pazifischen
Inseln dem Schutzgebiet Neuguinea zugeordnet. Von Jaluit auf den
Marshallinseln wurden erste meteorologische Messungen 1891 getätigt.
Auf Nauru (Naoero) wurde ab 1892 das Wetter aufgezeichnet, die
Station lag im Südosten der Insel (heute Distrikt Meneng). Auf den
Karolinen (heute Mikronesien und Palau) erfolgten erste
meteorologische Beobachtungen im Bereich der Westkarolinen in
Tomilhafen auf Jap (heute Colonia auf Yap) ab 1899 und im Bereich der
Ostkarolinen in Kolonia auf Ponape (heute Pohnpei) ab 1900 sowie in
Palau auf Malakal im Westteil von Koror 1901. Im selben Jahr
starteten in Saipan auf den Marianen (heute Nördliche Marianen)
meteorologische Beobachtungen. In Samoa wurde die Messstation Apia
1890 in Betrieb genommen. Der preußische Naturwissenschaftler Otto
Tetens (1865-1945) errichtete dort 1902 das Geophysikalische
Observatorium Apia auf der Halbinsel Mulinu'u, an welchem seismische
Messungen und chronometrische Analysen durchgeführt sowie die
meteorologischen Beobachtungen auf Samoa qualitätsüberprüft wurden.
Heute befindet sich an dieser Stelle der samoanische Wetterdienst.
Im nächsten Teil der Serie zur Geschichte der Meteorologie werden
ähnliche meteorologische Entwicklungen in ausgewählten Ländern von
Amerika und Afrika beleuchtet.
Dipl.-Met. Markus Eifried
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 07.09.2026
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