DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
04-09-2026 10:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 04.09.2026 um 10.30 UTC
Wechselhaft mit zeitweiligem Regen, im Norden zeitweise windig. Zu Beginn
örtliche, lokal kräftige Gewitter. Meist nur mäßig warm.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 11.09.2026
Zu Beginn der Mittelfrist am Montag verlagert sich der Schwerpunkt des Hochs
weiter ostwärts und von Westen greift eine Tiefdruckrinne auf Deutschland über.
Gestützt wird das ganze durch einen eher flachen Trog, dessen Timing und
Amplitude durchaus sehr unterschiedlich simuliert wird. Recht wahrscheinlich
dürften damit aber die Hebungsprozesse ausreichen, dass sich örtliche Schauer
und Gewitter entwickeln können, die potenziell auch kräftiger ausfallen können.
Die kräftigsten Entwicklungen deuten sich etwa von der Mitte bis in den Süden
an, dort ist die Luftmasse mit 850 hPa-Temperaturen um/über 15 Grad noch recht
warm, zudem labil und von Westen her zunehmend feucht, auch CAPE wird einiges
simuliert. Aufgrund von ebenfalls erhöhter Scherung ist ein etwas teilweise ein
erhöhter Organisationsgrad zu erwarten. Begleiterscheinungen wie Starkregen,
(eventuell etwas größerer) Hagel und Sturmböen sind möglich. Im späteren
Tagesverlauf oder in der Nacht zum Dienstag greift voraussichtlich auch das
Frontensystem eines Tiefs bei Schottland auf den Nordwesten über. Dabei kann es
im Nordwesten etwas regnen und der Wind lebt im Nordseeumfeld stark böig auf.
Am Dienstag greift dann der Haupttrog auf Deutschland über, das wellende
Frontensystem (Warmfrontwelle vom Ostatlantik nach Frankreich verlagernd), das
von einem Tief über der nördlichen Nordsee bzw. vor der Norwegischen Küste
ausgeht, verlagert sich vom Nordwesten in die mittleren Landesteile. Daran
regnet es zeitweise. Präfrontal über dem Südosten dominiert noch die labile,
feucht-warme Luftmasse, so dass sich im Tagesverlauf erneut Schauer und lokal
kräftige Gewitter besonders in Bezug auf Starkregen und Hagel entwickeln könnten
(CAPE erhöhte, Scherung im Südosten gering bis mäßig). Postfrontal im Norden
eher schauerartige Niederschläge, Gewitterrisiko eher gering. Die Luftmasse mit
850 hPa-Temperaturen um 15 grad wird auch im Südosten allmählich ostwärts
abgedrängt, von Nordwesten sickert eine nur mäßige warme Luftmasse mit 850
hPa-Temperaturen um 5 Grad ein. Im Südosten abseits von Gewittern schwach
windig, sonst mäßiger, im Norden bzw. im westlichen Bergland frischer Wind aus
Südwest bis West. Warnwürdige Böen an ehesten im Küstenumfeld.
Am Mittwoch nähert sich die Trogachse von Westen nur zögerlich weiter an, da der
Trog nach Süden ausgreift. Damit verlagert sich auch das Frontensystem mit
zeitweiligem Regen nur langsam von der Mitte bis zum Alpenrand. Insbesondere
südlich der Donau halten die Niederschläge dann auch bis in die Nacht zum
Donnerstag länger an. Rückseitig gibt es über der Mitte voraussichtlich einen
Bereich mit abklingendem Regen und Auflockerungen. Der Norden verbleibt im
Einflussbereich des über Südnordwegen Richtung Südschweden ziehenden Tiefs und
eines damit einhergehenden Bodentroges, auch dort regnet es zeitweise, teils
schauerartig verstärkt. Geringe Wahrscheinlichkeiten für die Überschreitung von
Warnschwellen in punkto Niederschlagsmengen deuten sich am Alpenrand, mit sehr
geringer Wahrscheinlichkeit auch im Bereich Südschwarzwald und Nordseeumfeld an.
Der Bodentrog sorgt zudem für eine gewisse Gradientverschärfung im Norden, vor
allem an Nord- und Ostsee muss mit starken bis stürmischen Böen aus Südwest bis
West, Nordsee später Nordwest, gerechnet werden, an exponierten
Küstenabschnitten vor allem der Nordsee auch mit Sturmböen.
Am Donnerstag liegt Deutschland unter dem Mitteleuropatrog, am Alpenrand
schleift zunächst weiter das Frontensystem mit zeitweiligem, langsam
nachlassendem Regen. Das Bodentief über Südskandinavien verlagert sich in
Richtung zentrale Ostsee/Südfinnland. Der Bodentrog zieht damit ostwärts ab, der
Gradient fächert etwas auf, so dass die überwiegend geringen Regenfälle
nachlassen, später eventuell auch abklingen und der Wind abflaut. Allerding ist
dies voraussichtlich keine nachhaltige Wetterberuhigung: Über Westeuropa
regeneriert der Trog und über den Britischen Inseln wird eine Zyklogenese in
Gang gesetzt (das war so markant in den Vorläufen noch nicht ersichtlich),
dessen Frontensystem ausgangs der Nacht zum Freitag mit auf den Westen
übergreifen kann.
Am Freitag liegt Deutschland dann vorderseitig der Achse des neuen Haupttroges,
das korrespondierende Bodentief verlagert sich unter leichter Abschwächung
Richtung Benelux. Das dazugehörende Frontensystem liegt über den westlichen
Landesteilen mit zeitweiligem Regen. Über dem Süden macht sich eventuell noch
ein kurzwelliger Troganteil des "alten" Haupttroges bemerkbar, so dass im
Alpenraum/vom Alpenraum ausgehend Schauer und Gewitter auftreten können.
Auch in der erweiterten Mittelfrist ist die genaue Entwicklung recht unklar,
allerdings deuten alle Lösungen auf weiterhin zyklonal dominierte Witterung hin
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz der vorliegenden IFS-Modellläufe ist nur mäßig. Bereits zu Beginn
der Mittelfrist am Montag zeigen sich Unsicherheiten in der Ausgestaltung der
Trog-Keil-Struktur und dem Timing. Diese Differenzen nehmen recht rasch weiter
zu, wenn gleich vom Grundtenor her im gesamten Mittelfristzeitraum eine zyklonal
geprägte und damit wechselhafte Witterung simuliert wird. Vom Strömungsregime
her variieren sie zwischen überwiegend westlicher und teils klar nordwestlicher
Grundströmung.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Andere Globalmodelle simulieren ebenfalls insgesamt zyklonal geprägte
Strömungsmuster. Auch hier zeigen sich bereits ab Beginn der Mittelfrist am
Montag Unterschiede in Amplitude und Timing, die recht rasch anwachsen. Dabei
sind sowohl ICON als auch GFS eher etwas progressiver und teils zyklonaler
aufgestellt. ICON z.B. zum Donnerstag/Freitag mit einer deutlicheren
Amplifizierung und Abtropfen des Troges in Richtung westliches Mittelmeer und
damit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigeren
Tiefdruckentwicklung südlich der Alpen.
Der Grundtenor einer wechselhaften Witterung scheint insgesamt klar, der
detaillierte Ablauf sowie die Niederschlagsschwerpunkt aber recht unsicher.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Clusteranalyse des IFS zeigt für den ersten Zeitraum von Montag 00 UTC bis
Dienstag 00 UTC (+72 bis +96 h) fünf Cluster mit 18, 15 (Cluster 2 inklusive
Kontrolllauf), 10, 5 und 3 Membern. Es zeigen sich Differenzen in dem eher
flachen, vorlaufenden Trog, der Haupttrog bleibt insgesamt noch außen vor.
Teilweise wird die Zyklonalität etwas stärker betont als im deterministischen
Lauf. Allerdings fällt es schwer, die Prognoserelevanz zu beurteilen. Im
Folgezeitraum von Mittwoch 00 UTC bis Freitag 00 UTC (+120 bis + 168 h) werden
drei Cluster mit 23, 15 und 13 Membern angeboten, Kontrolllauf in Cluster 1.
Hier zeigen sich wie bereits in der Konsistenzbetrachtung recht unterschiedliche
Details in Amplitude und Timing der Trogpassage bzw. dessen verzögerter Passage
aufgrund einer Austrogung Richtung westliches Mittelmeer. Für die erweiterte
Mittelfrist ab Samstag (+192 h) sind es wieder fünf Cluster in denen sich in
unterschiedlicher Weise die Trogpassage mehr oder weniger markant und flott
passiert. Bei der Mehrzahl der Cluster (und Member) wölbt sich nachfolgend über
dem nahen Ostatlantik ein Keil auf, der sich aber wenn überhaupt nur schwach auf
die westlichen/südwestlichen Landesteile auswirken könnte. Meist dominieren
zyklonale Strömungsmuster, am zyklonalsten ist Cluster 3 mit 10 Membern
aufgestellt, der auch dem Regime "NAO positiv" zugeordnet wird während alle
anderen zum "Blocking" tendieren. Wobei das Blocking voraussichtlich westlich
unseres Vorhersagegebietes liegt.
Die Rauchfahnen spiegeln die Unsicherheiten ebenfalls wider: Der Spread nimmt
sowohl beim Geopotenzial in 500 hPa als auch bei der Temperatur in 850 hPa
bereits ab Montag/Dienstag, also zu Beginn der Mittelfrist, rasch zu. Die grobe
Tendenz der Mehrheit der Einzellösungen tendiert zu einem zurückgehendem
Temperaturniveau und Geopotenzial, erst in Richtung erweiterter Mittelfrist
mehren sich die Anzeichen für leicht ansteigendes Geopotenzial, aber eben mit
recht großem Spread. Durchweg sind Niederschlagssignale vorhanden, Peak
tendenziell mit der langsamen Frontpassage am Mittwoch.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
GEWITTER:
Am Montag von der Mitte bis in den Süden örtlich kräftige Gewitter mit
Starkregen, (lokal größeren) Hagel und Sturmböen. Am Dienstag erneut, aber eher
lokal kräftige Gewitter im Südosten, Fokus eher auf Starkregen und Hagel.
Im Zusammenhang mit kurzwelligem Troganteil am Freitag im Alpenraum bzw. vom
Alpenraum ausgehendes Gewitterrisiko.
DAUER-/STARKREGEN:
Am Mittwoch geringe Wahrscheinlichkeiten für Dauerregen am Alpenrand (geringe
EPS Wahrscheinlichkeiten, EFI-Signale) im Zusammenhang mit dem schleifenden bzw.
sich nur sehr langsam verlagernden Frontensystem.
WIND:
Am Montag bei Gewittern Sturmböen, am Dienstag im Südosten geringe
Wahrscheinlichkeit für konvektiv bedingte Sturmböen. Am Dienstag und Mittwoch
vor allem im Küstenumfeld starke bis stürmische, an exponierten
Küstenabschnitten vor allem der Nordsee auch mit Sturmböen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOS-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Sabine Krüger