Thema des Tages
27-08-2026 14:20
Wetter aktuell
Die atlantische Hurrikansaison 2026: Ein Update
Unterdurchschnittlich soll sie verlaufen, die diesjährige
Hurrikansaison über dem Atlantik - zumindest dem Großteil der
Prognosen nach. Wie der aktuelle Stand ist und was die neuesten
Prognosen sagen, lesen Sie im heutigen Thema des Tages.
Offiziell läuft die alljährliche Hurrikansaison über dem Nordatlantik
vom 1. Juni bis zum 30. November. Vor ihrem Beginn erstellen diverse
nationale Wetterdienste und weitere wissenschaftliche Einrichtungen
stets Prognosen über ihren Verlauf. Prognostiziert wird dabei die
Anzahl benannter Stürme, wobei es dabei nicht nur um Hurrikane geht,
sondern um alle tropischen und subtropischen Stürme über dem
Nordatlantik.
Ganz kurz für's Hintergrundwissen: Wirbelstürme definieren sich über
ihre mittlere Windgeschwindigkeit (1-minütiger Mittelwind). Ab 62
km/h spricht man von einem tropischen Sturm (bzw. je nach
Entstehungsregion auch subtropischen Sturm), ab 119 km/h von einem
Hurrikan und ab 178 km/h von einem schweren Hurrikan (engl.: major
hurricane). Schwere Hurrikane nehmen damit die Kategorien drei bis
fünf auf der fünfteiligen Saffir-Simpron-Skala ein. Durchschnittlich
entwickelten sich zwischen 1991 und 2020 - also innerhalb der
aktuellen sogenannten Vergleichsperiode - pro Jahr 14 tropische
Stürme, darunter 7 Hurrikane und darunter wiederum 3 schwere
Hurrikane.
Nun zurück zur aktuellen Saison, bei der die meisten Einrichtungen im
Vorfeld davon ausgingen, dass sie unterdurchschnittlich verlaufen
soll. Als Hauptgrund wurde der sich entwickelnde El Nino angeführt,
der sich im weiteren Verlauf dieses Jahres weiter verstärken soll
beziehungsweise wird. Grob gesagt, sorgt El Nino für erhöhte
Windscherung über dem tropischen Nordatlantik, was für die
Entwicklung tropischer Wirbelstürme nicht förderlich ist.
Anfang/Mitte Juni, also während der Anfangsphase der diesjährigen
Saison, korrigierte die Colorado State University ihre Prognose
nochmals nach unten. Ihr folgte die University of Arizona (UA), die
ihre Anzahl tropischer Stürme sogar deutlich nach unten drückte. Das
ist vor allem deshalb interessant, da die UA mit die einzige
Einrichtung war, die ursprünglich von einer überdurchschnittlichen
Saison ausgegangen war. Sie sah Ähnlichkeiten zu 2023 als trotz sich
ausbildendem El Nino eine der aktivsten Wirbelsturmsaisons seit
Aufzeichnungsbeginn beobachtet wurde. Grund hierfür war eine
ungewöhnlich hohe Meeresoberflächentemperatur, die den dämpfenden
El-Nino-Effekt kompensieren konnte. Da sich die
Meeresoberflächentemperatur nun allerdings nicht so stark erhöht hat,
wie erwartet wurde, ruderte die UA entsprechend zurück.
Das jüngste Prognoseupdate lieferte das Klimaprognosezentrum der
US-amerikanischen NOAA (National Oceanic and Atmospheric
Administration) am 6. August, das ihre Erwartung ebenfalls
geringfügig herunterschraubte. Genauer gesagt: Für eine
unterdurchschnittliche Saison ruft es eine Wahrscheinlichkeit von
stolzen 75 % auf, für eine durchschnittliche Saison 20 % und für eine
überdurchschnittliche Saison nur noch 5 %. In absolute Zahlen
umgemünzt geht das Klimaprognosezentrum für 2026 mittlerweile von 7
bis 13 (zuvor 8 bis 14) benannten Stürmen aus, wovon 3 bis 6
(unverändert) zu Hurrikanen und davon wiederum 0 bis 2 (zuvor 1 bis
3) zu schweren Hurrikanen heranreifen sollen.
Na und wie ist denn nun der aktuelle Stand? Magere drei Tropenstürme
stehen bisher auf der Habenseite: Arthur (17.-18. Juni), Bertha
(19.-24. Juli) und Cristobal (12.-13. August). Während Cristobal sich
im atlantischen Niemandsland aufhielt, trieben Arthur und Bertha im
Golf von Mexico ihr Unwesen, wo sie vor allem Teile der
US-Golfküstenstaaten heimsuchten. Arthur sorgte zum Teil für
Sturzfluten, Überschwemmungen und auch einige Tornados. Die traurige
Bilanz waren vier Todesopfer und ein materieller Schaden in Höhe von
über einer Milliarde US-Dollar. "Bertha" machte sich dagegen mehr
durch eine Sturmflut und hohen Wellengang entlang der US-Golfküste
bemerkbar. Dabei werden die Schäden "nur" auf einige zehn Millionen
US-Dollar geschätzt.
In den kommenden Tagen wird der Zähler voraussichtlich auf "4"
gestellt, denn über dem Atlantik braut sich etwas zusammen. Das
Nationale Hurrikan Zentrum (NHC) in Miami beobachtet derzeit mitten
über dem tropischen Atlantik einen Gewitterkomplex, dem es innerhalb
der nächsten 48 Stunden eine 90-%-ige Chance für die Entwicklung zu
einem Tropensturm einräumt. Ob sich daraus vielleicht auch der erste
Hurrikan der Saison entwickelt? Man darf gespannt sein.
Dipl.-Met. Tobias Reinartz
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 27.08.2026
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