Thema des Tages
26-08-2026 11:50
Wetter aktuell
Marine Hitzewellen
Die Hitzewellen dieses Sommers haben nicht nur an Land Rekorde
gebrochen, sondern auch in den Meeren ihre Spuren hinterlassen.
Nordsee, Ostsee und vor allem das Mittelmeer weisen aktuell teils
massive positive Temperaturanomalien auf. Kann diese aufgestaute
Energie das Wetter im kommenden Herbst beeinflussen?
Über die wiederholten Hitzewellen wurde an dieser Stelle in den
vergangenen Monaten mehrmals berichtet, weniger intensiv wurden
jedoch die Temperaturen in den uns umgebenden Meeren betrachtet. Da
die Wärmekapazität von Wasser und damit der Meere deutlich größer als
die der Landmasse ist, reagieren diese deutlich träger auf Einflüsse
von außen. So fand die Erwärmung verzögert statt, aber auch wenn an
Land wieder Normalität einkehrt, so ist dies für die Ozeane noch
längst nicht der Fall.
Entsprechend der Verteilung der Hitzewellen im zu Ende gehenden
Sommer 2026 stechen besonders die positiven Anomalien im West- und
Zentralteil des Mittelmeers sowie in den im Westen an den Kontinent
angrenzenden Meeresgebieten heraus. Verbreitet werden im Südwestteil
der Nordsee, dem Ärmelkanal, der Biskaya sowie im Mittelmeer westlich
der Ägäis zwei bis vier Grad mehr gemessen als zu dieser Jahreszeit
üblich. Dies mag angesichts von zurückliegenden Hitzewellen an Land,
die teils mehr als zehn Grad Abweichung brachten, nicht viel
erscheinen, doch für das träge System Ozean sind dies enorme
Abweichungen und sehr viel zusätzliche Energie, die dort nun
gespeichert ist. Die Oberflächentemperatur des Mittelmeers beträgt
derzeit verbreitet 24 bis 30 Grad. Anfang August wurden von Bojen bei
den Balearen sogar Spitzenwerte von 32 bis 33 Grad gemessen. Ganz so
warm ist es an der deutschen Nordseeküste derzeit nicht, aber mit
Werten um 20 Grad ist auch dort das Wasser wärmer als üblich.
Wie extrem die marine Hitzewelle im Mittelmeer ist, verdeutlicht eine
Zeitserie der Meeresoberflächentemperatur. Diese zeigt seit Ende Mai
nicht nur deutlich höhere Werte als im Mittel der Jahre 1982 bis
2015, sondern weist für diesen Zeitraum auch fast durchgehend
Temperaturen auf, die über dem 90-%-Perzentil des Vergleichszeitraums
liegen. Während der ?Wärmespitzen? Ende Juni, Mitte Juli und Mitte
August lag die Temperatur sogar 1 bis 1,5 Kelvin über diesem
90-%-Perzentil. Korallen und Seegraswiesen sterben unter diesem
Hitzestress teilweise ab, Fische wandern ab, neue invasive Arten
wandern ein.
Die hohen Wassertemperaturen des Mittelmeeres 2026 setzen einen seit
über mehrere Dekaden anhaltenden Trend zu immer höheren Temperaturen
fort. Laut Erdbeobachtungsprogramm der EU "Copernicus" lag die
Erwärmungen in den Jahren 1982 bis 2023 bei etwa 0,04 Grad pro Jahr.
Die hohen Wassertemperaturen haben auch potenzielle Auswirkungen auf
das Wetter im kommenden Herbst. Die Meere wirken praktisch als Akku,
der seine Energie im späteren Verlauf des Jahres wieder abgibt. Dies
tut er in Form von Wärme und vor allem auch in Form von Wasserdampf.
Diese Energieabgabe tritt zwar jedes Jahr auf, dieses Jahr ?ist der
Akku aber besonders voll?. Für mögliche Tiefdruckgebiete steht so
besonders viel Treibstoff zur Verfügung. Dieser muss zwar nicht
genutzt werden, die Vergangenheit zeigt aber, dass es irgendwo und
irgendwann zu Wetterlagen kommt, die von dem erhöhten
Wasserdampfdargebot profitieren. Dies kann sich dann in stärkeren
Niederschlägen bei Gewittern und Tiefdruckgebieten zeigen oder die
Bildung von Medicanes begünstigen und im Entstehungsfall auch zu
höheren Windgeschwindigkeiten führen. Dabei müssen die Auswirkungen
nicht auf die Anrainerstaaten des Mittelmeers beschränkt bleiben.
Großräumige Strömungen können die Feuchtigkeit weit verfrachten und
zum Beispiel auch erst über Mitteleuropa den gebundenen Wasserdampf
als Niederschlag freisetzen.
M.Sc.-Met. Thore Hansen
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.08.2026
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