Thema des Tages

20-08-2026 13:50


Wetter aktuell

Sommer im Barock



Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Die vier Jahreszeiten sind jeher
von großer Bedeutung gewesen. Anfang des 18 Jahrhunderts widmete
Antonio Vivaldi diesen ein Werk, das weltberühmt wurde und uns heute
wohlbekannt ist: "Le quattro stagioni", eine Sammlung an
Violinenkonzerten. Heute soll mit dem Teil über den Sommer begonnen
werden und dabei auch ein Blick auf das vergangene Wetter hier in
Deutschland geworfen werden.


Die vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter haben die
Menschen schon immer beschäftigt. So ist es nicht verwunderlich, dass
sie auch Eingang in die Kunst gefunden haben. Ein gewisser
venezianischer Komponist Antonio Vivaldi beschäftigte sich intensiver
mit diesen und schrieb dafür Violinenkonzerte, die er in seinem
heutzutage weltbekannten Werk "Le quattro stagioni" oder zu Deutsch
"Die vier Jahreszeiten" zusammenfasste. Im heutigen Thema des Tages
soll es um den Sommer gehen und der Bogen zum Wetter in Deutschland
geschlagen werden.

Antonio Lucio Vivaldi wurde 1678 in Venedig geboren. Sein Vater war
Violinist und so fiel der Apfel nicht weit vom Stamm. Nachdem er die
Ausbildung zum Priester absolviert hatte, arbeitete er zudem als
Lehrer für verschiedene Musikinstrumente und führte später ein
Orchester eines Heimes für Waisenmädchen zu Berühmtheit. In dieser
Zeit komponierte er zahlreiche Violinenkonzerte, unter anderem auch
"L?estate" - den Sommer.

Das Stück gehört zur Gattung der Programmmusik, das bedeutet es
bringt Geschichten oder Bilder in eine musikalische Form. In Vivaldis
Fall gibt es ein dazugehöriges Sonett, das er vermutlich selbst
schrieb:

Es ist die Jahreszeit der erbarmungslos glühenden Sonne, / es
ermattet der Mensch, ermattet die Herde, / die Pinie brennt. / Der
Kuckuck ruft und schreiend fallen Tauben / und Finken mit ein.
Noch weht ein leichtes Lüftchen, / doch plötzlich braust der heulende
Nordwind dagegen. / Der Hirte weint. Er fürchtet sich vor dem Sturm.
/ Er fürchtet die Ungewissheit seines Schicksals.
Jetzt kennt des Hirten müder Körper keine Ruhe mehr, / aus Furcht vor
dem Blitz und dem grollenden Donner / und aus der Furcht vor den
Fliegen, / vor den wilden Schwärmen der Fliegen und Hornissen.
Ach-ja! Er hat ja Recht mit seinen Sorgen und Ängsten. / Der Himmel
dröhnt vom Donner und leuchtet von Blitzen, / und der Hagel köpft den
Weizen und alles andere Getreide.

Den ersten Teil kennen wir aus dem diesjährigen Sommer zur Genüge.
Die Hitze wird musikalisch durch träge, schleppende Akkorde zur
Geltung gebracht, die Menschen und Tiere befällt. Doch schon im
zweiten Teil frischt der Wind auf und Gewitter ziehen auf. Mit dem
Nordwind wird kühlere Luft herangetragen und die Hitze spielt keine
Rolle mehr. Das Tempo der Musik erhöht sich immer wieder schlagartig.
Im großen Finale, wenn das Gewitter hereinbricht, zeichnet sich das
Violinenspiel beispielsweise durch schnelle virtuose Tonleitern aus,
die das Bild der Regenmassen und des Hagels, der vom Himmel
herabprasselt, transportieren. Und auch so ähnlich findet sich das im
Wetter in Deutschland wieder. Am gestrigen Mittwoch und in der
vergangenen Nacht kam es von einem Streifen ausgehend von
Rheinland-Pfalz bis nach Sachsen zu Unwettern. Einzelne schwere
rotierende Gewitter (Superzellen) bildeten sich und sowohl in Hessen
(Oberndorf/Solms) als auch in Brandenburg (Fürstenwalde/Spree) gab es
sogar bestätigte Tornadomeldungen. Besonders vertrackt war die
Tatsache, dass sich der Tornado in Brandenburg nicht an einer
Gewitterzelle bildete, sondern an einem einfachen kleinen Schauer.
Die Erkennung eines solch kleinräumigen Ereignisses ist an sich schon
äußerst herausfordernd. Oft ist erst im Nachgang können dann Analysen
der Radarbilder Aufschluss darüber geben, ob die Strukturen einer
Rotation sichtbar gewesen sind und Tornadomeldungen plausibel sind.

Nun neigt sich der Sommer allmählich dem Ende zu. Am 1. September ist
meteorologischer, am 23. September kalendarischer Herbstanfang. Und
wer weiß, vielleicht findet sich eine Gelegenheit den Herbst von
Vivaldi für das Wetter heranzuziehen.

M.Sc. Fabian Chow

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 20.08.2026

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