Thema des Tages
19-08-2026 13:50
Wetter aktuell
Übers Ziel hinausgeschossen
Zum Wochenbeginn am vergangenen Montag dem 17.08.2026 hat das
Wettergeschehen in zwei Regionen der Bundesrepublik die
diensthabenden MeteorologInnen im Warndienst des DWD auf Trab
gehalten. Hier eine kleine Retrospektive mit Satellit und Sandwich.
?[?] wird die feucht-warme und zu Gewittern neigende Luft allmählich
in den Süden verdrängt.? So oder so ähnlich hatten bereits einige der
zahlreichen Hitzeperioden in diesem Sommer ihr Ende gefunden, und
ebenso war es auch am vergangenen Wochenende gewesen. Die Kaltfront
eines über Südskandinavien ziehenden Tiefdruckgebiets hatte von
Nordwesten den Wetterwechsel eingeläutet, was am Montag einherging
mit einer Tageshöchsttemperatur von 28,4 °C ? zwei Tage zuvor waren
von Frankfurt am Main bis Frankfurt an der Oder überregional noch
über 37 °C gemessen worden. Nichtsdestotrotz war am Montag vom Süden
bis in den Südosten weiterhin eine ausreichend feucht-labile
Luftmasse vorzufinden, welche mit Hilfe von Hebungs-Unterstützung aus
höheren Atmosphärenschichten bereits ab dem Vormittag die Entwicklung
von recht ausgeprägten Gewittern begünstigte.
Der Blick auf das RGB Satellitenbild eines EUMETSAT Satelliten der
dritten Generation (MTG) zeigt zuerst einmal Eines: Deutschland war
um 06:40 UTC (08:40 Mitteleuropäische Sommerzeit) mehr oder weniger
von Wolken bedeckt. RGB steht für Rot-Grün-Blau, also eine
Überlagerung dieser spektralen Messkanäle, so dass ein Bild entsteht
welches etwa der menschlichen Wahrnehmung entspricht. Zu dem
Haupteindruck ?Da sind viele Wolken? gesellen sich bei näherer
Betrachtung mehr und mehr Details, weniger dichte Wolken im Südosten
Deutschlands, weniger strukturierte Wolken im Norden, mehr Struktur
an den Wolkenoberkanten hingegen in der Mitte und im Südwesten.
Deutlich mehr Details und Informationen über die Wolkenstrukturen
lassen sich jedoch unter Hinzunahme von Infrarotmessungen
herauslesen. Bei den sogenannten ?Infrarot-Sandwich?
Satellitenprodukten macht man sich dabei die Vorteile beider
Spektralbereiche zunutze: Erstens, die höhere horizontale Auflösung
im sichtbaren Bereich, also die Strukturen die sich in den
Wolkenoberkanten im obigen Satellitenbild zeigen. Zweitens, die
Information über die Temperatur an der Wolkenoberkante welche sich
aus den Messungen im Infrarotbereich annähernd bestimmen lässt,
allerdings bei einer geringeren horizontalen Auflösung.
Die Animation des IR-Sandwich Produkts des MTG Satelliten vom
vergangenen Montag gibt einen guten Eindruck von der Kombination der
verschiedenen Messkanäle. Die Animation beginnt um 06:00 UHR MESZ, zu
dieser Zeit um den Sonnenaufgang sind noch keine Informationen im
sichtbaren Bereich vorhanden, und die farblich hervorgehobenen Wolken
mit sehr kalten und damit sehr hohen Oberkanten erscheinen noch sehr
flach und unstrukturiert - es sind nur die weniger hoch aufgelösten
Informationen aus dem Infraroten vorhanden. Mit steigendem
Sonnenstand erscheinen von Osten aus die überlagerten Strukturen aus
den RGB-Kanälen, was dann ab etwa 09:00 Uhr ein vollständiges
IR-Sandwich Bild im gesamten dargestellten Bereich ergibt. Ein großes
Gebiet zusammenhängender hoher Wolkenstrukturen zieht im Verlauf der
Animation von Westen Richtung Nordosten, was am Montag einherging mit
viel schauerartigem Regen, jedoch ohne elektrische Entladungen und
somit ohne Gewitter. Anders sah es im Süden aus, bereits sehr früh am
Tag bilden sich auf französischer Seite an der Grenze zu
Baden-Württemberg hochreichende Wolkentürme aus ? je rötlicher die
Farbgebung desto kälter und hochreichender die Wolke. Hier wurden
auch im Radar die am stärksten ausgeprägten Zellen beobachtet. Was
nicht bedeutet dass es auf deutscher Seite im Süden ruhig zuging.
Auch hier reichte es für unwetterartige Niederschlagsmengen in
wenigen Stunden, in der Animation zeigt sich das anhand der sehr
schnell sehr hoch schießenden Wolken im Bereich von Bodensee und
Allgäu. Die zweite spannende Region in Sachen Gewitter-Warnwesen war
am Montag der Osten Sachsens. Auch hier bildeten sich in
feucht-labiler Luft mit reichlich verfügbarem Wasser hochreichende
Gewitterwolken aus. In der IR-Sandwich Animation erscheinen diese
Wolken gegen 09:30 UTC südlich der großskaligen ostwärts ziehenden
Wolkenstrukturen. Da hier neben den genannten Gewitter-Zutaten,
Feuchte, Labilität und Hebung zusätzlich auch Windscherung vorhanden
war, bildeten diese Gewitterzellen eine Eigendynamik aus und scherten
für eine Weile nach rechts Richtung Erzgebirge aus - mit viel gutem
Willen zeigt sich auch das ansatzweise in der obigen Animation.
Entweder aus Mangel an Konzept beim Schreiben oder als bewusster
Spannungsbogen gab es bis hierhin noch keinen Kontext für die
Überschrift des heutigen Thema des Tages. Was auch immer der Grund
war, wir Enden heute wieder mit einem Werbeblock für die zahlreichen
frei verfügbaren Produkte im Eumetsat-Portal. Das obige Bild zeigt
noch einmal das MTG RGB-Satellitenbild um 06:40 UTC, dieses Mal mit
hervorgehobenen Umrissen von sich schnell entwickelnden
Gewitterzellen. Diese werden - interessanterweise bisher nur aus den
Messungen der vorherigen Generation von Satelliten (MSG) - anhand von
schnell sinkenden Temperaturen im Infraroten, also schnell
hochschießender Wolkenoberkanten identifiziert. Die roten Zahlen
geben dabei die tiefste gemessene Helligkeitstemperatur in der
jeweiligen Zelle an - für die markierte und anfangs besprochene
Gewitterwolke westlich von Baden-Württemberg -63 °C. Hier war die
Luft so hochreichend labil geschichtet, dass die aufsteigenden
Luftmassen bis an die Tropopause und darüber hinausschossen! Dieses
Überschießen ist in dem "Rapide wachsende Gewitterzellen"-Produkt mit
6,37 °C und somit einigen hundert Metern über der Tropopause
quantifiziert!
Dipl.-Met. Thorsten Kaluza
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 19.08.2026
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