Thema des Tages

03-08-2026 14:20


Wetter aktuell

Aktuelle Schwierigkeiten bei der Gewittervorhersage


Neben einer neuerlichen Hitzewelle stellt sich ab dem heutigen
Montagnachmittag vor allem die Frage nach den Gewittern, welche
Unwetterpotential besitzen können. Wann, wo, ob Gewitter kommen und
mit welchen Schwierigkeiten diese Prognose verbunden ist, soll heute
Thema des Tages sein.


Nach der Hitze ist vor der Hitze in diesem Sommer, und da sind auch
die Gewitter meistens nicht allzu weit weg. Denn mittlerweile hat
sich eine schwülheiße Luftmasse wieder bis in die Landesmitte
ausgebreitet, was an leicht gestiegenen Taupunkten mit Werten
zwischen 15 und 18 Grad zu erkennen ist. Dem gegenüber ist es weiter
nördlich mit rund 10 bis 13 Grad deutlich trockener.
Damit stellt sich neben der Frage nach den Höchstwerten (einfach zu
beantworten: bis zu 37 Grad) rasch die weitere Frage nach Gewittern
oder potentiellen Unwettern. Nimmt man die Zutatenmethode zur Hand,
so wird schnell ersichtlich, dass die Labilität und das CAPE (Energie
der Luftmasse) bis zur Landesmitte ausreichend vorhanden sind. Auch
die Feuchte haben wir bereits thematisiert. Als drittes Zünglein an
der Waage, sieht man mal von der Zusatzzutat "Scherung" ab, kommt die
Hebung zum Zuge.
Und hier wird es spannend: Je nachdem welches Modell man betrachtet,
werden die möglichen Hebungsmechanismen unterschiedlich stark
gewichtet. Wir erinnern uns: Hebung kann durch die Orografie, aber
auch dynamisch etwa an Kurzwellentrögen oder unter linken
Jeteingängen erzeugt werden.

Summa summarum kommen dann unterschiedliche Modelle auch zu
variierenden Prognosen bei den Gewittern, je nachdem wie stark sie
die Hebung berechnen. Hier reicht schon der Blick auf das ICON-D2 und
das ICON-RUC, die beide im DWD gerechnet werden. Generell liegt die
Stärke des ICON-D2 vor allem in dynamischen Gewitterlagen mit klaren
Hebungsimpulsen. Sind diese in einer leicht flatternden südwestlichen
Höhenströmung, so wie heute und morgen, eher schwacher Natur, so
kommt das Modell durchaus an seine Grenzen und berechnet manchmal
deutlich weniger Gewitteraktivität. Dem gegenüber steht das ICON-RUC,
das stündlich gerechnet wird und in der Vergangenheit auch bei
antriebsschwachen Wetterlagen eine höhere Gewitteraktivität
vorhersagte, die nicht selten dann auch so eintraf. Das kann
natürlich auch an unterschiedlichen Assimilationsverfahren und einer
anderen Berücksichtigung der Feuchte liegen, ändert aber nichts an
der Tatsache, dass der Meteorologe vom Dienst vor der großen Frage
steht, wo es am Ende wie stark gewittert.

Blicken wir dazu auf die aktuellen Berechnungen von ICON-D2
(09z-Lauf) und ICON-RUC (ebenfalls 09z-Lauf): Gegen 17 Uhr sind in
beiden Modellen einzelne starke, möglicherweise auch schwere Gewitter
über dem Südwesten Deutschlands und über dem Nordosten Hessens zu
sehen.

Je später es am Abend nun wird, umso größer werden dann aber die
Prognoseunterschiede. Gegen 21 Uhr wird ein sich abschwächender
Gewitterkomplex über Rheinland-Pfalz im ICON-D2 berechnet, während
das ICON-RUC einen starken MCS (großes Gewittersystem) mit schwerem
Sturm im Rhein-Main-Gebiet sieht. Auch nachts einigen sich beide
Modelle nicht: Nach ICON-D2 fallen die Gewitter tendenziell in sich
zusammen, nach Lesart des ICON-RUC bleiben sie weiterhin aktiv und
breiten sich immer mehr in Richtung Landesmitte aus.

Es wird deutlich, dass solche Probleme (leider) erst im Nowcasting
richtig gelöst werden können, wenn ersichtlich ist, wo die Reise
hingeht. Die Modelloutputs dienen aber durchaus als guter Hinweis
dafür, welches Potential in der aktuellen Wetterlage steckt.
Klar ist: Es muss heute wie auch morgen mit starken, teils
unwetterartigen Gewittern gerechnet werden, die von heftigem
Starkregen, größerem Hagel oder Hagelansammlungen und Böen in
schwerer Sturmstärke begleitet sein können.
Bleiben Sie daher wachsam und verfolgen Sie die aktuellen
Wetterwarnungen gerne unter dwd.de oder in der Warnwetter-App.

M.Sc.-Met. Oliver Reuter

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 03.08.2026

Copyright (c) Deutscher Wetterdienst