DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
28-07-2026 10:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Dienstag, den 28.07.2026 um 10.30 UTC
Vor allem im Süden weiterhin (sehr) heiß und starke Wärmebelastung! Gebietsweise
schauerartige Regenfälle (Starkregengefahr), örtlich kräftige Gewitter. Häufig
aber wohl kaum oder keine Linderung der Trockenheit.
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Synoptische Entwicklung bis zum Dienstag, den 04.08.2026
Zum Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Freitag liegt Deutschland unter
einer straffen südwestlichen Höhenströmung auf der Vorderseite eines Troges, der
ausgehend vom Nordmeer bis nach Südwesteuropa/naher Ostatlantik vorstößt. Am
Boden liegt die Kaltfront eines Tiefs über Nordeuropa diagonal (Nordost ->
Südwest) über Deutschland, hinter der deutlich kühlere Meeresluft ins Land
einfließt. Die Konsequenz: Ein enormer Temperaturgradient. Während die
Temperatur in 850 hPa im Nordwesten bei Werten um 10 Grad liegt, liegt sie im
Südosten bei 22 Grad! Oder in Höchstwerte der 2-m-Temperatur ausgedrückt: Im
äußersten Nordwesten unter 25 Grad (also nicht mal ein Sommertag), im Südosten
dagegen über 35 Grad. Generell ist präfrontal mit einer starken Wärmebelastung
zu rechnen. Im Umfeld der Front werden im Tagesverlauf und in der Nacht zum
Samstag schauerartige/gewittrige Regenfälle simuliert (örtlich
Starkregengefahr), präfrontal sind zudem kräftige Gewitter mit lokalem
Unwetterpotenzial nicht ausgeschlossen.
Am Samstag zieht bereits in der ersten Tageshälfte ein Randtrog ostwärts über
uns hinweg und drückt die Front in den Süden. Während dort im Tagesverlauf
erneut örtlich kräftige Gewitter mit Unwetterpotenzial auftreten können, sorgt
ansonsten Zwischenhocheinfluss für weitgehend ruhiges Wetter. Im Süden bleibt es
weiterhin (sehr) heiß bei T850er Werten zwischen 15 und 20 Grad, während im
Norden recht verbreitet gerade mal 8 Grad gerechnet werden.
Am Sonntag nähert sich über dem Atlantik langsam der nächste Randtrog an.
Vorderseitig wölbt sich über Westeuropa ein flacher Rücken auf, dessen Achse im
Tagesverlauf zu uns hereinschwenkt. Das dadurch gestützte Bodenhoch über uns
wandert dabei ins östliche Mitteleuropa. Niedertroposphärisch nimmt die
Temperatur wieder etwas zu und liegt nur noch im äußersten Norden im knapp
einstelligen Bereich, im Süden dagegen verbreitet bei 20 bis 22 Grad.
Am Montag schwenkt der flache Rücken rasch über uns hinweg und wir geraten
wieder auf die Trogvorderseite. Der angesprochene atlantische
Rand/Kurzwellentrog zieht am Dienstag über die Nordwesthälfte Deutschland
nordostwärts. Am Boden greift im Laufe des Montags von Westen her zunächst eine
Rinne ausgehend von einem Tief über den Britischen Inseln auf Deutschland über,
am Dienstag folgt die Kaltfront des Tiefs. Das Temperaturniveau schnallt im
Vorfeld nochmals deutlich in die Höhe und es wird zunehmend schwüler. Verbreitet
liegt T850 am Montag bei 20 Grad, im Südosten gar bei 24 Grad. Nur im Norden ist
es bei Werten um 18 Grad etwas "kühler". Am Dienstag stehen im Nordwesten hinter
der Kaltfront zum Teil nur noch 10 Grad auf der Prognosekarte. Beide Tage (und
die dazugehörigen Nächte) könnten also sehr arbeitsintensiv für die
Warnmeteorologen werden (Stichwort: Gewitter mit Unwettergefahr).
Für die erweiterte Mittelfrist prognostiziert der IFS-00-UTC-Hauptlauf eine
Wetterzweiteilung über Deutschland: Im Norden Hochdruckeinfluss und nur mäßig
warm, im Süden anhaltendes Gewitterrisiko, sehr schwül und weiter heiß.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die Konsistenz des 00-UTC-Laufs des IFS vom heutigen Dienstag kann hinsichtlich
der großräumigen Strömungsmuster als gut bezeichnet werden. Vor allem über dem
Süden Deutschlands bleibt es dabei heiß. Unsicher ist dabei, wie weit die heiße
Luft nach Norden ausgreifen kann. Dazu überwiegt Tiefdruckeinfluss, was über den
gesamten mittelfristigen Zeitraum zeit- und gebietsweise schauerartige
Regenfälle und örtlich kräftige Gewitter zur Folge hat. Dass ihre räumliche
Verteilung und Intensität von Lauf zu Lauf noch unterschiedlich simuliert wird,
liegt in der Natur der Sache. Auffällig ist, dass der aktuelle Lauf das Hoch
über dem östlichen Mitteleuropa ab Sonntag kräftiger prognostiziert als noch die
beiden Vorläufe (stärkere atlantische Austrogung und damit kräftigerer, sich
aufwölbender Rücken stromab). In der Folge werden für Sonntag und auch noch
weite Teile des Montags kaum noch Niederschläge simuliert.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Auch der Vergleich mit anderen Globalmodellen (ICON, GFS, UK10) liefert zunächst
keine großartigen Unterschiede hinsichtlich der großräumigen Strömungsmuster.
Auffällig ist, dass ICON die warme/heiße Luft am Sonntag schon wieder bis in den
äußersten Norden vorstoßen lässt mit Werten um 15 Grad in 850 hPa. Demgegenüber
stehen nur 8 Grad bei GFS, UK10 und IFS. Grund ist der atlantische Randtrog samt
korrespondierendem Bodentief, die bei ICON deutlich schneller ostwärts
vorankommen. GFS und UK10 bedienen dabei das andere "Extrem" und lassen beide
langsamer als IFS und die Kaltfront erst Richtung Mittwoch auf uns übergreifen.
Trotzdem zeigen GFS und UK10 am Montagabend und in der Nacht zum Dienstag einen
Regen-/Gewittercluster, der über die Nordwesthälfte ziehen soll, während ICON
und IFS (noch?) deutlich defensiver in Sachen Niederschlagssignale aufgestellt
sind.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte bestätigen die beschriebene
Entwicklung des Hauptlaufes im Großen und Ganzen recht gut: Nach einer
kurzzeitigen "Talfahrt" der Temperatur (vor allem in der Südhälfte auf hohem
Niveau) folgt ein erneuter deutlicher Anstieg ab Sonntag. Dabei nimmt der Spread
zwar stark zu, die Hauptfragen sind jedoch "lediglich" wie stark die Erwärmung
ausfällt und ob der Peak am Montag oder Dienstag erreicht wird, ehe es wieder
(etwas) bergab geht. Richtung Süden und Südosten gibt es jedoch auch eine
durchaus nennenswerte Memberanzahl, die von einer Abkühlung überhaupt nicht
wissen wollen (dort würde man also präfrontal bleiben).
Niederschlagssignale sind zwar vorhanden, allerdings meist nicht sonderlich
stark ausgeprägt und mit einem Minimum am Sonntag und Teilen des Montags.
Beim Clustering wird sowohl für den Zeitraum von Sonntag bis Dienstag, als auch
für den von Mittwoch bis Freitag gerade einmal je ein Cluster angeboten (jeweils
NAO+). Alternative Angebote zur großräumigen Druck-/Potenzialverteilung im
Vergleich zu der im Haupttext beschriebenen gibt es also nicht.
FAZIT:
Während in den Norden zeitweise auch mal spürbar kühlere Luft einfließt, bleibt
besonders dem Süden die Hitze treu. Die Frage ist lediglich, wie weit nach
Norden die heiße Luft ausgreifen kann. Niederschlagssignale sind zwar nahezu
durch die gesamte Mittelfrist vorhanden, örtliche (kräftige) Gewitter oder
vielleicht auch mal der Durchzug eines Regen-/Gewitterclusters dürften in der
Fläche aber trotzdem kaum Linderung in Sachen Trockenheit bringen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Neben der vor allem in der Südhälfte anhaltenden starken Wärmebelastung
(Ausweitung nach Norden noch mit Fragezeichen) steht vor allem die
Gewittertätigkeit im Fokus.
Am Freitag und Samstag dürfte diese einerseits vereinzelt im Süden und Südosten
ausgehend vom Bergland auftreten (meist markant, lokale Unwetter durch
Starkregen und etwas größerem Hagel nicht ausgeschlossen). Dazu sollte am
Freitag im Laufe der zweiten Tageshälfte und in der Nacht zum Samstag auch der
Frontbereich im Blick behalten werden, wo gewittrige Regenfälle mit lokaler
Starkregengefahr nordostwärts ziehen könnten.
Am Sonntag besteht dann erneut über dem Bergland ein geringes Gewitterrisiko,
das im Laufe des Montags von Westen her zunimmt (lokal mit Unwetterpotenzial)
und auch am Dienstag anhält.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS, UK10, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz