Thema des Tages
14-07-2026 12:50
Wetter aktuell
Vom Höhenei bis hin zu schweren Gewittern
Teils schwere Gewitter mit heftigem Starkregen und großem Hagel haben
am gestrigen Montag über Teilen Norddeutschlands für schwere Schäden
gesorgt. Auch heute sind erneut unwetterartige Gewitter möglich - wo
und wie stark, soll daher das Thema des Tages sein.
Schwere Gewitter, darunter zeitweise auch rotierende Superzellen,
haben am gestrigen Montagabend bis in die Nacht zum Dienstag hinein
für Chaos in Norddeutschland gesorgt, bei dem auch die Region
Hannover stark betroffen war. Innerhalb kürzester Zeit fielen um und
über 25 l/m², was zu größeren Überflutungen führte. Andernorts sorgte
Hagel mit 3-5 cm Durchmesser für Schäden an Vegetation, Autos und der
Infrastruktur.
Nach den Unwettern ist jedoch vor den neuen Unwettern, denn an der
Großwetterlage hat sich bis heute wenig geändert. Beim Blick auf die
Bodenwetterkarte fällt das großräumige Hoch LAURENT über dem
Nordwesten Europas auf, das bis nach Deutschland ragt. Auf der
anderen Seite steht schwacher Tiefdruckeinfluss über Frankreich
entgegen, was aber insgesamt nur zu schwachen Luftdruckgegensätzen
führt.
Spannender ist dagegen ein Blick in rund 5,5 km Höhe: Hier sieht man
ein umher waberndes Höhentief, dessen Zugbahn von den Modellen nur
schwer erfasst werden kann. Es ist ein bisschen wie mit dem Fettauge
in der Suppe: Es ist da, aber kleinste Impulse reichen für eine
unvorhergesehene Verlagerung. Ebenso könnte man dieses Gebilde auch
einfach als Höhenei bezeichnen.
Dieses Höhentief war es gestern und ist es federführend auch heute,
das die notwendige Hebung erzeugt, die zwingend für hochreichende
Konvektion erforderlich ist. "Garniert" wird diese Gemengelage mit
CAPE-Werten (siehe hierzu das Thema des Tages vom 01.07.2026 (LINK
1)) von rund 1.000 bis lokal 2.000 J/kg, die vor allem vom südlichen
Niedersachsen bis zu den Alpen überregional zu finden sind. Die
größte Feuchte jedoch liegt von der östlichen Mitte bis in den Süden
vor, hier erreichen die Werte des niederschlagbaren Wassers bis zu
35-37 mm.
Fehlt zu guter Letzt noch das "i-Tüpfelchen", nämlich die
Windscherung, also die Änderung des Windes mit der Höhe in Richtung
und Geschwindigkeit. Hier wird deutlich, dass die besten
Scherungsbedingungen vor allem von Hessen/Thüringen bis nach Franken,
teils aber auch weiter südlich zu finden sind. Gegen Abend verstärkt
sich diese mit einer zunehmenden Nordostströmung sogar noch etwas und
erreicht Werte bis 25 m/s.
Ergo kommt auch die Modellwelt zu dem Schluss, dass heute mit
hochreichender, schwerer Konvektion sprich (unwetterartigen)
Gewittern gerechnet werden muss. Diese bilden sich bereits ab dem
frühen Nachmittag zunächst bevorzugt in bergigen Lagen der Mitte, um
dann nach Lesart der deutschen Modellkette rund um ICON-D2 und
ICON-RUC mehr und mehr in den Osten und Süden zu ziehen. Einzelne
"Nachzügler" sind aber spätabends noch immer über der Mitte möglich.
Bei den Begleiterscheinungen steht heute vor allem der Starkregen im
Fokus, der lokal bis zu 40 l/m², strichweise sogar zwischen 40 und 60
l/m² erreichen kann. Dazu kommen Sturmböen oder schwere Sturmböen
zwischen 70 und lokal um 100 km/h. Vor allem im Initiierungsprozess
eines Gewitters kann auch größerer Hagel über 3 cm dabei sein, später
ist mit größeren Hagelansammlungen zu rechnen.
Am morgigen Mittwoch beruhigt sich das Wetter zwar über der
Landesmitte, dem Süden drohen vor allem nachmittags und abends
abermals starke Gewitter bis hin zu ausgewachsenen Unwettern. Mehr
dazu im Laufe des Mittwochs.
M.Sc.-Met. Oliver Reuter
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 14.07.2026
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