Thema des Tages

06-07-2026 13:20


Wetter aktuell

Ein Blick auf die Pflanzenwelt - Phänologie



Im Norden kann man daran aktuell zweifeln, aber der Süden merkt es
temperaturtechnisch deutlich: Es ist Hochsommer. Und auch
phänologisch befinden wir uns seit etwa Mitte Juni im Hochsommer.



Haben Sie es auch schon gesehen? Die Getreideernte hat zum Teil schon
begonnen. Und irgendwie kommt zumindest der Autorin das sehr zeitig
vor. Um das genau einordnen zu können, beschäftigen wir uns mal
wieder mit der Phänologie.

In der Phänologie werden die Jahreszeiten mit Hilfe der
Wachstumsphasen ausgewählter Pflanzenarten bestimmt. Im Gegensatz zur
kalendarischen Definition, bei der der Sonnenstand den Beginn der
einzelnen Jahreszeiten bestimmt und damit wenig Variabilität
aufweist, hängen die phänologischen Jahreszeiten von den
Entwicklungsstadien der Pflanzenwelt ab, also vom Blühbeginn, dem
Beginn der Blattentfaltung, dem Reifegrad der Früchte und schließlich
im Herbst von der Laubverfärbung und dem Laubfall. Mit Hilfe dieser
sogenannten Leitphasen unterschiedlicher Pflanzenarten werden
Frühling, Sommer und Herbst jeweils in 3 Phasen unterteilt.

Um feststellen zu können, wann und wo die entsprechenden
Wachstumsphasen auftreten, gibt es ein deutschlandweites Netzwerk
meist ehrenamtlicher Beobachter. Entsprechende Grafiken zur aktuellen
Pflanzenentwicklung können auf der Homepage des Deutschen
Wetterdienstes abgerufen werden (Link siehe unten). Und auch in
unserer WarnWetter-App können Pflanzenmeldungen abgesetzt und
angeschaut werden.
Die phänologische Leitphase für den Hochsommer ist die Blüte der
Sommer-Linde. Abbildung 1 zeigt die Deutschlandkarte mit den
entsprechenden Meldungen. Dabei gingen viele Blüh-Meldungen seit Ende
Mai/Anfang Juni ein, in höheren Lagen zum Beispiel auf der
Schwäbischen Alb erst Ende Juni. Im Deutschlandmittel ergibt sich
daraus (vorläufig) ein Blühbeginn am 14.6. Im Vergleich zum
vieljährigen Mittelwert (17.6.) also leicht früher als normal. Das
lässt sich anhand der sogenannten Phänologischen Uhr (Abbildung 2)
ablesen, die aus den Eintrittszeiten charakteristischer
Vegetationsstadien erstellt wird und somit das phänologische Jahr
abbildet. Jede phänologische Jahreszeit wird durch eine Leitphase
eröffnet und endet mit dem Beginn der nächsten Jahreszeit. Im äußeren
Ring der in Abbildung 2 dargestellten phänologischen Doppeluhr ist
der langjährige mittlere Verlauf der phänologischen Jahreszeiten
dargestellt. Im Vergleich dazu ist im inneren Ring der Verlauf des
aktuellen Jahres, also 2026, abgebildet. Die Dauer einer
phänologischen Jahreszeit (in Tagen) wird sowohl beim äußeren als
auch beim inneren Ring direkt im Ring bzw. im jeweiligen
Ringabschnitt angegeben.
Nun nochmal zur beginnenden Ernte auf den Getreidefeldern. Wie in
Abbildung 3 zu sehen, sind tatsächlich bereits einige Meldungen zur
Ernte von Wintergetreide, vor allem von Wintergerste, eingegangen.
Schaut man sich die tagesaktuellen Meldungen der letzten zwei Wochen
in der App unter Pflanzenmeldungen an, sind diese im Vergleich zum
vieljährigen Deutschlandmittel um 8 bis 10, teils auch um 15 Tage
verfrüht. Der subjektive Eindruck eines recht frühen Starts in die
Ernte trügt also nicht. Die Leitphase Blühbeginn Sommer-Linde für den
Hochsommer ist nur wenig verfrüht. In Bezug auf andere phänologische
Kenngrößen wie der Getreideernte hatte aber wohl die Hitzewelle Ende
Juni einen größeren Einfluss und sorgt für teils mehr als 10 Tage
Vorsprung gegenüber dem Klimamittel.


Dipl.-Met. Sabine Krüger

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 06.07.2026

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