DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

15-06-2026 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 15.06.2026 um 10.30 UTC



In der zweiten Wochenhälfte aus Südwesten aufkommende Hitze und Schwüle. Ab
Freitag lokal Unwetterpotential, Details - wie auch eine Abkühlung aus Norden
zum Wochenwechsel betreffend - aber noch sehr unsicher!
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 22.06.2026


Bei aktuell 13°C und Sprühregen über der Norddeutschen Tiefebene sowie
einstelligen Minima vergangene Nacht über der Südhälfte ist es schwer
vorstellbar, dass wir aber der zweiten Wochenhälfte und damit zu Beginn der
Mittelfrist kräftig ins Schwitzen kommen werden. Nachdem eine anrollende
Hitzewelle schon mehrfach in den letzten Tagen und Wochen angekündigt und immer
weiter nach hinten verschoben wurde, steht sie nun tatsächlich in den
Startlöchern und macht ernst.

So wölbt sich am Donnerstag ein Warmluftberg mitsamt hohen Geopotentials vom
zentralen und westlichen Mittelmeerraum bis nach Mitteleuropa auf. Er wird
flankiert von einem steuernden Tief südlich von Island sowie einem
Langwellentrog über Osteuropa, der bis in die Ägäis reicht. Bodennah liegen wir
am Rande einer nur schwachen Hochdruckzone (nur wenig über 1020 hPa) mit Zentrum
über Österreich und Tschechien im Bereich schwacher Luftdruckgegensätze.

Der Haken an der Sache: Dieses omega-artig anmutende Konstrukt ist alles andere
als stabil. Der westliche Trog ist sehr breit angelegt und könnte noch viel
stärker amplifiziert sein, was dem Rücken Stabilität durch effektivere WLA auf
der Rückseite und ein Vordringen bis nach Skandinavien ermöglichen würde. Dazu
fehlt aber das Zusammenspiel mit deutlich weiter südlich ausbrechender KLA über
dem nahen Ostatlantik. So aber bleibt das Gebilde sehr anfällig für kurzwellige
Troganteile, die den Rücken überlaufen und quasi jederzeit für durchaus
bösartige Überraschungen in Form unwetterartiger Gewitter sorgen können.

Die aus Südwesten zu uns strömende Luftmasse hat es nämlich in sich, steigen
doch die Theta-Werte in 850 hPa auf über 50, zum Samstag gebietsweise auf nahe
60°C an. Bei Taupunkten meist zwischen 15 und 20°C haben wir es mit einer
ordentlichen Schwüle und steigender Wärmebelastung zu tun.

Am Donnerstag selbst kommt das Potential der niedertroposphärisch sehr feuchten
Luftmasse (PPW's im Norden und Westen teils bis 40 mm) voraussichtlich noch
nicht sonderlich zum Tragen. Das Umfeld ist schwach antizyklonal, die Schichtung
zwar potentiell instabil, aber leicht gedeckelt und mit größeren
Trockeneinschüben in mittleren Troposphärenschichten versehen. Außer zeitweise
dichteren Wolkenfeldern und schwach konvektiv angehauchten Regenfällen in Teilen
der Nordhälfte besteht nur über den Bergen ein geringes Schauer- und
Gewitterpotential. Vor allem im Süden und Südwesten scheint oft ungehindert die
Sonne. Dazu werden heiße 30 bis 36°C, im Norden schwül-warme 25 bis 29°C
erreicht. Angenehmer ist es nur direkt an der See bei teils nur wenig über 20°C.


Nach teils tropischer Nacht (Tmin > 20°C) in einigen Ballungszentren im Westen
und Südwesten des Landes wird es zum Freitag spannender. Eine wellende Kaltfront
erreicht die Britischen Inseln. Im Vorfeld sorgt der einsetzende Druckfall für
die Ausbildung einer Tiefdruckrinne über Frankreich und Benelux, die die
schwül-heiße Luft hierzulande auch bis zu unseren Küsten transportiert. Die
Achse des Rückens liegt über Ostdeutschland und Südschweden, womit der Westen
und Nordwesten auf die Trogvorderseite rückt. Mit jeder Stunde in den späten
Nachmittag und Abend hinein steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Deckel
gesprengt wird und sich teils > 2000 J/kg MU CAPE in einem zumindest moderat
gescherten Umfeld entladen oder organisierte Cluster aus Westen zu uns
hereinziehen. Auch über den Bergen könnte mittels orographisch ausgelöster
Hebung die ein oder andere Gewitterzelle entstehen, die bei Gehalt an
niederschlagbarem Wasser um die 40 mm und nur geringer
Verlagerungsgeschwindigkeiten rasch Starkregen bis in den Unwetterbereich
produzieren. Im Westen und Nordwesten besteht zudem die Gefahr größeren Hagels
und schwerer Sturmböen. Zuvor wird es bei Sonnenschein mit 30 bis 37°C drückend
heiß. In der Osthälfte passiert unter dem Rücken mit hoher Wahrscheinlichkeit
noch nicht allzu viel.

Am Wochenende bleibt uns die schwül-heiße Luftmasse und die leicht flatternde
südwestliche Höhenströmung erhalten. Südlich der Azoren kommt es im Bereich der
positiv geneigten Trogachse zu einem Cut-Off. Die zur Wellenbildung neigende
Frontalzone bleibt nahezu strömungsparallel weiter nordwestlich von uns. "Alles
kann, nichts muss!" lautet damit die (undankbare) Devise für das
Wochenendwetter. Die Eigendynamik eines nächtlichen MCS aus Westen kann dabei
die Vorhersage genau so "zerschießen" wie ein flacher, derzeit so noch nicht
absehbarer Kurzwellentrog in der Höhe. Von der Dynamik her befindet sich das
Setup mit dem besten Überlapp aus CAPE und Scherung weiterhin vor allem im
Nordwesten, was aber nicht bedeutet, dass es nicht auch irgendwo anders zünden
kann - dann aber mehr mit Fokus auf Starkregen (im Nordwesten auch
Hagel/Sturmböen).

Am Montag deutet sich eine allmähliche Zonalisierung an, die durch den Cut-Off
Vorgang an Fahrt gewinnt. Der Rücken wird dabei nach Osten abgedrängt und
abgeflacht, so dass kurzwellige Troganteile vor allem auf die Nordhälfte
übergreifen. Inwiefern dadurch eine Kaltfront die Hitze ausräumt und wie aktiv
diese gerade nach Süden zu ausfällt, ist noch sehr unsicher.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Bis einschließlich Samstag sehen die unterschiedlichen IFS-Läufe sehr identisch
aus. Dann wird's zunehmend unsicher, wie genau die Troganteile über den
Britischen Inseln und stromauf konfiguriert sind und wie effektiv sie dann mit
der dortigen Frontalzone interagieren können.

Nach eher antizyklonalen Vorläufen mit einer Hochparzelle über der Nordsee,
Winddrehung auf Nordost und weitgehend trockener Ausräumung der Hitze wird im
heutigen 0z Lauf eher die zyklonale Variante mit einer Welle über der Deutschen
Bucht bevorzugt...
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


... daran inhaltlich anschließend liegt der Teufel im Detail auch bei den
übrigen Globalmodellen. Übereinstimmend belassen alle Deutschland auf der
schwül-heißen Seite der Frontalzone am Wochenende und bereiten zum Wochenwechsel
eine Abkühlung aus Norden vor, die vor allem in der Südwesthälfte stark
antizyklonal geprägt und damit wenig wetterwirksam ausfällt.

Eine endgültige und vor allem nachhaltige Verdrängung der Hitze auch aus dem
äußersten Süden und Südwesten des Landes erscheint nach Durchsicht der gängigen
Globalmodelle zumindest fraglich.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


RAUCHFAHNEN:
Die kommende Hitzewelle ist unstrittig. Die deutschlandweiten Rauchfahnen finden
sich eng gebündelt jenseits der +15°C in 850 hPa wieder, am Freitag auch den
Norden des Landes erreichend. Damit sind verbreitet Höchstwerte jenseits der
30°C Marke sehr wahrscheinlich, im Südwesten bei rund 20°C in 850 hPa auch um
die 35°C in 2m.

Damit enden aber auch schon die sicheren Auskünfte, nimmt der Spread im Laufe
des Wochenendes doch deutlich zu, zunächst im Norden, in der Folge auch im
Süden. Dabei kann nach aktuellem Stand nicht ausgeschlossen werden, dass sich
die Hitze auch in der kommenden Woche im Norden hält, wahrscheinlicher ist
jedoch eine deutliche Abkühlung spätestens zum Di/Mi hin auf Werte zwischen 5
und 10°C in 850 hPa. Im Süden ist dann alles offen.

Auffällig sind die selbst im Nordwesten nur geringen Niederschlagsausschläge im
EPS, die die Brisanz der Lage nur unzureichend widerspiegeln. Die große Frage
ist halt, wie großflächig die Auslöse einzelner schwerer Gewitter tatsächlich
stattfindet. Noch ist da zu viel Rauschen, nichts Konkretes, was sich erst in
der Kurzfrist oder gar im Nowcasting offenbaren dürfte.


CLUSTER:
Der Block hält zwar noch in den Clustern, die Keilachse wandert aber wie
beschrieben ostwärts unter Abflachung ab, was den Weg für erste Störungen frei
macht. Im einzigen gebildeten Cluster im Mittelfristzeitraum überwiegt aber
summa summarum sowohl am Boden als auch in der Höhe schwacher Hochdruckeinfluss,
der die Einschätzung der Auslöse so schwierig macht.

In der erweiterten Mittelfrist deutet zwar vieles in der Höhe auf eine
Zonalisierung hin, am Boden aber mit Hang zu Brücke Mitteleuropa (BM) oder
Nordwest antizyklonal. Beides Szenarien, die für einen eher ruhigen
Wetterumschwung und Verbleib von Hitzeresten im äußersten Süden und Südwesten
sprechen.


FAZIT:
Die Wetterlage stellt sich um und aus Südwesten greift die erste (landesweite)
Hitzewelle des Jahres bis zum Wochenende auch in den Norden Deutschlands aus. Am
Freitag sind verbreitet Höchstwerte zwischen 30 und 37°C zu erwarten. Da die
Luft gleichzeitig auch sehr feucht und damit schwül ist, ist mit einer erhöhten
Wärmebelastung zu rechnen, die zum Mittwoch/Donnerstag bereits im Süden und
Südwesten startet.

Bezüglich lokaler Gewitter mit Unwetterpotential gibt es noch große
Unsicherheiten und Überraschungspotential durch Eigendynamik (nächtlicher MCS
aus Frankreich/Benelux?). Die Gefahr dafür ist im Nordwesten (bester Überlapp
CAPE und moderate Scherung, schwache Hebungsimpulse) sowie über den Bergen
(Fokus Starkregen) am größten.

Ob die Hitze zur neuen Woche aus Norden ausgeräumt wird und inwiefern das mit
kräftigen Gewittern einhergeht, ist ebenfalls noch sehr unsicher. Der Trend geht
momentan hin zu einer vor allem in der Südwesthälfte nur wenig wetterwirksamen
Kaltfront und einen Verbleib von "Hitzeresten" vom Oberrheingraben bis zum
Alpenrand.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


GEWITTER (UNWETTER):
Die beteiligte Luftmasse bedingt ab Freitag vor allem im Nordwesten sowie im
Bergland eine erhöhte Unwettergefahr. Die Modelle reagieren darauf bis dato
vergleichsweise verhalten, da sich bei schwach antizyklonalem Umfeld die Frage
nach der Auslöse stellt (mehr oder weniger starke Deckelung). Der EFI CAPE-SHEAR
springt ab Freitag im Nordwesten leicht an, was sich mit den Einschätzungen aus
dem oberen Teil deckt. Dort besteht am ehesten die Gefahr eines flächendeckenden
Auslöse oder die Einsteuerung eines Gewitterkomplexes aus den westlichen
Nachbarländern. Sämtliche Begleiterscheinungen können dabei nahezu spielerisch
das Unwetterkriterium reißen (heftiger Starkregen, größerer Hagel, schwere
Sturmböen/orkanartige Böen). Sonst besteht wohl erstmal nur vereinzelt
Unwettergefahr durch stehende Zellen über den Bergen (v.a. Starkregen). Im EPS
der Niederschlagssignale finden sich noch keine Wahrscheinlichkeiten für
Überschreitungen von Warnkriterien.


HITZE:
Die Kollegen aus Freiburg lassen auf hitzearnungen.de am Freitag und Samstag
lediglich noch die küstennahen Regionen aus der starken Wärmebelastung außen
vor. Gerade in den Ballungszentren im Westen und Südwesten Deutschlands dürfte
es bei Tageshöchstwerten um 35°C zu mehreren Tropennächten in Folge kommen.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, Mos-Mix
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Robert Hausen