DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

31-05-2026 10:01
SXEU31 DWAV 310800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 31.05.2026 um 08 UTC


GWL und markante Wettererscheinungen:
Ww

Heute abgesehen vom äußersten Norden Gewitter mit Sturmböen, Starkregen und
Hagel, lokal Unwetter durch heftigen Starkregen. Punktuelles Unwetterpotential
durch größeren Hagel und orkanartige Böen (im Süden) nicht ausgeschlossen.

In der Nacht Nachlassen und Verlagerung der Gewitter nach Südosten, dann auch
mehrstündiger ungewittriger Starkregen möglich.

Montag Wetterberuhigung, ab dem Dienstag erneut Gewitter mit Starkregen,
Sturmböen und Hagel.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 24 UTC
--------------------------------------------------------------
Sonntag... beginnt der Tag mit einem Höhenrücken in 500 hPa, der sich von der
Pfalz bis nach Schleswig-Holstein erstreckt und im Tagesverlauf recht rasch
unter deutlicher Abflachung nach Südosten auswandert. Auf seiner Rückseite
erreicht zum Abend der folgende Trog, den man zwar durchaus als kurzwellig
bezeichnen kann, der aber dennoch eine markante Kontur aufweist, mit seiner
Achse Benelux. Insofern kann man für die Höhe konstatieren, dass die moderate
Stabilisierung durch die antizyklonale Strömung nachlässt und die Hebungsimpulse
aus der Höhe zunehmen. Im Bodendruckfeld soll sich um 06 UTC eine schwach
ausgeprägte Tiefdruckrinne vom südlichen Nordmeer entlang der schottische
Nordseeküste bis in die Niederlande erstrecken. Wie man die Druck- und
Theta-Konfiguration mit Fronten belegt, ist dabei durchaus diskutabel. In der
Nachtanalyse (00 UTC) wurde von Schottland aus eine Okklusion nach Süden
favorisiert, wohingegen über West- und Mitteleuropa ein kleinräumiges wellendes
Frontensystem das Mittel der Wahl zur Kennzeichnung der Luftmassengrenzen
gewesen ist. Letztendlich kann man die Front aber auch in die o. e. Rinne legen,
um dann von den Niederlanden (Tief MECHTHILD) mit einer Kaltfront nach
Zentralfrankreich und einer Warmfront in Richtung Niederösterreich zu operieren,
wobei der Warmsektor mit feuchter und labil geschichteter Subtropikluft gefüllt
ist. MECHTHILD, um 00 UTC noch über Nordfrankreich, wird im einen Fall als
Wellentief, im anderen als Teiltief betrachtet. Wie auch immer man darauf
blickt, es zieht unter leichter Intensivierung nach Osten, wo es einen Kerndruck
von unter 1010 hPa aufweist. Das Wort "Vertiefung" könnte einen Druckgradienten
andeuten, den das Tief aber nicht hergibt. Insgesamt gestaltet sich die
Bodenkonfiguration schwachgradientig, was für die Ausprägung der erwarteten
Gewitter durchaus von Bedeutung ist.

Kommen wir also direkt zur durchaus diffizilen deutschlandweiten Entwicklung des
heutigen Tages. Im Bereich der Zugbahn des Tiefs, also von den Niederlanden bis
nach Sachsen, bilden sich ab den Mittagsstunden im westlichen Bereich des
Streifens beginnend Gewitter, die bis zum Abend Mitteldeutschland erreichen.
Geprägt ist der Bereich, der in etwa der leicht nach Norden vorankommenden
Warmfront entspricht, durch sehr hohe PPW-Werte von bis zu 35 mm, geringen
Luftdruckgegensätzen und moderates CAPE (die Werte kratzen maximal an der 500
J/kg-Marke und gehen im Laufe des Tages zurück, da sich der Warmsektor etwas
schließt). Dazu kommen brauchbare Scherungswerte und insgesamt sehr gut
durchgefeuchtete Temps. Mithin liegt der Fokus bei den Gewittern auf dem
Starkregen, eventuell kann sich auch mal größerer Hagel bilden, aber von der
Windsituation sollte alles im Rahmen bleiben (mehr als Sturmböen gibt es wohl
nicht). Weiter südlich ist aus der Nacht heraus schon ein großer Gewittercluster
Unterwegs, der vom westlichen NRW nach Nordhessen und Südniedersachsen zieht.
Für ihn gilt zumindest anfangs ähnliches wie für die weiter nördlich und dafür
etwas später erwarteten Gewitter, allerdings bewegen wir und hier schon im
Warmsektor des kleinen Tiefs, dessen maximalen Hebungsbereich er in etwa
markiert. Mit rückseitig einfließender kühlerer Luft und dem Abheben der
Warmluft verlieren die Gewitter an Kraft, schon um die Mittagsstunden sollen sie
sich abschwächen. Die Stabilisierung gilt für weite Bereiche des Westens,
namentlich RLP, das Saarland, Westhessen und der Südwesten NRWs sind nachmittags
bei den Gewittern schon außen vor. Bleiben die Gebiete weiter südlich, bei denen
sich im Warmsektor im Tagesverlauf - je nach Bewölkungssituation und
Einstrahlung - regional CAPE-Werte bis über 1000 J/kg (Maximum etwa 1200 J/kg)
aufbauen können. Dazu sind auch dort die PPWs mit 30 bis 35 mm durchaus in einem
Bereich, der Unwetterpotential vermuten lässt. Obendrein tritt als
Sondersituation eine zumindest gebietsweise sehr trockene Grundschicht auf, was
Fallböen deutlich wahrscheinlicher macht als in den übrigen Regionen macht. Was
im Süden allerdings fehlt ist die Scherung, weder hoch reichend noch
niedertroposphärisch hat die Atmosphäre da viel zu bieten. In der Gesamtschau
deutet dies auf ein größeres Böenpotential hin, und ICON-D2 kommt entsprechen
auch mit sehr geringen Wahrscheinlichkeiten für Unwetter-Böen Bft 11 um die
Ecke. Im Allgemeinen sollten sich die maximalen Böen aber im Bereich Bft 9 und
eventuell Bft 10 (schwere Sturmböen) bewegen, was bei belaubter Vegetation ja
durchaus auch einiges an schadenspotential aufweist. Dazu kommen eventuell
größerer Hagel und natürlich Starkregen. Die Bildung von Superzellen kann nicht
ausgeschlossen werden, entsprechend zeigt ICON-D2 in den Pseudoreflektivitäten
auch mal ein linien- oder Bogenförmiges Muster, aber letztendlich sind die
Entstehungsbedingungen auch nicht ideal.

Dass eine solche Lage einiges an Überraschungspotential hat, liegt in der Natur
der Sache. Die morgendliche Diskussion hat ergeben, dass das Unwetterpotential
eindeutig vorhanden ist, aber für eine Vorabinformation nicht reicht, weil die
Gefahr besteht, die Fläche deutlich zu weit fassen und dementsprechend deutlich
überwarnen zu müssen.

Immerhin: Weitgehend unbeeindruckt von der turbulenten, aber auch schwer zu
durchschauenden Situation in weiten Teilen des Landes zeigt sich der Norden in
einem Streifen, der von der Deutschen Bucht über SH, HH und MV bis hinüber zur
Oder bzw. Neiße reicht (im Osten Mitteldeutschlands geht es dann erst in der
Nacht los). Erstens mangelt es in trockener Luft am entsprechenden Input
latenter Energie und zweitens wäre noch eine zwischen 900 und 800 hPa
eingezogene Sperrschicht zu überwinden. Statt Schauer und Gewitter reichen sich
dort Quellwolken und z.T. längere Sonnenfenster die Hand. Dafür bleibt es dort
mit Werten um 20°C, an der Küste um 17°C, relativ kühl (oder angenehm). Im Süden
kann es lokal sogar nochmal für 29°C reichen.










In der Nacht zum Montag werden die Karten insofern neu gemischt, da das Tief
MECHTHILD über Polen nur nicht mehr für einen tendenziell nordwärts gerichtete
Verlagerung der Luftmassengrenze sorgt, sondern auf seiner Rückseite dieselbige
als Kaltfront eher nach Süden voranschiebt. Als nördliche Kante der
Gewitteraktivität in der Nacht kristallisiert sich ein Streifen heraus, der vom
Südlichen Emsland bis nach Sachsen und Nordostbayern reicht. In seinem
nordwestlichen Teil kann man den Streifen durchaus als Okklusion verstehen (wenn
man Analysevariante 2 wahlt). Wer auf die Welle setzt, kann immer noch mit der
Tiefdruckrinne argumentieren. Wie auch immer, Von NRW/südwestliches
Niedersachsen bis nach Hessen und Thüringen soll die Gewitteraktivität schon in
der ersten Nachthälfte nachlassen, eventuell verclustern die Niederschläge zu
ungewittrigen Regenkuchen, die auch mal Starkregen produzieren können, was
allerdings dort recht unwahrscheinlich ist. Gewittriger geht es bis in die
zweite Nachthälfte von Sachsen und Thüringen bis an die Alpen zu. Grund: Die
Achse des von den Niederlanden nach Südosten ziehenden Troges erreicht zum
Morgen die obere Donau und Thüringen, alles südöstlich davon ist also weiterhin
von Hebung betroffen (PVA). Natürlich gehen die CAPE-Werte in die Knie, die
hohen PPW-Werte bleiben aber vor allem in der Osthälfte Bayerns erhalten. Die
Niederschlagsverteilung bei ICON-D2, aber auch bei GFS, IFS oder UK10 deuten
Maxima nördlich des Erzgebirges, in den ostbayrischen Mittelgebirgen und an den
Alpen an - mithin spiel die Orografie bei den Niederschlägen wohl auch eine
Rolle. Die Wahrscheinlichkeit für Unwetter geht tagesgangbedingt zurück,
markante Gewitter sind aber weiterhin möglich, vor allem in Bezug auf
Starkregen, aber auch ungewittriger Starkregen (auch mehrstündig) wird
gebietsweise zu beobachten sein. Sollte es nach Westen hin mal längere Zeit
aufklaren, kann sich stellenweise Nebel bilden, die Minima sollen in einer
Spanne von 15 bis 9 °C liegen.

Montag... zieht ein abgeschlossenes Höhentief von der Nordspitze Schottlands
nach Norwegen, in der Nacht dann weiter nach Mittelschweden. Der zugehörige Trog
weist morgens zur westlichen Ostsee, er macht im Tagesverlauf aber mehr und mehr
Platz für einen Höhenrücken, dessen Achse abends dien Westhälfte erreicht und
ausgangs der Nacht zum Dienstag an der Oder-Neiße-Linie ankommt. Platz macht
auch der Kurzwellentrog über dem Süden, der sich schon bis zum Mittag nach
Tschechien und Österreich verabschiedet. Es kann zu Tagesbeginn im Südosten,
also vom Erzgebirge bis zu den Alpen, nach mal für einen paar morgendliche
Blitze sorgen. Das ist aber alles nix im Vergleich zum Vortag, man muss sich
schon die Frage stellen, ob es denn überhaupt noch mal für Starkregen reicht.
Die inverse V-Struktur am Fuß der Temps ist auch weg, immerhin liegen die PPWs
weiterhin um 25 mm in der Spitze, was dann eben eventuell doch für Starkregen
reicht, wenn die Orografie dem Trog beim Heben hilft. Der o. e. Rücken sorgt für
Druckanstieg, zum Abend soll sich ein abgeschlossenes Hoch über weiten Teilen
Süddeutschlands etablieren. Was aber auffällt: Insbesondere die
konvektionserlaubenden Modelle wie ICON-D2 lassen es auf der Rückseite der
Rückenachse recht rasch wieder quellen, eventuell reicht es also auch im Westen
im Tagesverlauf für den ein oder anderen Schauer, eine (Absink-)Inversion um 650
hPa über dem Westen verhindert aber die Eisbildung und mithin auch Gewitter.
MOSMIX verspricht vor allem im Südwesten und an der Küste viel Sonne, aber auch
in den übrigen Gebieten ist es insgesamt freundlich, im Südosten hängen die
Sonnenanteile davon ab, wie schnell sich die Gewitter und die Wolken nach
Südosten verziehen. Dabei steigen die Werte auf knapp 20°C im Südosten und an
den Küsten und bis zu 26°C am Oberrhein.

Da in der Nacht, wie oben schon gesagt, der Rücken allmählich vom nachfolgenden
Trog abgelöst wird, verdichtet sich im Westen und Nordwesten die Bewölkung,
eventuell kann auch schon hier und da ein Tropfen fallen. Sonst bleibt es
trocken, teils auch klar, in den östlichen Mittelgebirgen können sich
Nebelfelder bilden. Die Tiefstwerte bewegen sich im Westen und Nordwesten um
15°C, im Südosten dagegen nur um 8°C.


Dienstag... und in der Nacht zum Mittwoch greift von Westen der nächste
Langwellentrog auf Deutschland über, seine Achse erreicht zum Mittwochmorgen den
Rhein. Die vorgelagerte Tiefdruckrinne erstreckt sich am Abend von der Nordsee
bis nach Bayern, zum Morgen erreicht sie die Oder-Neiße-Linie. Zwar bleiben in
der Rinne die CAPE-Werte in einem überschaubaren Rahmen von maximal 500 J/kg mit
den höchsten Werten erwartungsgemäß am Nachmittag, aber rückseitig der Rinne
nimmt die Scherung deutlich zu und die Luftmasse selbst ist wieder um sehr
feucht mit PPWs bis 35 mm. Damit stehen dann, von West nach Ost voranschreitend,
wieder Starkregen, eventuell auch mit unwetterartigen Mengen, aber auch
Sturmböen und schwere Sturmböen sowie größerer Hagel auf der Karte. Tagsüber
betriff das alles die Westhälfte, nachts unter Abschwächung die Nordosthälfte.
Vorderseitig des Wolkenaufzuges kann man von den Alpen bis zur Ostsee nochmal
reichlich Sonne tanken, im Westen zieht es dagegen rasch zu, mit Passage der
Rinne kann es auch abseits von Schauern und Gewittern steife oder eventuell auch
stürmische Böen geben. Die Höchstwerte liegen im Westen teils nur bei 23°C, im
Osten und Süden dagegen bei bis zu 27°C. Nachts kühlt es ab auf 15 bis 8°C.




Modellvergleich und -einschätzung
--------------------------------------------------------------
Von den groben Abläufen liegen die Modelle recht eng beieinander, aber der
Teufel steckt im Detail. Die Gewitterschwerpunkte und die Begleiterscheinungen,
auch wenn sie von den Modellen ähnlich regional zugeordnet werden, sind bei
genauer lokaler Betrachtung noch deutlich unterschiedlich verteilt.




Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Martin Jonas