Thema des Tages

26-05-2026 14:20


Wetter aktuell

Was ist eine ?Heat Dome??


Eine für die Jahreszeit ungewöhnliche Wetterlage sorgt derzeit für
eine Hitzewelle über West- und Mitteleuropa. Bereits gestern wurden
in England und Frankreich Rekordtemperaturen gemessen. In diesem
Zusammenhang fällt oft der Begriff ?Heat Dome?, ?Hitzeglocke? oder
?Hitzedeckel?. Doch was hat es damit auf sich?


Dass Ende Mai bei uns über 30 °C gemessen werden, kommt häufiger vor.
Ungewöhnlich ist allerdings die Dauer dieser sehr frühen Hitzewelle,
die in Frankreich und Großbritannien sogar schon Rekordtemperaturen
gebracht hat.

Verantwortlich dafür ist eine sogenannte Omegawetterlage. Dabei liegt
ein kräftiges Hochdruckgebiet über Mittel- und Westeuropa. Es
blockiert die normalerweise vorherrschende West-Ost-Zugbahn der
Tiefdruckgebiete, wodurch die Höhenströmung die Form des griechischen
Buchstabens Omega annimmt ? daher der Name. Solche blockierenden
Wetterlagen entstehen, wenn der Jetstream stark gewellt ist und ein
kräftiges Hochdruckgebiet zwischen zwei Tiefdruckgebieten festliegt.
Dieses Muster dann sehr häufig über längere Zeit nahezu unverändert
bestehen.

In diesem Hochdruckgebiet sinkt die Luft ab und erwärmt sich dabei
stärker. Dieses Absinken sorgt zusätzlich für Wolkenauflösung.
Abgesehen vom Norden und Nordosten präsentiert sich daher weite Teile
Europas wolkenfrei. Durch die ungehinderte Sonneneinstrahlung kann
sich die Luft unter dem Hoch weiter aufheizen. Zudem wird heiße und
trockene Luft aus Nordafrika in das Hoch einbezogen, die auch mit
etwas Saharastaub angereichert ist. Dadurch lassen sich die derzeit
für die Jahreszeit ungewöhnlich hohen Temperaturen über West- und
Mitteleuropa erklären.

Da diese Wetterlage stabil ist, konnte sich die Luft immer weiter
aufheizen. Man spricht in diesem Fall auch von einem sogenannten
?Heat Dome? oder einer Hitzeglocke. Während die heißeste Luft über
Westeuropa liegt, befinden wir uns am Rande dieser Hitzeglocke.
Ansonsten wären auch hier Rekorde in Gefahr.

Solche Hitzeglocken sind für die meisten Rekordtemperaturen
verantwortlich. Zudem können sie über einen längeren Zeitraum hinweg
für Trockenheit sorgen. Da die Luft unter den Hitzeglocken oft nur
wenig Feuchtigkeit enthält und die Verdunstung dadurch deutlich
beschleunigt wird, sind viele Dürren auf lang anhaltende Hitzeglocken
zurückzuführen. So auch im Sommer 2018, der in Deutschland einer der
trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen war. Zwischen Mitte Juni
und Mitte August hielt sich die Hitze sogar mehrere Wochen lang am
Stück.

Heute wird bei uns mit bis zu 34 °C am Oberrhein der Höhepunkt der
Hitzewelle erreicht. Der Rekord aus dem Jahr 1922 mit 36,6 °C in
Hamburg ist jedoch nicht in Gefahr.

Morgen erreichen wir den Nordostrand des Hitzehochs. Eine
wetterunwirksame Kaltfront führt vorübergehend kühlere Luft aus
Skandinavien in den Nordosten. Besonders die Nächte werden dann dort
empfindlich kalt. Lokal ist sogar wieder Bodenfrost möglich. Der
Südwesten bleibt hingegen in der sommerlichen Luftmasse.

Zum Ende der Woche ändert sich die Wetterlage. Das Hitzehoch wird
langsam abgebaut, sodass atlantische Tiefausläufer übergreifen
können. Ab Freitag nimmt dadurch die Gewitterneigung deutlich zu.

In der darauffolgenden Woche müssen wir uns dann auf einen
wechselhaften Witterungsabschnitt einstellen. Dabei ist es nicht mehr
ganz so warm.

(Die Bilder zum heutigen Thema des Tages finden Sie wie immer im
Internet unter www.dwd.de/tagesthema.)

Dipl. Met. Christian Herold

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 26.05.2026

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