DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

22-05-2026 09:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 22.05.2026 um 10.30 UTC



Hochdruckgeprägtes Mittelfristwetter, dabei vor allem im Südwesten anfangs
hochsommerlich warm. An den Küsten Dienstag und Mittwoch einzelne stürmische
Böen nicht ausgeschlossen.
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Synoptische Entwicklung bis zum Freitag, den 29.05.2026


Am Montag und in der Nacht zum Dienstag bestimmt ein sich vom Nordwestlichen
Afrika und der Iberischen Halbinsel nach West- und Mitteleuropa erstreckender
breiter Höhenrücken mit abgeschlossenem Höhenhoch das Wetter. Das zugehörige
Bodenhoch (Druck über Deutschland verbreitet über 1030 hPa) schwächt sich im
Verlauf zwar etwas ab, dennoch dominiert Absinken mit zweistelligen
Temperaturwerten in 850 hPa (meist 11 bis 15°C, in der Nacht im äußerten Norden
etwas zurückgehend). Diese Kombi sorgt für trockene Bedingungen mit sehr viel
Sonne, allenfalls über den Norden ziehen ein paar Wolkenfelder. Dort frischt
auch der Westwind mitunter böig auf und die Höchstwerte erreichen lediglich (und
dennoch absolut frühlingstaugliche) 20 bis 26°C. Im übrigen Land treibt die
Sonne die Werte auf sommerliche 27 bis 32°C, am Oberrhein können es punktuell
bis zu 34°C werden. Immerhin kühlt es nachts noch deutlich aus, bei 17 bis 10°C
sollte ein erholsamer Schlaf noch möglich sein.

Am Dienstag und in der Nacht zum Mittwoch wird der Rücken über der Nordosthälfte
Deutschlands durch einen sich amplifizierenden und vom Nordmeer nach Osteuropa
ziehenden Trog abgehobelt, die Südwesthälfte bleibt dabei aber weiterhin unter
hohem Geopotential. Auch die Divergenzachse des langgestreckten, von Nordwest
nach Südost orientierten Bodenhochs ändert ihre Lage kaum (etwa von Nordengland
bis nach Bayern verlaufend). Da der Druck über dem Nordosten aber fällt,
verschärft sich dort der Druckgradient. In der Folge werden an den Küsten Böen
Bft 7, exponiert auch Bft 8 simuliert, gebietsweise können die 7er-Böen auch ins
Binnenland ausgreifen. Diese Sicht von IFS wird z. B. von UK10 gestützt, ICON
bleibt bezüglich des Windes dagegen defensiver. Im übrigen Land ist der Wind
kein Thema, dort steigen die Temperaturen bei zumeist wolkenlosem Himmel auf 27
bis 32°C, am Oberrhein lokal erneut bis 34°C. In der Nordosthälfte dagegen wird
nicht nur eine etwas kühlerer Luftmasse eingesteuert (erkennbar an den 850er
Temperaturen, die in der Nacht zum Mittwoch nur noch eine Spanne von 3 bis 8°C
abdecken, es zeigen sich auch vermehrt Wolken, die man durchaus als
Begleiterscheinung einer Kaltfront interpretieren kann. Selbige läuft von Norden
gegen das Hoch an und kommt somit nur zögerlich bis zur Donau voran, laut IFS
oder auch GFS sollen im Nordosten sogar ein paar Tropfen Regen möglich sein.
Dies erscheint jedoch zumindest fragwürdig, zwar ist die Zirkulation leicht
zyklonal, nennenswerte Feuchte ist in den entsprechenden Temps aber nicht
auszumachen. Schau'n mer mal... Die Temperaturen steigen in der Nordosthälfte
auf 21 bis 26°C, die Küstenregionen liegen zumeist unter der 20°C-Marke. In der
Nacht bleibt die Südwest-Nordostteilung erhalten. In der Südwesthälfte bewegen
sich die Minima bei 13 bis 10°C zumeist im zweistelligen Bereich, im Nordosten
sind sie dagegen mit 10 bis 7°C überwiegend einstellig.

Am Mittwoch und in der Nacht zum Donnerstag zieht der Trog nach Osten ab, in der
Folge kann von Westen her der Rücken wieder etwas an Raum gewinnen. Dennoch
werden über den Nordosten hohe und mittelhohe Wolken geschoben, die die Sonne
zumindest von Zeit zu Zeit etwas trüben. Dagegen sollte der Himmel über dem
Südwesten wieder verbreitet blitzblank geputzt sein, und dies, obwohl die
Kaltfront die Alpen erreichen sollte. Deren Wetterwirksamkeit unter Absinken
sind allerdings kaum noch erkennbar, außer dass die Temperaturen etwas sinken.
So spiegeln sich die Temperaturgegensätze in 850 hPa (Rügen 2°C, Breisgau 13°C)
auch in den Höchstwerten wider, die in einer Spanne von 19 bis 32°C zu erwarten
sind, an den Küsten bleibt es dagegen etwas kühler. Dazu hält sich an den Küsten
der mäßige bis frische Wind mit steifen bis stürmischen Böen Bft 7 bis 8.

Am Donnerstag und Freitag kommt es nicht zu einer durchgreifenden
Wetteränderung. Der Langwellentrog zieht weiter nach Osten, von Westen kann der
Höhenrücken wieder mehr (noch mehr) Einfluss auf unser Wetter ausüben, auch
kräftigt sich in der Folge die Bodenhochdruckzone. Es bleibt trocken, oft zeigt
sich die Sonne, eher im Nordosten denn im Südwesten von einigen wenigen
Wolkenfeldern getrübt. Auch lässt an den Küsten der Wind allmählich nach. Die
Höchstwerte liegen meist (Nordost-Südwest) zwischen 20 und 30°C, nachts kühlt es
ab auf 12 bis 7°C.

Auch in der erweiterten Mittelfrist bleibt Hochdruck wetterbestimmend.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz zwischen dem aktuellen IFS-Lauf und den Vorläufen ist gut. Alle
zeigen im Verlauf des Mittelfristzeitraums einen Langwellentrog, der an der
Nordostflanke eines Rückens über West- und Mitteleuropa abläuft und dessen
Einfluss auf den Nordosten Deutschlands zumindest vorübergehend zurückdrängt.
Dadurch wird bei allen das anfangs deutschlandweit dominierende Hoch über dem
Nordosten etwas abgebaut, was mit einer Gradientverschärfung einhergeht und
somit dort für steife und stürmische Böen, insbesondere an den Küsten, sorgt.

In der zweiten Wochenhälfte vergrößern sich (erwartungsgemäß) die Unterschiede,
aber alle Läufe sehen dann wieder einen allmählich steigenden Wettereinfluss des
westeuropäischen Rückens sowie des zugehörigen Hochs, das dann wieder etwas nach
Osten ausgreift.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Am Montag und Dienstag herrscht auf dem internationalen Parkett (IFS, GFS, ICON,
UK10) noch Einigkeit. Für Zwietracht sorgt, beginnend am Dienstag, insbesondere
aber ab Mittwoch und darüber hinaus anhaltend der Langwellentrog, der vom
Nordmeer nach Osteuropa schwenkt. ICON sieht für diesen eine recht weit östliche
Zugbahn, die in 500 hPa für eine weitgehend glatte nordwestliche Strömung sorgt.
Die anderen genannten Modelle dagegen setzten auf eine stärkere Beeinflussung
des Nordostens durch eine zyklonale Höhenströmung, die für Hebung, einen Abbau
des Hochs und in der Folge Gradientverschärfung sorgt. Insbesondere UK10 lässt
den Trog rasch nach Südosten vorankommen - rascher zumindest als die
Mitbewerber.

Auch wenn die Modelle in der zweiten Wochenhälfte (und somit im zweiten Teil des
Mittelfristzeitraumes) nicht mehr so recht zusammenfinden wollen, so deuten sie
doch unisono eine allmähliche Auffächerung des Gradienten über dem Nordosten und
weiterhin Hochdruckeinfluss an - wenn auch mit unterschiedlichen Ausprägungen
der zugehörigen Rücken und Hochdruckgebiete.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Im Zeitfenster +72 bis +96 Stunden herrsch Einigkeit: nur zwei Cluster, beide
durchgängig in der Hochdruckgerechten Blockierung-Lage.

Bunter wird es zwischen +120 und +168 Stunden. Zwar starten alle vier Cluster
mit einem atlantischen Rücken, der mit 15 Mitgliedern größte wie auch der mit 11
Mitgliedern kleinste (was auf die geringe Größendifferenz der Cluster
untereinander schließen lässt) bleiben auch in der Kategorie des atlantischen
Rückens, die beiden mittelgroßen jedoch (13 und 12 Mitglieder) wechseln in die
Blockierung. Unabhängig von der Zugehörigkeit zu den Wetterkategorien deutet nur
der kleinste Cluster anhaltenden Tiefdruckeinfluss eines Tiefs über Skandinavien
an. Die drei größten Cluster lassen den Druck in der zweiten Wochenhälfte wieder
steigen.

Im Zeitraum +192 bis +240 Stunden werden drei Cluster angeboten (21, 18, 12
Mitglieder). Abgesehen von der negativen NAO sind alle Wetterkategorien
vertreten, was die zunehmende Unsicherheit der Prognosen unterstreicht. Am
wahrscheinlichsten ist demzufolge aber der "Atlantische Rücken" und somit die
Andauer der ruhigen, hochdruckgeprägten Wetterlage.

Die Rauchfahnen für Offenbach zeigen bei der 850er Temperatur (um 14°C) wie auch
beim Geopotential (585 bis 590 gpdm) bei enger Bündelung anfangs ein hohes
Niveau, ab dem Dienstag setzt bei beiden Größen ein Rückgang ein, der von einer
zunehmenden Streuung begleitet ist. Nach einem Rückgang auf im Mittel (bei aber
jeweils sehr hoher Streuung) 7°C und 575 gpdm setzt ein leichter Anstieg und
somit eine Beruhigung der Wettersituation ein. Im weiteren Verlauf (Wochenende)
schiebt sich der Hauptlauf jeweils an die obere Kante der Verteilung - ein Indiz
dafür, dass es möglicherweise wechselhafter werden könnte, als dies der
Hauptlauf andeutet. Dafür sprechen auch die in den Ensembles vermehrt
erkennbaren Niederschlagssignale.

Die GFS-Ensembles stützen, vor allem in der ersten Hälfte des
Mittelfristzeitraumes. die Aussagen der IFS-Ensembles.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Der EFI sieht bis einschließlich Dienstag in der Südwesthälfte deutliche Signale
für signifikant über dem klimatologischen Mittel liegende Höchstwerte, danach
ist dies nur noch am Mittwoch und nur noch für den äußersten Südwesten der Fall.
Dafür deutet der EFI ab Dienstag und bis einschließlich Mittwoch über dem Norden
und Nordosten Windböen an.

Die Wahrscheinlichkeiten für steife Böen Bft 7 erreichen am Dienstag und
Mittwoch bei COSMO-LEPS zeitweise über 90% an den Küsten und bis zu 70% im
unmittelbar angrenzenden Binnenland, insbesondere Mecklenburg-Vorpommerns. Die
entsprechenden Wahrscheinlichkeiten bei ICON liegen dagegen deutlich niedriger.
Die Wahrscheinlichkeiten für Sturmböen schätzt COSMO-LEPS dagegen mit etwa 30%
ein, erneut ist ICON deutlich zurückhaltender.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-EPS, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Martin Jonas