DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

13-05-2026 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 13.05.2026 um 10.30 UTC



Am Wochenende wechselhaft und zunächst auch noch recht frisch. Im Laufe der
nächsten Woche zunehmender Hochdruckeinfluss, aber nicht ganz störungsfrei.
Allmählich wärmer.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 20.05.2026


Keine Frage, die Witterung der laufenden Woche ist nicht gerade der Burner und
dürfte so manchem Zeitgenossen mit Verlaub auf den Sack gehen. Zumal ja am
morgigen Donnerstag "Vaddertach" ist und Mann da doch gerne etwas gediegenere
Verhältnisse gehabt hätte als permanent ´ne Husche auf die Nuss zu bekommen und
sich dabei auch noch einen abzufrieren. Nun gut, ist nicht zu ändern, liegt
nicht in unserer Macht. Umso mehr stellt sich die Frage, wie lange denn das sehr
wechselhafte und kühle (bis sehr kühle) Wetter denn noch andauert. Womit wir
beim Kern dieses Bulletins wären, der Mittelfrist.

Los geht´s am kommenden Samstag, der gleich mal mit einem Anti-Knaller in den
offiziellen Mittelfristzeitraum startet. Anti-Knaller? - Jawoll, genau so,
richtig gelesen. Gehen wir 24 Stunden zurück auf den gestrigen Dienstag, wo an
dieser Stelle von teils unwetterartigen Niederschlägen am Alpenrand berichtet
wurde, unten Regen, oben Schnee. Ein echter Knaller halt. Heute nun will die
Numerik (nicht nur das in diesem Kapitel betrachtete IFS) gar nichts mehr oder
nur noch wenig davon wissen. Zwar ist die Ausgangslage nahezu dieselbe - ein
über die Alpen südwärts ausgreifender Potenzialtrog über dem
westlichen/zentralen Mitteleuropa mit Bodentief über Oberitalien und dem
Ostalpenraum -, der Impact zumindest im Vorhersageraum aber ein gänzlich
anderer. So werden die von Süden über die Alpen übergreifenden Hebungsprozesse
deutlich schwächer simuliert, was freilich auch für die resultierenden
Niederschläge gilt. IFS kommt tagsüber so gerade noch auf 10 bis 15 l/m²
unmittelbar am Alpenrand, andere Modelle sind noch defensiver.
Darüber hinaus findet der letzte Spieltag der Bundesliga - 9 Spiele
gleichzeitig, was ein Fest - unter der Regentschaft des o.e. Troges statt, der
im Verbund mit der noch immer präsenten, instabil geschichteten maritimen
Polarluft (T850 um 0°C) für wechselnde bis starke Bewölkung, Schauer oder kurze
Gewitter sowie Temperaturen, die meist weiter unterhalb der 20°C-Marke
rumtorkeln, sorgt.

Am Sonntag gelangen wir unter leichten Zwischenhocheinfluss, indem sich eine
schmale und nicht besonders stabile Brücke (Luftdruck etwas über 1015 hPa) genau
über Deutschland legt. Die Brücke verbindet das weit draußen auf dem Atlantik
positionierte Azorenhoch mit einem sibirischen Blockadehoch. Überlagert wird das
Zwischenhoch vom Residuum des Troges, der südlich der Alpen mittlerweile
abgetropft und Richtung Balkan gezogen ist. Die Luft kann sich diabatisch zwar
etwas erwärmen, gleichwohl werden wir auch an diesem Tag 20°C sehr
wahrscheinlich nicht erreichen. Dazu gibt es eine Mixtur aus einigen sonnigen
Momenten/Abschnitten und zahlreichen Quellwolken, aus denen sich vornehmlich,
aber nicht ausschließlich über dem Bergland einzelne Schauer entwickeln.

Zu Beginn der neuen Wochen erreicht uns von Westen her ein neuer, leicht negativ
geneigter Trog, dem das Frontensystem eines südlich an Island gen Norwegische
See ziehenden Randtiefs vorgeschaltet ist. Der zugehörige, vielfach schauerartig
auftretende Regen breitet sich ostwärts bis in die mittleren Landesteile aus.
Nicht ausgeschlossen, dass es vereinzelt auch mal elektrisch wird. Nach ´ner
großen konvektiven Ballerei sieht es aber nicht aus, was u.a. daran liegt, dass
strömungstechnisch keine instabile Warmluft von Süden angezapft werden kann und
gleichzeitig die gealterte Polarluft durch nächtliche Abkühlung an Stabilität
gewinnt. Weitgehend trocken dürfte es zwischen Erzgebirge/Zittauer Gebirge und
MV sowie in großen Teilen Bayerns bleiben. Dort scheint zudem zeitweise die
Sonne, so dass die Chancen, punktuell nun endlich mal wieder 20°C zu erreichen,
besser werden.

Noch besser werden sie allerdings im weiteren Verlauf der Woche, wenn nämlich
Luftdruck und Geopotenzial kontinuierlich steigen. Der Trog füllt sich über dem
Vorhersageraum auf, schwer in die Zange genommen vom bis nach Fennoskandien
ausgreifenden Blockaderücken und einem vom Atlantik vorrückenden Höhenkeil. Auch
dem Frontensystem geht es an den Kragen, voraussichtlich noch, bevor es uns
verlässt. Grund ist von Frankreich her merklicher Druckanstieg, der die o.e.
Brücke regeneriert und kräftigt, was am Mittwoch ein deutschlandweites
Druckniveau von über 1025 hPa zur Folge hat. Bis dahin steigt auch die
Temperatur, teils diabatisch, teils absinkbedingt. Mittwochmittag liegt T850
zwischen rund 4°C im Norden und bis zu 8°C in Südbaden sowie am Alpenrand.
Nevertheless, so antizyklonal sich das Ganze liest, ganz astrein ist die Lage
nicht. Am Dienstag gilt es noch die Reste des scheidenden Troges respektive
Frontensystems zu akzeptieren (Wolken, Schauer). Und auch am Mittwoch können an
den Rändern der Hochdruckbrücke (also im äußersten Westen und Osten) einzelne
Schauer nicht ausgeschlossen werden.

In der erweiterten Mittelfrist deuten sich rein deterministisch weiterer Druck-
und Temperaturanstieg bei gleichzeitiger Abtrocknung der Gesamttroposphäre an.

__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Obwohl die Basisfelder wie Luftdruck, Geopotenzial 500 hPa oder Temperatur 850
hPa gar nicht mal so weit auseinanderliegen, ist die Konsistenz von IFS (ECMF)
nicht besonders gut. Los geht´s schon am kommenden Samstag, an dem nach
gestriger Lesart an und in den Alpen brachiale Niederschläge (unten Regen, oben
Schnee) hätten fallen sollen. Hier hat nicht nur IFS, sondern auch andere
Globalmodelle, die ein ähnliches Szenario in petto hatten, ganz fest auf die
Bremse getreten. War gestern noch von bis zu 50 oder etwas mehr Millimeter
Niederschlag innert 24 Stunden die Rede, ist man heute weit davon entfernt.
Unscharf ist auch die Entwicklung in der kommenden Woche. Gerade zu Beginn am
Montag zeichnet sich von Westen her das Übergreifen eines Frontensystems ab, was
im gestrigen 00-UTC-Lauf nur sehr verschwommen simuliert wurde. Immerhin, im
weiteren Verlauf scheint sich der Trend in Richtung zunehmender
Hochdruckeinfluss (allerdings nicht ganz störungsfrei) bei steigender Temperatur
zu bestätigen.

__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Im Groben simulieren die einschlägigen Globalmodelle (neben IFS werden hier in
der Regel ICON, GFS, GEM und UK10 gecheckt) die Entwicklung zwar ähnlich.
Trotzdem, was Timing und geometrische Konfiguration der bestimmenden Systeme
(Tröge, Keile, Fronten usw.) angeht, gibt es einige Differenzen. Das markante
bis unwetterartige Dauerniederschlagsereignis vom Samstag tritt aber nirgends
mehr auf. Hier muss mal ein Lob auf das sonst oft gescholtene GFS ausgesprochen
werden, welches das Spielchen gestern nicht mitgespielt hat.
Den Trend in der kommenden Woche hin zu mehr Hochdruckeinfluss und wärmer, aber
nicht ganz störungsfrei, zeigen alle Modelle.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Für den Zeitraum T+72...96h (Samstag/Sonntag) werden sechs Cluster angeboten, die
schlussendlich alle das Gleiche zeigen: Trog Mitteleuropa, der südlich der Alpen
abtropft, dazu Bodentief südlich der Alpen. Von Montag bis Mittwoch (T+120...168h)
reduziert sich die Anzahl der Cluster auf zwei. Beide peilen das Klimaregime
"Blockierung" an, wobei CL 2 (21 Fälle) die Hochdruckbrücke stärker und mithin
das gesamte Setup bei uns antizyklonaler simuliert. Die erweiterte Mittelfrist
ist zumindest auf Basis von IFS-EPS eindeutig: ein einziger Cluster, in dem sich
über West- und Mitteleuropa ein fetter Rücken mit korrespondierendem Bodenhoch
aufplustert.

Die IFS-EPS-Rauchfahnen verschiedener deutscher Städte lagen bei
Redaktionsschluss noch nicht vor.

FAZIT:
Die gestern für Samstag am Alpenrand noch apostrophierten markanten bis
unwetterartigen Dauerniederschläge (in höheren Lagen Schnee) scheinen vom Tisch.
Im Laufe der nächsten Woche geht der Trend in Richtung zunehmender
Hochdruckeinfluss + allmähliche Erwärmung. Vor allem die erste Wochenhälfte
dürfte dabei aber nicht gänzlich störungsfrei über die Bühne gehen. Nach hinten
raus (erweiterte Mitelfrist) mehren und verdichten sich die Hinweise auf einen
fetten Potenzialrücken mit korrespondierendem Bodenhoch über West- und
Mitteleuropa.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die Wahrscheinlichkeit, dass mittelfristig signifikante Wettererscheinungen
unser Alltagsleben beeinflussen, hat gegenüber gestern deutlich abgenommen. So
wurden - wie bereits weiter oben beschrieben - die Niederschlagsprognosen für
Samstag am Alpenrand deutlich eingekürzt. Unwetter sind unwahrscheinlich und
selbst markanter Dauerregen (bzw. Schneefall in höheren Lagen) ist nur noch
wenig wahrscheinlich. Leider gibt es Versorgungsprobleme seitens des ECMF, so
dass eine abschließende Bewertung unter Berücksichtigung von EPS-Rechnungen
nicht durchgeführt werden kann.
Das trifft leider auch auf den Parameter "Gewitter" zu, dessen
Auftrittswahrscheinlichkeit nur eingeschränkt beurteilt werden kann. Es spricht
aber einiges dafür, dass Anfang nächste Woche die gestern noch in Aussicht
gestellte "Sumpflage" so nicht kommt und damit auch die Gewitterneigung geringer
ausfällt.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MOS-Mix und - sofern vorhanden - IFS-EPS.
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Jens Hoffmann