DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

08-04-2026 09:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Mittwoch, den 08.04.2026 um 10.30 UTC



Von Westen wechselhafter und bei Regen kühl, sonst mild bis sehr mild. Nachts
nur zeitweise und regional leichter Luftfrost. Küsten böiger Ostwind.
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Synoptische Entwicklung bis zum Mittwoch, den 15.04.2026


Nachdem die jüngsten Blockierungslage z.B. zum Monatswechsel (März/April) mit
positiven Geopotenzialanomalien über dem Nordostatlantik und GWL TrM bei uns
durch die Dynamik innerhalb der Troposphäre induziert wurde (downstream
development), so wird nun der Einfluss aus der Stratosphäre zum Ende der
Polarwirbelsaison nochmals stärker. Den wiederholten Abschwächungsphasen des
Polarwirbels folgt nun per "Abtropfen" eine Ausweitung positiver
Geopotenzialanomalien in die Troposphäre, was sich besonders bei der NAM durch
ein Absinken bemerkbar macht. Gleichzeitig deutet sich ein neuer MJO Zyklus an,
der in blockierungsfreudiges Terrain zu marschieren scheint. Allerdings ist die
Amplitude, die zeitliche Verlagerung und auch die Telekonnektivität der MJO noch
sehr unsicher. Davon abgesehen deutet sich nun die Mittelfrist über (und wohl
auch darüber hinaus) eine dominante Blockierung über Nordeuropa/dem Ural an, die
sich zunehmend auch auf die Wetterentwicklung über Mitteleuropa (blockierend)
auswirkt. Gleichzeitig sorgen zahlreiche Abtropfprozesse und Höhentiefs über
Süd- und Osteuropa für wechselhaftes Wetter mit zunehmenden
Vorhersageunsicherheiten.

Der gesamte Ablauf der Entwicklung innerhalb der Mittelfrist (Samstag, der 11.
April, bis Mittwoch, der 15. April) kann recht knapp zusammengefasst werden.
Am Wochenende zieht von Westen allmählich eine Kaltfront nach Deutschland, die
dank fallenden Geopotenzials über Südwesteuropa und einer daraus hervorgehenden
umfangreichen Mittelmeerzyklone über Deutschland zunehmend ins Schleifen gerät
(besonders über der Mitte und dem Süden). Gleichzeitig intensiviert sich die
blockierende Antizyklone über Nord(ost)europa, sodass die Front auch im
Norden/Osten der Republik kaum noch nach Osten vorankommt und zum Ende der
Mittelfrist gar wieder nach Westen zurückgedrängt wird. Demnach würde die über
Deutschland tagelang verweilende Front wiederholt Niederschläge bringen, die je
nach Kurzwellenaktivität bzw. dem zunehmenden Einfluss der Mittelmeerzyklone
zeitweise auch länger anhaltender Natur sind. Warnrelevante Mengen sind
allerdings aus heutiger Sicht keine zu erwarten, wenngleich über 72h bis
Mittwoch 06Z aufsummiert vom Westen bis in den Süden 15 bis 30 l/qm Nass fallen
kann. Natürlich können Feinheiten z.B. innerhalb der Geopotenzialgeometrie für
regional kräftigere Niederschläge gut sein, sodass markante Niederschlagsmengen
aus heutiger Sicht regional nicht kategorisch ausgeschlossen werden können.
Im Südwesten können sich im Hochschwarzwald zum Wochenbeginn auch einige Flocken
unter den Regen mischen.

Abseits der Front (ab Dienstag im Westen und durchweg im Nordosten) überwiegt
freundliches und trockenes Wetter. Diese Aussage steht jedoch beim Blick auf die
internationale Modellkette noch auf wackeligen Beinen, da noch unsicher ist, wie
schnell die Front in den Nordosten vorankommt, bevor sie stationär wird.

Die Mittelfrist beginnt im Südwesten sehr bis ungewöhnlich mild (19 bis 23 Grad,
entlang des Oberrheins bis 25 Grad), während es sonst mit 15 bis 19 Grad nicht
ganz so mild wird. Im Umfeld der Ostsee bleibt es bei auflandiger Windkomponente
mit kaum 10 Grad deutlich kälter.
In der Folge pendeln sich die Maxima im Regen bzw. nahe der Ostsee bei kaum 10
Grad und bei Sonnenschein (zeitweise im Westen und vor allem im Nordosten)
zwischen 12 und 16, im Nordosten bis 19 Grad ein.

In den Nächten bleibt es meist frostfrei, außer in der Nacht zum Sonntag im
Nordosten und in der Nacht zum Dienstag im Westen, wo lokal leichter Frost um -1
Grad nicht ausgeschlossen werden kann. Sonst verbleiben die Minima zwischen 8
und 2 Grad, in der Nacht zum Sonntag in Ballungsräumen auch um 10 Grad. Leichter
Frost in Bodennähe muss bei längerem Aufklaren aber weiterhin erwartet werden.

Der überwiegend aus (nord)östlicher Richtung wehende Wind weht meist mäßig bis
frisch, im Umfeld der Küsten auch stark böig und vor allem von Samstag bis
Montag über der Deutschen Bucht und entlang der holsteinischen Küste zeitweise
auch stürmisch (Bft 8). Im Westen dreht der Wind am Sonntag/Montag vorübergehend
auf West/Nordwest, verbleibt aber unterhalb jeglicher Warnschwelle.

In der erweiterten Mittelfrist bleibt die Blockierung weiterhin das dominante
Thema, wobei die Numerik noch stark streut, wo genau die Antizyklone platziert
werden soll. Dies hat erhebliche Auswirkungen auf die Temperatur- und
Niederschlagsvorhersage, sodass die Unsicherheiten noch sehr groß sind.

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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz innerhalb der jüngsten Modellläufe vom IFS kann über Mitteleuropa
insgesamt als recht gut eingestuft werden, während peripher die Unsicherheiten
mit zahlreichen Höhntiefs über Süd- und Osteuropa rasch zunehmen. Allerdings
treten auch bei uns nennenswerte Diskrepanzen auf, die vor allem die
Frontverlagerung am Wochenende/zum Beginn der kommenden Woche betreffen. Eine
Kaltfront wird im jüngsten IFS Lauf etwas zügiger nach Osten geführt, kommt aber
in der Folge über der Mitte und dem Süden ins Schleifen/Wellen, sodass sich dort
zu den Vorläufen kaum ein Unterschied ergibt. In der Folge wird die Front dann
recht konsistent und langsam nach Osten geführt, um dann zum Mittwoch ggf.
wieder nach Westen gedrückt zu werden. Hier nehmen die Unsicherheiten aber
deutlich zu.

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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Auch beim Blick auf die internationalen Modelle ergibt sich ein ähnliches Bild.
Über Mitteleuropa sind die Unsicherheiten überschaubar, wobei sich Diskrepanzen
vor allem bei der Frontverlagerung ergeben (ICON etwas langsamer als EZ und
GFS). Zum Dienstag/Mittwoch nehmen die Unsicherheiten weiter zu, wo genau über
Deutschland die Front zu finden sein wird.
Während auch hier die Unsicherheiten z.B. im Geopotenzial über Süd-/Osteuropa
rasch zunehmen, bleiben sie bei uns recht überschaubar und heben einen
Übergangsbereich zwischen dem regen Nordatlantik und der zunehmenden Blockierung
über Nordosteuropa hervor.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Clusteranalyse beginnt die Kurzfrist mit 6 Clustern und dem dominanten
klimat. Regime der Blockierung. Dabei verbleibt Deutschland unter einem Keil,
der Anschluss zur umfangreichen Blockierung über Nordskandinavien aufweist. Zwar
wird die Ausprägung des Keils leicht variabel gezeigt, sollte aber in allen
Lösungen für einen zumeist trockenen Samstag ausreichen (abgesehen vom äußersten
Westen).

Von Sonntag bis Dienstag wird in einem Cluster (klimat. Regime Blockierung) die
aus der Stratosphäre forcierte Blockierung über dem nördlichen Skandinavien
hervorgehoben, die ihren Einfluss sukzessive nach Osteuropa ausdehnt. Somit kann
die nach Deutschland vorankommende Front nicht mehr weiter nach Osten ziehen und
bringt uns einen mehrtägigen wechselhaften Witterungsabschnitt.

Zum Ende der Mittelfrist ändert sich daran wenig (ein Cluster mit Blockierung).
Die umfangreiche Antizyklone weitet sich zunehmend nach Mitteleuropa aus und
sorgt für eine allmähliche Wetterberuhigung. In der erweiterten Mittelfrist (ein
Cluster mit Blockierung) verbleibt die Antizyklone weiterhin über Skandinavien.
Bei all den Höhentiefs erscheint aber die Clusterführung mit nur einer Lösung
als zu eng.

Die Meteogramme stützen den zunehmend wechselhaften, zumeist aber milden
Wettercharakter während der Mittelfrist, allerdings mit einem weiterhin
vorhandenen Spread im ENS dank der noch unsicheren Verlagerungsgeschwindigkeit
der Front.
Innerhalb der Rauchfahnen verlaufen die meisten Member nahe des Kontrolllaufs,
allerdings mit einer doch erwähnenswerten Spreizung der Einzelmember (unsichere
Lage der Front).

GEFS sieht den Ablauf meist recht ähnlich zum IFS-ENS, allerdings mit mehr Nass
im Nordosten dank der Entwicklung einer Welle entlang der Front (Dienstag zum
Mittwoch).
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Der sehr zurückhaltende EFI hebt es bereits hervor: markante Warnungen
beschränken sich am Wochenende zeitweise auf die Deutsche Bucht/die Ostseeküste
(stürmische Böen), während sonst keine markanten Warnereignisse erwartet werden.

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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS, IFS-ENS und GEFS
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Helge Tuschy