DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist

05-04-2026 17:01
SXEU31 DWAV 051800

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 05.04.2026 um 18 UTC


SCHLAGZEILE:
Am Ostermontag im Nordosten noch sehr windig bis stürmisch, sonst unter
Hochdruckeinfluss (QUIRIN) Wetterberuhigung mit bis Dienstag immer größeren
Sonnenanteilen.

Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
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Aktuell ... geht der erste Tag des zweitägigen Osterwochenendes so allmählich in
die Crunchtime. Bis Mitternacht werden aber noch knapp 6 Stunden "nachgespielt",
in denen durchaus noch was passieren kann. Allerdings, während beim Fußball die
Nachspielzeit häufig durch Hektik, zunehmende Giftereien der Protagonisten und
mitunter auch sonst ganz komische Sachen geprägt ist, lässt sich beim heutigen
Osterwetter eher eine gewisse Abklingtendenz konstatierten. Nun gut, der heutige
Sonntag hatte ja durchaus was zu bieten, insbesondere auf dem Sektor Wind/Sturm
(leider mit Negativschlagzeilen aus dem Raum Flensburg). Kein Wunder, standen
und stehen wir doch immer noch unter der Ägide eines äußerst prominent
aufgestellten Sturm- respektive Orkantiefs, das bei uns RAPUNZEL heißt,
international aber den Namen Dave trägt. RAPUNZEL hat heute Morgen die nördliche
Nordsee Richtung Südnorwegen gekreuzt, wobei es mit knapp über 970 hPa im Kern
den Höhepunkt seiner Entwicklung erreicht hatte. Mittlerweile ist das Tief in
Südschweden angekommen und hat sich auf etwa 980 hPa aufgefüllt. Weiter geht's
in den nächsten Stunden in Richtung Bottnischer Meerbusen und schlussendlich
finnisches Festland, wobei der Auffüllprozess weitere Fortschritte macht.

Mit jedem Kilometer mehr, den RAPUNZEL zwischen sich und den Vorhersageraum
legt, steigen die Chancen von QUIRIN, von Beruf Hochdruckgebiet, von Frankreich
her bei uns Fuß zu fassen. Schon seit geraumer Zeit steigt der Luftdruck, was
von Südwesten her eine allmähliche Auffächerung des Gradienten und mithin eine
beginnende Abnahme des lebhaften, zeitweise recht ruppigen Südwest- bis
Westwinds zur Folge hat. Die Kaltfront, die es tagsüber bis in die Mitte
geschafft hat, dabei aber von einer flachen Welle aufgehalten wurde, überquert
mit Mühe noch den zentralen Mittelgebirgsraum südwärts, wo es ihr durch den
überlagerten Druckanstieg aber zusehends an den Kragen geht. Oder anders
ausgedrückt, sie beginnt sich von Westen her aufzulösen. Dass ganz im Süden
anfangs noch einige Schauer und Gewitter unterwegs sind, ist weniger der
Kaltfront als vielmehr einer vorlaufenden Konvergenz geschuldet, die sich in der
präfrontalen subtropischen Warmluft (xS) gebildet hat. Bis zum Morgen sollte das
Thema aber durch sein, weil sich die Schauer/Gewitter entweder abschwächen oder
in die Alpen verziehen.

(Elektrische) Schauer treten anfangs auch noch in der Nordhälfte auf, wo ein
flacher, sich nur langsam amplifizierender Potenzialtrog ostwärts schwenkt.
Ansonsten aber lockern die Wolken in der stark abgetrockneten maritimen
Polarluft (mP) bis zum Morgen vielerorts auf. Im Bergland tritt lokal leichter
Luftfrost auf, Frost in Bodennähe dürfte etwas öfter beobachtet werden (Westen,
Nordwesten, Mitte). Wolkig bis stark bewölkt bleibt es meist südlich der Donau.
Und was geht beim Wind? War da weiter oben nicht von Austrudeln, von Abklingen
die Rede? Antwort ja, allerdings mit einem klassischen Aber. Im größten Teil des
Landes sorgen weiterer Druckanstieg plus Tagesgang für eine nachhaltige
Windabnahme. Selbst in den fast chronisch windigen Hochlagen des Berglands wird
es immer weniger, auch wenn man jetzt nicht direkt von Einschlafen sprechen
kann. Windig bis stürmisch geben sich nach wie vor die Küsten mit Böen 7-8,
anfangs vereinzelt 9 Bft um West, auch wenn gerade an der Nordsee gewisse
Abschwächungstendenzen nicht zu negieren sind.

Montag ... schlägt RAPUNZEL über Südfinnland einen Haken, indem sie einer
inneren Eingabe folgend (schuld ist natürlich die Drehung der steuernden
Höhenströmung von Südwest auf Nordwest) über den Finnischen Meerbusen hinweg
südostwärts driftet. Uns hier vor Ort kann das aber ziemlich schnuppe sein, weil
sich der Druckanstieg weiter fortsetzt und auch das Potenzial Gewinne
verzeichnet. So wird aus der heute noch weitgehend zonal konfigurierten
Strömungskonstellation ein stark meridional geprägtes Muster mit einem vom
westlichen Mittelmeer bis hoch zur Grönlandsee reichenden Rücken. Dieser wird
flankiert von einem schmalen, dem Cut-Off (Dienstag) geweihten Potenzialminimum
über den nahen Ostatlantik sowie dem o.e., sich östlich von uns weiter
amplifizierenden Trog. Das Bodenhoch verlagert seinen Schwerpunkt von etwa 1027
hPa bis zum Abend in die Nähe des Ijsselmeers.

Der zunehmende antizyklonale Einschlag sorgt für Absinken und weiteres
Abtrocknen der maritimen Polarluft (T850 0 bis -5°C, nur ganz im Süden, wo die
KF gar nicht mehr richtig hingekommen ist, etwas wärmer) von oben her. Die
Inversion wird auf 800 bis 850 hPa heruntergedrückt. Aus der darunterliegenden
labilen Grundschicht entwickeln sich zwar einige Quellungen, trotzdem bekommt
die Sonne genügend Möglichkeiten, ihr Können unter Beweis zu stellen. Ganz im
Süden (Alpenvorland/Alpenrand) kann es allerdings etwas dauern, bis die zähen
Wolkenreste aus der Nacht aufgedröselt, zerstückelt und final aufgelöst werden.
Trocken bleibt es auch, lediglich im Nordosten sind ein paar wenige schwache
Schauer nicht ganz ausgeschlossen.

Ganz los sind wir den Wind auch morgen noch nicht, was ein wenig dem Haken des
Tiefs, vor allem aber dem kräftigen Druckanstieg von Südwesten geschuldet ist,
der im Nordosten einen mer als leidlichen Gradienten aufrechthält. Insbesondere
von Schleswig-Holstein bis hinunter zur Lausitz frischt der West-Nordwestwind
angetrieben durch den Tagesgang spürbar und stark böig auf mit Spitzen der
Stärke 7-8 Bft. In Teilen Vorpommerns ist sogar die Wahrscheinlichkeit für
Sturmböen 9 Bft sehr hoch, was weniger auf den Gradienten als vielmehr auf den
prominenten Höhenwind zurückgeht. Maxima von rund 45 Kt sowohl auf 925 als auch
850 hPa können über Land durch die Tageslabilisierung relativ problemlos
trockenadiabatisch runtergemischt werden, während über See der kalte "Fuß"
hinderlich wirkt. Wie auch immer, es nicht ausgeschlossen, dass in den Regionen
Vorpommern-Rügen und Vorpommern-Greifswald nicht sogar eine schwere Sturmböe 10
Bft den Weg in die Wetterchroniken findet. Zum Abend hin nimmt der Wind gerade
im Binnenland aber merklich ab.

Bliebe zum Schluss nur noch der Blick auf die Temperatur, die morgen in weiten
Landesteilen einen gewissen Dämpfer erfährt. In der Nordosthälfte werden es
maximal 9 bis 15°C, sonst 14 bis 19°C, ganz im Südwesten stellenweise um 20°C.


In der Nacht zum Dienstag wölben sich Rücken und Bodenhoch weiter auf bei
gleichzeitig leichter Progression gen Ost. Während die Hauptachse des Rückens
noch 200 bis 300 km westlich von uns verbleibt (Referenz 500 hPa), schiebt sich
die Divergenzachse des länglich konfigurierten Bodenhochs direkt zu uns rein. Am
Morgen verläuft sie etwa vom Dollart bis hinunter zum Fichtelgebirge (+/-
versteht sich) und markiert dabei eine Art virtueller Luftmassengrenze im
nicht-klassischen Sinne, die die weiterhin in den Norden und Osten einströmende
Polarluft (T850 -2 bis +1°C) von deutlich milderen Luftmassen im Südwesten
trennt (T850 in Südbaden und dem westlichen Alpenrand am Morgen bis zu +9°C).


Im Großen und Ganzen präsentiert sich die Nacht in Deutschland gering bewölkt
oder klar ohne große Nebelambitionen. Einzig im äußersten Nordosten könnten von
der Ostsee her tiefe Wolken landeinwärts driften. Der West-Nordwestwind an der
Ostsee verliert peu a peu an Fahrt, gerade im Raum Rügen und Darß sind aber
selbst am Morgen noch ein paar steife Böen 7 Bft denkbar. Es verwundert nicht,
dass angesichts der genannten Rahmenbedingungen die Frostwahrscheinlichkeit
wieder zunimmt, wenn auch nicht überall. So dürften die unmittelbare
Küstenregion und der Nordosten (Wind, gebietsweise Wolken) sowie Teile West- und
Südwestdeutschlands (mildere Luft) weitgehend luftfrostfrei bleiben, während
Bodenfrost durchaus ins Kalkül gezogen werden muss.

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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC

Dienstag ... behalten die Aussagen der Frühübersicht ihre Gültigkeit. Es wird
z.T. sehr sonnig (wolkenlos) mit großen Temperaturunterschieden zwischen Nordost
und Südwest.


Modellvergleich und -einschätzung
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Den Aussagen des Haupttextes kann an dieser Stelle nichts Substanzielles
hinzugefügt werden.


Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann