DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
27-03-2026 18:01
SXEU31 DWAV 271800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Freitag, den 27.03.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
In der Nacht zum Samstag und am Samstag Übergreifen eines Frontensystems. Am
Sonntag Zwischenhocheinfluss. In der Nacht zum Montag erneutes Übergreifen eines
Frontensystems.
Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
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Aktuell ... geht das "Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln" mit
wechselhaftem Wetter munter weiter. So findet der heutige Zwischenhocheinfluss
mit in weiten Teilen des Landes ruhigem und teils heiterem Wetter bereits wieder
ein Ende, weil der stark positiv geneigte Höhenkeil über Deutschland durch ein
vom Nordostatlantik heranschwenkenden Langwellentrog rasch wieder nach Südosten
abgedrängt wird. Im Zuge dessen wird auch der aktuell über Deutschland liegende
Bodenhochkeil OTTO I nach Südosten abgeschoben.
Währenddessen wird mithilfe des herannahenden Trogs das okkludierende
Frontensystem des ins Nordmeer ziehenden Tiefs NGA (ausgesprochen übrigens "Na")
bereits in der ersten Nachthälfte, unterstützt durch kräftige WLA, nach
Deutschland geführt.
Die entsprechend aufkommenden Regenfälle breiten sich bis Mitternacht von
Nordwesten her bis auf eine Linie Flensburg - Bremen - Düsseldorf - Aachen aus.
Bis zum Morgen wird dann eine Linie Mecklenburg - Wendland - Sauerland - Mosel
erreicht, wobei mit Voranschreiten nach Südosten immer häufiger die feste Phase
auftritt, vor allem im Bergland. Allerdings reicht es den Modellen nach bei
guter Durchmischung (zunehmender Wind) kaum für eine nennenswerte
Schneeakkumulation, auch nicht in höheren Lagen. Folglich sollten die am Mittag
ausgegebenen Glättewarnungen für höhere Lagen in den westlichen Mittelgebirgen
meist ausreichen.
Der präfrontal etwas zunehmende Gradient und dadurch auffrischende Wind bringt
an der Nordsee und der schleswig-holsteinischen Ostseeküste kurzzeitig
vereinzelt steife Böen um 55 km/h (Bft 7) aus Südwest, postfrontal dreht der
sich dann wieder abschwächende Wind auf Nordwest. Ansonsten weht schwacher,
teils mäßiger Süd- bis Südwestwind.
Die Temperaturen sinken in der Nordwesthälfte unter den Wolken auf 6 bis 0,
sonst bei teils geringer Bewölkung auf 0 bis -8, in einigen Alpentälern über
Schnee lokal auf -10 Grad.
Samstag ... verkürzt der Trog unter Amplifizierung seine Wellenlänge und wandert
mit nun leicht negativer Achsenneigung zur Nordsee und nach Frankreich.
Das okkludierende Frontensystem von NGA dringt damit weiter nach Südosten vor,
sodass sich die Niederschläge bis abends bis auf eine Linie Lausitz -
Oberfranken - Schwaben ausbreiten.
Stellt sich erneut die Frage nach der Phase des Niederschlags, der mit Beginn im
Süden anfangs teils bis in tiefe Lagen, sonst auch in höheren Lagen fest sein
kann. Die Modelle geben geringen Neuschneezuwachs für den Schwarzwald, die
Schwäbische Alb und den Thüringer Wald oberhalb etwa 400 bis 600 m aus, mehr als
1 bis 3, sehr örtlich bis 5 cm werden bis zum Abend aber nicht angezeigt.
Auffallend ist das Muster der Niederschläge: Zunächst ist ein nach Südosten
vorankommendes Niederschlagsband zu erkennen, dem dicht gefolgt ein weiteres
schmales, anfangs kaum aktives Niederschlagsband im Bereich eines schmalen
Höhenjets in 300 hPa mit kräftiger PVA auftaucht. Dieses zweite Band wird im
Tagesverlauf postfrontal durch Labilisierung der Luftmasse aktiviert, sodass mit
Aufbau von geringem ML-CAPE bis 100 J/kg vereinzelt auch Gewitter darin möglich
sind.
Von der Nordsee bis zum Niederrhein trocknet es derweil am Nachmittag wieder ab
und vereinzelt kommt die Sonne zum Vorschein. Außerdem noch trocken bleibt es in
Teilen der Lausitz und im südöstlichen Bayern.
Der Wind frischt präfrontal weiterhin auf, mehr als starke Böen um 45 km/h (Bft
6) gibt es aber meist nicht. In einzelnen Berglagen und an der See kann es
vereinzelt für steife Böen um 55 km/h (Bft 7) reichen, auf dem Brocken für
stürmische Böen um 70 km/h (Bft 8). Hinter dem ersten Niederschlagsband nimmt
der Wind rasch ab, im zweiten Niederschlagsband können konvektiv unterstützt
allerdings erneut starke Böen vorkommen. Der Wind dreht von Südwest mit
Frontpassage auf West bis Nordwest.
Die Temperaturen steigen auf 4 bis 8 Grad unter den Wolken und Regen vom
Südwesten bis in den Nordosten, abseits davon auf 9 bis 12 Grad. Im Bergland
werden 1 bis 7 Grad erreicht.
In der Nacht zum Sonntag tropft der Trog zum westlichen Mittelmeer hin ab,
während das Trogresiduum Nordwestdeutschland ansteuert. Das Frontensystem mit
den beiden Niederschlagsbändern verlagert sich daher weiter in den Südosten,
wobei es im Erzgebirge und in den Alpen unter Auflösungserscheinungen mehr oder
weniger hängen bleibt.
Die Niederschlagssummen betragen 1 bis 10, lokal bis 15 l/m2 in 12 Stunden. Bei
einer Schneefallgrenze von 300 bis 500 m kommen im Süden oberhalb davon 1 bis 5,
lokal um 10 cm Neuschnee zusammen. Am meisten Neuschnee wird vom Allgäu bis zum
Werdenfelser Land simuliert.
Das Trogresiduum ist dagegen nur mit wenig Hebung verbunden, sodass es ihm
schwerfällt, Schauer zu generieren. Ganz vereinzelte schwache Schauer (in
höheren Lagen als Schnee) sind von der Nordsee bis zur Eifel aber nicht ganz
ausgeschlossen. In den anderen Bereichen dazwischen bleibt es im Einflussbereich
eines hereinziehenden Bodenhochkeils trocken und die Wolken lockern zunehmend
auf.
Der Wind weht im Süden schwach bis mäßig, sonst meist nur schwach um West.
In der postfrontal einfließenden Meereskaltluft sinken die Temperaturen auf 2
Grad unter dichten Wolken und bis -3 Grad bei Aufklaren.
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Synoptische Entwicklung bis Montag 06 UTC
Sonntag ... hat sich im Vergleich zur Frühübersicht und der Wiederholung des
Freitagwetters nichts geändert: Unter einem Hochkeil tagsüber ruhig und trocken,
in der Nacht zum Montag Übergreifen eines Frontensystems mit Regen, im Bergland
Schnee und etwas auffrischender Wind vor allem an der Nordsee. Mehr Details sind
der Frühübersicht zu entnehmen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Die Modelle simulieren sehr ähnlich.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Simon Trippler