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18-03-2026 13:50


Wissenschaft Kompakt

Als Deutschland im Schnee versank: Der strenge Winter 2005/2006



Die Ostsee war zugefroren, es gab kräftige Schneefälle in
Norddeutschland und strenge Fröste. Der vergangene Winter war in
weiten Teilen Deutschlands zu kalt. Doch wer ihn bereits als
außergewöhnlich hart empfindet, hat den Winter 2005/2006, einen der
letzten wirklich strengen Winter, wohl beinahe vergessen.



Schon der Auftakt hatte es in sich: Ein stationäres Tief über
Westdeutschland sorgte am 25. November 2005 für bis zu 45 cm nassen
Schnee. Der Verkehr kam vielerorts zum Erliegen und zahlreiche
Strommasten brachen unter der enormen Schneelast zusammen. Dies
sollte als das {LINK1] in die Geschichte eingehen.
Bereits im Dezember stellte sich eine anhaltend winterliche Witterung
ein, die sich ? nur kurzzeitig unterbrochen ? bis in den März hinein
fortsetzte. Verantwortlich dafür war unter anderem eine plötzliche
[Link2] Anfang Dezember. Sie begünstigte wiederholt Hochdrucklagen
über Nordeuropa, die milde Atlantikluft blockierten und stattdessen
kalte Kontinentalluft nach Mitteleuropa lenkten. Charakteristisch für
diesen Winter war das Zusammenspiel stabiler Hochdruckgebiete im
Norden mit aktiven Tiefdruckgebieten entlang der Frontalzone über
Süd- und Mitteleuropa. Das Ergebnis: anhaltende Kälte bei
gleichzeitig wiederkehrenden, teils kräftigen Schneefällen.
Die erste markante Frostperiode stellte sich um den Jahreswechsel
ein. Besonders in der Südosthälfte Deutschlands traten verbreitet
strenge Nachtfröste bis unter ?20 °C auf. Zuvor gefallener Schnee
sorgte für eine nahezu flächendeckende Schneedecke, die im Nordosten
regional bereits eine Höhe von über 30 cm erreichte. Im Bayerischen
Wald wuchs sie rasch auf über einen Meter an. Die Schneemassen
führten schließlich zur Tragödie von Bad Reichenhall, wo das Dach
einer Eissporthalle einstürzte.
Im Januar folgte eine weitere Stratosphärenerwärmung, welche die
winterliche Großwetterlage zusätzlich stabilisierte. Eine lang
anhaltende Hochdruckphase ließ die Luft in Bodennähe stark auskühlen.
Vor allem im Osten und Südosten wurden wiederholt strenge Fröste bis
-18 °C gemessen. Zeitweise bildeten sich ausgeprägte Inversionslagen.
Selbst größere Seen froren zu. Zwischendurch sorgten Tiefausläufer
immer wieder für neue Schneefälle.
Seinen Höhepunkt erreichte der Winter im Februar. In einer
Nordwestlage fielen in den Staulagen der östlichen Mittelgebirge
innerhalb weniger Tage mehr als ein Meter Neuschnee. Mehr als 1.000
Gebäude in den östlichen Mittelgebirgen waren durch die Schneelast
gefährdet. In mehreren Landkreisen, insbesondere in Niederbayern,
wurde Katastrophenalarm ausgelöst. Einsatzkräfte von Feuerwehr,
Bundeswehr und THW waren im Dauereinsatz, um Dächer von Schnee zu
befreien. Dennoch kam es zu Einstürzen. Straßen mussten wegen
Schneebruchs gesperrt werden und die Schneehöhen türmten sich
mancherorts auf über zwei Meter. Auch in den Nachbarländern
Tschechien und Österreich waren Ortschaften zeitweise von der
Außenwelt abgeschnitten.
Während der Übergang zu frühlingshaftem Wetter mit Temperaturen bis
20 °C in diesem Jahr bereits Ende Februar erfolgte, zeigte sich der
März 2006 nochmals von seiner winterlichen Seite. Mit einer Nordlage
gelangte erneut arktische Kaltluft nach Deutschland, begleitet von
atlantischen Tiefdruckgebieten. Es kam verbreitet zu kräftigen
Schneefällen. In Norddeutschland wurden bis zu 40 cm gemessen, im
Alpenvorland 50 bis 100 cm. Auch sonst war ein Großteil Deutschlands
erneut schneebedeckt. Besonders markant war die Lage am 11. und 12.
März, als im Erzgebirge über 50 cm Neuschnee fielen. Insgesamt lag
das Temperaturniveau im ersten Märzdrittel etwa 4 bis 6 Grad unter
dem neuen klimatologischen Mittel.
Erst ab dem 25. März setzte sich schließlich eine nachhaltige
Wetterumstellung durch. Mit einer südlichen Strömung gelangten warme
Luftmassen nach Deutschland und brachten Tauwetter sowie Temperaturen
über 20 °C. In den Hochlagen der östlichen Mittelgebirge hielt sich
die Schneedecke jedoch noch bis in den Mai hinein.
Der Winter 2005/2006 bleibt somit als einer der letzten ausgeprägten
Kälte- und Schneewinter in Erinnerung.
Die folgenden Bilder entstanden am 12.03.2006 auf dem Aschberg in
Klingenthal im oberen Vogtland, das letzte Bild in Carlsfeld von
Mitte März 2006.

Dipl.-Met. Christian Herold

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