DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
16-03-2026 11:30
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Montag, den 16.03.2026 um 10.30 UTC
Blockierung mit Kaltfrontpassage, große Unsicherheiten in der erweiterten
Mittelfrist.
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Synoptische Entwicklung bis zum Montag, den 23.03.2026
Zu Beginn des Mittelfristzeitraums befindet sich ein Hochdruckgebiet über
Schottland, das eine Hochdruckbrücke über Mitteleuropa zu einem Russlandhoch
ausbildet. Die Frontalzone ist dabei weit nach Norden verschoben. Über
Skandinavien erstreckt sich ein Kurzwellentrog, während sich über Osteuropa ein
ausgeprägter Kaltlufttropfen befindet. Mitteleuropa steht somit unter
antizyklonalem Einfluss. Die Temperaturen in 850 hPa liegen im Osten um 0 Grad,
im Westen um +5 Grad, wobei großräumiges Absinken vorherrscht. Mit Annäherung
des Troges über Skandinavien dreht die Strömung über Deutschland zunehmend auf
Nord. Dabei erreicht eine schwache, kaum Wetteraktive Kaltfront den äußersten
Norden Deutschlands.
Am Freitag verstärkt sich das Hoch weiter und verlagert seinen Schwerpunkt in
Richtung Nordsee. Der Kurzwellentrog schwenkt stromabwärts nach Südosten und
verbindet sich mit dem osteuropäischen Kaltlufttropfen zu einem markanteren
Langwellentrog. In der Folge wird mit einer nördlichen Strömung die Kaltfront
südwärts geführt und erreicht die Mitte Deutschlands. Dort kommt es vorwiegend
im Stau der östlichen Mittelgebirge zu leichtem Regen, oberhalb von etwa 700 m
fällt etwasSchnee. Die Temperatur in 850 hPa geht dabei auf Werte unter 0 Grad
zurück.
Zum Wochenende verlagert sich das Hoch etwas nach Osten und bildet eine
langgestreckte Hochdruckzone von Großbritannien über die Nordsee bis nach
Südskandinavien und ins Baltikum. Über Ost- und Südosteuropa setzt ein
Cut-off-Prozess ein, bei dem sich ein Kaltlufttropfen abspaltet und mit der
östlichen Strömung allmählich westwärts verlagert. Zunächst erfasst dieser
Mitteleuropa und im weiteren Verlauf auch Westeuropa. Damit stellt sich eine
High-Over-Low-Lage ein wodurch über Deutschland eine zunehmend östliche Strömung
gelangt, mit der kühlere Luft aus dem Kaltluftkörper des Kaltlufttropfens mit
850-hPa-Temperaturen um oder unter 0 Grad herangeführt wird. Während bodennah
vor allem der Norden weiterhin antizyklonal geprägt bleibt, dominiert in der
Höhe der Kaltlufttropfen. Dieser bleibt jedoch weitgehend wetterunwirksam und
sorgt lediglich zeitweise, vor allem am Samstag für dichtere Bewölkung,
allenfalls treten einzelne schwache Schauer auf.
Zu Beginn der neuen Woche verlagert sich das Hoch weiter nach Osteuropa.
Deutschland verbleibt im Einflussbereich eines Kaltlufttropfens mit einem
Zentrum über Deutschland und einem weiteren über der Iberischen Halbinsel.
In der erweiterten Mittelfrist zieht sich das Hoch weiter nach Russland zurück,
während sich die Strömung über Mitteleuropa zunehmend zonal ausrichtet. Am Rande
eines kräftigen Azorenhochs stellt sich eine westliche bis nordwestliche
Strömung ein, wobei der zyklonale Einfluss allmählich zunimmt.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Der neue IFS-Lauf ähnelt im Wesentlichen den Vorläufen. Die Kaltfront am Ende
der Woche wird etwas später und schwächer simuliert. Es gebiet ebenfalls noch
Unterschiede in der genauen Zugbahn der Kaltlufttropfen, was sich auf die
Temperatur und die Bewölkung am Wochenende auswirkt.
Zu Beginn der neuen Woche unterscheiden sich die Läufe stärker. Während in den
Vorläufen die Entwicklung eines neuen Grönlandblocks simuliert wurde, steht an
seiner Stelle nun ein kräftiges Azorenhoch, an dessen Nordostflanke
Tiefdruckgebiete ins nördliche Mitteleuropa ziehen, was zu einer NOA positeven
Lage, Westwetterlage mit häufigen Rückseiten führen würde.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Die Simulationen sind bis zum Wochenende abgesehen von der genauen Position der
Kaltlufttropfen in allen Modellen ziemlich ähnlich. Danach zeigen sowohl ICON,
als auch GFS ein langsameres ostwärts ziehen des Hochs, wobei es im GFS 0z und
auch im 6z Lauf (hier etwas versetzt) eine Blockade über Nordosteuropa einnimmt
und Tröge somit auf einer relativ südlichen Zugbahn nach Mitteleuropa hinein
ziehen.
Auch die KI-Modelle sind deutlich weniger zonal, simulieren in der erweiterten
Mittelfrist eine irgendwie gearteten Langwellentrog über Mittel- oder
Westeuropa, der zwischen den einzelnen Modellen deutlich Phasenverschoben oder
unterschiedlich ausgeprägt ist.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die IFS-Rauchfahnen sind bis zum Wochenende relativ stark gebündelt und deuten
besonders im Norden auf einen leichten Temperaturrückgang hin. Im Geopotenzial
ist eine etwas größere Streuung erkennbar, was auf die unsichere Lage der
Kaltlufttropfen hindeutet.
Ab Montag hat die Streuung in den neuen Ensembles deutlich zugenommen und
einzelne Member fallen regelrecht ab. Gleichzeitig sind erhöhte
Niederschlagssignale zu erkennen. Insgesamt präsentieren sich die Ensembles im
Mittel etwas kälter als noch im Vorlauf.
Ein ähnliches Bild zeigen auch die GFS-Ensembles, während die IFS-ENS in der
Mehrheit der Ensembles ab dem 24. einen deutlichen Temperaturrückgang sehen.
Dies bestätigt die bestehenden Unsicherheiten bezüglich der Lage in der
erweiterten Mittelfrist. Die Clusteranalysen von IFS zeigen in der erweiterten
Mittelfrist zwei Cluster mit jeweils fast gleich vielen Mitgliedern. Einerseits
einen atlantischen Rücken mit Trog über Mitteleuropa und andererseits ein
skandinavisches Blocking.
Fazit: Die Lage bis zum Wochenende ist im Großen und Ganzen sicher:
Kaltfrontdurchgang am Freitag, am Wochenende nur mäßig warm bis etwas kühl, aber
bodennah antizyklonal mit guten Chancen auf Sonne am Sonntag - allerdings bei
kühlem Ostwind.
Danach ist die Lage äußerst unsicher. Eine stärkere Zonalisierung, wie im
IFS-Hauptlauf, scheint nach wie vor die weniger wahrscheinliche Lösung zu sein.
Allerdings hängt unser Wettergeschehen stark davon ab, wo der Trog zum Liegen
kommt. Um Genaueres sagen zu können, müssen wahrscheinlich noch einige Läufe
abgewartet werden. Mit den neuen Läufen sind allerdings die Chancen für
frühlingshaftes Wetter wie Anfang März gesunken, während deutlich
wechselhafteres Wetter wahrscheinlicher geworden ist. Ein erneuter
Wintereinbruch im Bergland ist zwar nicht die wahrscheinlichste Lösung, kann
aber nicht ausgeschlossen werden.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Die Lage bietet kaum potenzial für signifikantes Wetter. Zum nächsten Wochenende
könnte sich eine leichte Biesenlage einstellen. Stürmische Böen werden aber
weder von Mosmix noch von den Ensembles dabei erwartet
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Basis für Mittelfristvorhersage
Bis Samstag IFS/ICON, MOSMIX, danach IFS-ENS-Mittel.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Christian Herold