DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
15-03-2026 18:01
SXEU31 DWAV 151800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 15.03.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Am Montag Front- und Trogpassage mit labil geschichteter polarer Meeresluft =>
windiges und wechselhaftes Aprilwetter.
Synoptische Entwicklung bis Dienstag 06 UTC
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Aktuell ... nähert sich ein Sonntag dem Ende entgegen, der aus meteorologischer
Sicht nicht viel zu bieten hatte. Leichter Zwischenhocheinfluss, viel Bewölkung,
im Norden und Westen aber auch sonnige Phasen, dazu eher durchschnittliche
Temperaturen. Nun beginnt der Druck von Westen her aber schon wieder zu fallen,
wodurch sich das nächste Tief nebst zyklonaler Entourage anmeldet. Namentlich
handelt es sich um das Sturmtief HEDDA, das unter allmählicher Abschwächung
knapp südlich an Island vorbei die Norwegische See ansteuert. Das zugehörige
okkludierende Frontensystem sowie ein unmittelbar nachfolgender Höhentrog wählen
einen anderen Weg, sie haben sich Mitteleuropa respektive Deutschland als Ziel
auserkoren. Und so dauert es wohl nicht mal mehr bis Mitternacht, bis es von der
Nordsee und den Niederlanden her auch bei uns anfängt zu regnen. Bis zum Morgen
kommt der Niederschlag etwa bis zu einer Linie Westmecklenburg-Harz-Unterfranken
voran. Oberhalb 500 bis 600 m fällt etwas Schnee, so dass es dort glatt werden
kann durch Schneematsch oder etwas Neuschnee.
Ansonsten gilt es zu konstatieren, dass der frontale Niederschlag recht fragil
auftritt und von Westen her quasi nahtlos in Schauer übergeht, weil besagter
Trog mit fetter Höhenkaltluft (im Nordwesten T500 um -33°C, T850 um -3°C)
schneller als die Polizei erlaubt die Westhälfte erreicht. Nicht ausgeschlossen,
dass in den frühen Morgenstunden im Grenzbereich zu BeNe ein kurzes
Graupelgewitter den obligaten Wecker auf dem Nachtschrank ersetzt. Darüber
hinaus frischt der Süd- bis Südwestwind unmittelbar präfrontal böig auf
(Gradient + Low-Level-Jet). Zwar werden die durchaus imposanten Höhenwinde (850
hPa bis 50 Kt, 925 hPa bis 45 Kt) mangels ausreichend Labilität (die steilsten
Lapse-Rates treten erst in der postfrontal einströmenden maritimen Polarluft mP
auf) nur sehr eingeschränkt runtergemischt. Es reicht aber, um an der Nordsee,
im äußersten Westen sowie in den westlichen und zentralen Mittelgebirgen inkl.
Leelagen Böen 7 Bft, auf dem Brocken 8-9 Bft zu generieren.
Im Osten und Süden bleibt es abgesehen von einigen Resttropfen/-flocken
(Nachwirkungen eines nur zögerlich abziehenden KW-Troges) trocken, vorübergehend
lockert die Wolkendecke sogar auf. Dadurch kühlt es gebietsweise auf
Gefrierpunktnähe, teils auch in den leichten Frostbereich ab.
Montag ... starten wir mit vorgezogenem Aprilwetter in die neue Woche. Die Front
wird rasch nach Osten durchgereicht und auch der nachfolgende Trog hat es sehr
eilig, den Vorhersageraum zu überqueren. Damit kann sich die labile, aber nicht
überbordend feuchte Meeresluft polaren Ursprungs (mP) bei uns ausbreiten. Mit
Unterstützung des Tagesgangs entwickeln sich bei wechselnder Bewölkung
wiederholt Regen- und Graupel-, im höheren Bergland auch Schneeschauer, teils
begleitet von Blitz und Donner. Die Hauptlabilität ist direkt unter dem Trog zu
finden, der mit bis zu -35°C kalter Luft (500 hPa) gefüllt ist. Von daher muss
im Norden mit den meisten Schauern gerechnet werden, gefolgt von der Mitte. Die
geringste konvektive Aktivität findet im Südwesten statt, wo Trog und Labilität
keinen richtigen Zugriff bekommen und zudem der Druck von Frankreich her rasch
ansteigt (Azorenhochkeil LUKAS). Im Falle von Schnee- und Graupelschauern bzw.
-gewittern kann es kurzzeitig mal etwas glitschig auf Straßen und Wegen werden,
eine nachhaltige Akkumulation von Schnee oder Eis ist aber nicht zu erwarten.
Über die Schauer hinaus steht der Wind im Blickpunkt des Geschehens. Zwar wird
der o.e. LLJ mit Verlagerung der Front rasch nach Osten weggedrückt und auch der
postfrontale Gradient haut jetzt keinen Meteorologen aus dem Sattel. Er reicht
aber aus, um im Verbund mit der Labilität und den konvektiven Umlagerungen einen
böigen und spürbaren, auf westliche Richtungen drehenden Wind zu initiieren.
Scannt man die riesige Palette numerischer Verfahren dahingehend ab, in welchen
Regionen das Erreichen oder Überschreiten der unteren Warnschwelle (Stärke 7
Bft) wahrscheinlich oder weniger wahrscheinlich ist, bekommt man ein recht
heterogenes Bild geliefert. Vor diesem Hintergrund sind die heute Abend
ausgegebenen Windwarnungen als offensives Produkt der Marke "vor allem in
Schauernähe" zu verstehen, was ein Stück weit den Eindruck des Überwarnens
erweckt und mal wieder die Diskussion anregt, ob Böen 7 Bft überhaupt gewarnt
werden sollten. Auflösung dazu erfolgt an anderer Stelle. Einigkeit herrscht
dahingehend, dass der Nordosten und Südwesten am wenigsten in der Verlosung sind
und warntechnisch somit vorerst außen vor gelassen werden.
Blieben abschließend nur noch die Temperaturen, die sich in der Spitze - höhere
Lagen mal ausgenommen - meist zwischen 7 und 12°C wiederfinden.
In der Nacht zum Dienstag steigen Potenzial und Luftdruck von Westen an, was zu
einer Stabilisierung sowohl im Hinblick auf die Schauer als auch auf den Wind
führt. Gleichwohl kommt es im südlichen und südöstlichen Bayern, teils durch
Staueffekte, noch zu leichten Niederschlägen, die oberhalb 700 bis 1000 m als
Schnee fallen. Ansonsten lockert die Bewölkung gebietsweise auf, hier und da
bildet sich Nebel (Westen/Südwesten). Schon bald zieht im Nordwesten allerdings
wieder mehrschichtige Bewölkung auf, aus der in der zweiten Nachthälfte etwas
Regen fällt. Absender ist die Warmfront des nächsten Sturmtiefs namens KATIE,
das auf ähnlicher Spur wie ihre Vorgängerin HEDDA knapp südlich an Island vorbei
in Richtung Norwegische See zieht. Auf der Nordflanke der Bodenhochparzelle
schwenkt die Warmfront über die Nordsee hinweg ostwärts und tangiert mit ihrer
präfrontalen WLA dabei vor allem die nördlichen Landesteile (nicht vergessen,
vorderseitig eines sich knapp westlich von uns aufwölbenden Potenzialrückens
baut sich über uns eine recht steile nord-nordwestliche Höhenströmung auf, mit
der die WLA recht weit nach Süden ausgreifen kann - spielt auch Dienstag
tagsüber eine Rolle).
Leichter Frost tritt vornehmlich im Osten und Südosten sowie in höheren Lagen
auf.
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Synoptische Entwicklung bis Mittwoch 06 UTC
Dienstag ... präsentiert sich die Wetterlage de jure zwar weitgehend
antizyklonal. De facto wird man das aber mitnichten überall spüren. Vor allem im
Norden sorgt die Warmfrontpassage, auch wenn sie bodennah nur peripher erfolgt,
für dichtes Gewölk mit z.T. tiefen Untergrenzen sowie mitunter leichten Regen
oder Nieselregen. Die Chancen auf größere Sonnenfenster sind am höchsten ganz im
Osten (Osterzgebirge bis hoch nach Ostvorpommern) sowie ganz im Südwesten (vor
allem Südbaden, bedingt Oberschwaben). Den Rhein entlang werden es 15 oder 16°C,
sonst stehen 8 bis 14°C auf dem Zettel. Warntechnisch ist tagsüber nichts aus
der Wetterlage rauszuholen.
Modellvergleich und -einschätzung
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Über das morgige Windgeschehen und dessen warntechnische Abwicklung wurde im
Text bereits ausreichend fabuliert. Ansonsten kann die allgemeine Entwicklung
der Wetterlage als unstrittig angesehen werden.
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann