Thema des Tages
08-03-2026 12:50
Wissenschaft kompakt
Gewitter und Saharastaub
Aktuell sorgt Saharastaub teils für eine deutliche Eintrübung des
Himmels. Diese Staubpartikel können das Wettergeschehen maßgeblich
beeinflussen. Können sie auch Gewitter verstärken?
Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen
in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden
dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig
beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie
Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu
Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit
nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird.
Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen
Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der
Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung
des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an
den Staubpartikeln in der Atmosphäre.
Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die
Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher
häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen.
Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen
als ursprünglich prognostiziert.
Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die
Gewitterbildung?
Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der
Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern.
Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden
Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme
Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die
Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.
Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und
Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass
Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa
häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die
Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal
höher als an Tagen ohne Hagel.
Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert
sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr
unterkühlte Wassertröpfchen bilden - ein entscheidender Prozess für
die Entstehung von Hagel.
Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten
Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die
stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall
werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter
kann teilweise unterdrückt werden.
Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein
differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch
Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter
können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden.
Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte
Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann
langlebige Gewitterzellen fördern.
Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität
auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der
Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen - ein wichtiger
Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können
dadurch häufiger auftreten.
Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte
Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem
südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am
Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas
häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache
Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration
an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren
Entwicklung nehmen.
M.Sc. Meteorologe Nico Bauer
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale
Offenbach, den 08.03.2026
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