DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist
08-03-2026 11:01
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 08.03.2026 um 10.30 UTC
Zunehmend unbeständig, im Süden vereinzelte Gewitter, im Nordwesten und Norden
teils windig, im Bergland auch stürmisch, nicht mehr so warm.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 15.03.2026
Zur Wochenmitte steht zumindest vorübergehend eine Umstellung der Wetterlage an.
Zum Start in den mittelfristigen Zeitraums soll nach dem IFS-EPS noch die
Wetterlage SWa, als eine antizyklonale geprägte Südwestströmung, vorherrschen
und das gesamte EPS vereinen. Im weiteren Verlauf des mittelfristigen Zeitraums
soll dann vor allem die Wetterlage Trog Westeuropa im EPS an Einfluss gewinnen.
Aber auch Süd zyklonal kann mit seinen zahlreichen Unterstützern ein Wörtchen
mitreden. Ab Montag ist die Vielfalt an potentiellen Wetterlagen so groß, dass
eine prägende Struktur nur schwierig zu finden ist. Es kann aber festgehalten
werden, dass ab Donnerstag aufgrund des zyklonalen Einflusses erst einmal etwas
unbeständigere Witterungsbedingungen anbrechen.
Im Detail startet der mittelfristige Zeitraum am Mittwoch nach dem IFS mit
tiefem Geopotential über dem Nordatlantik sowie Nordwest- und Teilen
Nordeuropas. Entgegen steht hohes Geopotential vom Ostatlantik über den
nördlichen Mittelmeerraum und dem Balkan hinweg bis zum Schwarzen Meer und
Südrussland. Entsprechend kann vor allem über dem Atlantik eine deutliche
Zonalisierung beobachtet werden. Über Europa ist diese anfangs aufgrund
schwacher Luftdruckgegensätze sowie eines Kaltlufttropfens über Marokko und
Höhentiefs bei Griechenland noch nicht so stark ausgeprägt. In die Westströmung
ist ausgehend von den Britischen Inseln ein Kurzwellentrog eingebettet, der sich
mit seiner Achse südwärts bis zur Biskaya erstreckt. Bodennah korreliert der
Trog mit einem Bodentrog über der Nordsee und Nordwestfrankreich, in welchem ein
Frontensystem eingelagert ist. Auf der Trogvorderseite sowie mithilfe
kurzwelliger Anteile wird wiederholt PVA generiert, sodass schon vor der Front
im Süden, Westen und Nordwesten sowie in Teilen des Ostens Deutschlands Schauer
möglich sind. Die Temperaturen in 850 hPa liegen dabei zwischen 0 und +6 Grad.
Mit dem auflebenden Südwestwind sind vor allem im westlichen Bergland sowie vom
Niederrhein bis zum Emsland einzelne steife, exponiert auch stürmische Böen zu
erwarten.
Am Donnerstag soll sich aus dem markanten Kurzwellentrog ein eigenständiges,
kleines Höhentief abspalten und bis Freitagabend nach Mittelitalien wandern.
Während das Höhentief am Donnerstag vor allem in der Südhälfte noch ausreichend
Hebung generiert, um schauerartige Niederschläge auszulösen, würden diese mit
Abzug des Tiefs über die Alpen hinweg am Freitag ebenfalls das Land verlassen
bzw. abklingen und bei kompensierendem Absinken vorübergehend
Zwischenhocheinfluss einläuten. Gleichzeitig beginnt sich der Trog über
Nordwesteuropa stark südwärts zu amplifizieren. Am Samstag soll sich nach IFS
dessen Achse von der nördlichen Nordsee über England und Nordwestfrankreich
hinweg bis zu den Pyrenäen erstrecken. Resultierend würde Deutschland auf der
Vorderseite in einer sich stark aufsteilenden Südwest- bis Südströmung liegen.
In diese ist bodennah schließlich ein quasi Strömungsparalleler Frontenzug
eingelagert, der von Samstag bis Montag vom Nordosten bis in den Südwesten
Deutschlands verläuft und teilweise durch PVA verstärkt bzw. intensiviert wird.
Zudem besteht die Option eines Leetiefs am Alpenrand, welches eine
Gegenstromlage in Kraft setzen resultierend zu kräftigeren Niederschlägen im
Südwesten führen könnte. Die Luftmassengrenze trennt dabei die erwärmte
Polarluft von warmer Subtropikluft. Während die Temperaturen in der
Nordwesthälfte am Samstag bei 0 bis -4 Grad liegen sollen, wären es nach
Südosten zu 0 bis +7 Grad.
Ab Montag sieht das IFS eine Art Viererdruckfeld mit Trog über dem
Nordostatlantik und dem Cut-Off über dem zentralen Mittelmeerraum sowie dem
hohen Geopotential über Südwest- und Osteuropa. Entsprechend würde die
Luftmassengrenze hierzulande weiter bestand haben, sich aber abhängig von den
Hebungsimpulsen gegeben falls abschwächen.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs
Die großskalige Geopotential- und Luftdruckverteilung wird von den vergangenen
IFS-Läufen vergleichbar simuliert. Dennoch gibt es im Detail doch signifikante
Unterschiede.
Schon zu Beginn des mittelfristigen Zeitraums am Mittwoch wird der von Westen
auf Mitteleuropa und somit auch Deutschland übergreifende Kurzwellentrog in
Amplitude und beim Timing abweichend prognostiziert. Der neuste Lauf weist dabei
die größte Amplitude auf. Zudem umfasst der Trog zwei kurzwellige Anteile. Der
gestrige 00 UTC-Lauf hatte die geringste Amplitude. Der korrelierende Bodentrog
wies dagegen kaum Unterschiede auf, allenfalls beschreibt der neuste Lauf auch
bodennah die größte Amplitude und eine geringfügig raschere Verlagerung. Beim
dort eingebetteten Frontensystem geht die Tendenz insgesamt zu einer etwas
schnelleren Verlagerung. Somit würden auch die schauerartigen Niederschläge
schon am Mittwoch auf die Nordwesthälfte übergreifen.
Am Donnerstag simuliert der neste Lauf über Benelux sogar ein kleines
Höhenrandtief, welches nachfolgend bis Samstag nach Mittelitalien wandern soll.
Diese Entwicklung zeigte auch der gestrige 00 UTC-Lauf in ähnlicher Form,
während der gestrige 12 UTC-Lauf eher eine ostwärtige Verlagerung des Höhentiefs
aufwies. Den am Freitag startenden und am Sonntag weitgehend abgeschlossenen
Abschnürrrungsprozess über Westeuropa haben allgemein alle Läufe im Programm.
Während die gestrigen Läufe am Sonntag jedoch einen Cut-Off über Südspanien bzw.
Gibraltar bevorzugten, sieht der aktuelle Lauf keine komplette Abkopplung mit
einem Höhentief über dem Golf von Genua. Diese abweichende Entwicklung steht
somit konträr zu den gestrigen Läufen und hat auch auf das Wetter hierzulande
deutliche Auswirkungen. Während nach den gestrigen Interpretationen die
stärksten Hebungsimpulse durch PVA und frontogenetischen Prozessen allenfalls
den Nordwesten streiften und eher über Frankreich und Benelux zu finden waren,
würde die Front nun am Sonntag und Montag einmal quer über Deutschland etwa von
Mecklenburg bis zu den Vogesen liegen.
Zusammenfassend kann also festgehalten werden, dass das IFS-Modell derzeit trotz
großskaliger Übereinstimmung im Detail bei signifikanten Abweichungen nur eine
geringe Konsistenz aufweist.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen
Zum Start in den mittelfristigen Zeitraum am Mittwoch weisen alle betrachteten
Modelle (ICON, GFS, Uk10) eine vergleichbare Geopotential- und
Luftdruckverteilung auf. Auffällig ist dabei, dass keines der anderen Modelle
den Kurzwellentrog über England und Nordwestfrankreich so stark und nach Westen
verschoben im Programm haben wie IFS.
Ebenfalls sind ICON, GFS und Uk10 auch bei der Entwicklung des kleinen markanten
Höhentiefs am Donnerstag passiver unterwegs. Zwar lassen auch ICON, GFS und Uk10
eine Vergrößerung von Wellenlänge und Amplitude zu, bleiben aber weniger markant
und lassen den Trog sich grundsätzlich nach Osten verschoben amplifizieren.
Entsprechend würden bei diesen Modellen die Niederschläge rascher südostwärts
abziehen und Donnerstag anfangs allenfalls im Südosten noch vereinzelte
schauerartige Niederschläge zulassen. Gleichzeitig kann sich aber der Frontenzug
von der Nordsee und Benelux etwas rascher annähern und den Wind im Nordwesten
früher aufleben lassen.
Auch bei den Entwicklungen von Freitag bis Montag mit dem Abschnürrrungsprozess
und dem abschließenden Cut-Off beschreibt der aktuelle IFS-Lauf eine
Außenseitersicht. Alle anderen Modellen stützen weiter den gestrigen IFS-Lauf
mit einer Amplifizierung über Westeuropa und dem resultierenden Cut-Off über der
Iberischen Halbinsel. Entsprechend bleibt der Rücken samt korrelierendem
Bodenhoch stabiler, sodass nach ICON, GFS und Uk10 potentielle frontogenetische
Niederschläge erst ab Freitagabend langsam auf den Nordwesten übergreifen. Vor
allem GFS und ICON bleiben auch danach auf einer Linie und lassen den Frontenzug
auch am Samstag und Sonntag über Nordwest und Teilen Westdeutschlands wo er im
Verlauf schließlich zerbröselt. Beim UK10 sorgt die Entwicklung eines weiteren
markanten Troges mit Höhentief über Südengland, welcher sich ostwärts schiebt,
dafür, dass der Frontenzug analog zum IFS in die Mitte Deutschlands verlagert
und etwa in einem Streifen Mecklenburg-Saarland hängen bleibt. Am Montag nähert
sich GFS den IFS-Vorgaben an, wenngleich die Luftmassengrenze signifikant
schwächer ausfällt.
Fazit Modellvergleich: Der neuste IFS-Lauf eine Einzellösung dar. ICON, GFS und
UK10 stützen eher die IFS-Vorläufe mit einem westlicherem Abschnürrurngsprozess
und somit keinem oder kaum übergreifenden Frontenzug. Entsprechend würde für
weite Teile Deutschland nach unbeständigem Dienstag und Mittwoch ab Donnerstag
wieder eher ruhiges und trockenes Wetter vorherrschen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen
Die Rauchfahnen verschiedener Städte in Deutschland zeigen bis einschließlich
Mittwoch bei einem geringen Spread von Temperatur in 850 hPa und Geopotential in
500 hPa sowie einem definierten Bereich hoher Auftrittswahrscheinlichkeit eine
hohe Vorhersagegüte.
Ab Donnerstag wird der ENS-Raum stark aufgespannt. Der Bereich höherer
Auftrittswahrscheinlichkeiten weist zwar einen Trend auf, fällt aber insgesamt
schwammig aus. Auch wenn der EPS-Raum überwiegend durch wenige Member gespreizt
wird, kann bei einem Spread von 8 bis 12 Grad oder 40 bis 50 hPa nur von einer
geringen Vorhersagegüte gesprochen werden.
Bei der Einordnung des IFS-EPS in übergeordnete Muster werden im Zeitraum von
+72 bis +96h zwei Lösungen benötigt, um alle Unsicherheiten ausreichend zu
beschreiben. Beide Cluster werden dabei dem Schema einer pos. NAO zugewiesen.
Die Unterschiede zwischen den Lösungen sind insgesamt auch als gering anzusehen.
Abweichungen gibt es vor allem beim Kurzwellentrog über den Britischen Insel
sowie dessen ostwärtigen Verlagerung. Das erste Cluster stützt den
IFS-Hauptlauf, während das zweite Cluster eher den Vorgaben von ICON, GFS und
UK10 näher kommt.
Im Zeitraum von +120 bis +168h zeigen sich die stark zunehmenden Unsicherheiten
in insgesamt fünf übergeordneten Mustern. Bis auf Cluster 3, welcher am Ende zum
Blocking wechselt, verbleiben alle anderen Lösungen im Schema einer pos. NAO.
Der Haupt- und Kontrolllauf befinden sich dabei im vierten Cluster. Bei
Betrachtung der größten und wesentlichsten Abweichungen steht der Trog sowie
dessen Abschnürrrungsprozess im Fokus. Das dritte Cluster stützt die anderen
Modelle wie ICON und GFS. Die ersten beiden Lösungen sind dem IFS-Hauptlauf
näher als den anderen Modellen. Beide weisen einen mehr oder weniger starken
Cut-Off über dem nördlichen Mittelmeerraum auf und haben entgegen des Cluster 4
mit dem Hauptlauf den Abschnürrrungsprozess abgeschlossen. Allerdings kommt das
Trog-Residuum entgegen der anderen Modelle ähnlich weit wie bei Hauptlauf
ostwärts voran, sodass sich die Luftmassengrenze bei diesen Lösungen ebenfalls
wahrscheinlich über Deutschland befindet. Da aber über Deutschland gleichzeitig
ein Brücke hohem Geopotential zu verzeichnen ist, welches bodennah hohen
Luftdruck stützt, dürfte die Luftmassengrenze hierzulande eher schwach bis kaum
existent sein und seine Schwerpunkte im Norden/Nordosten und äußersten Süden
haben. Das letzte Cluster beschreibt einen ganz anderen Weg, indem dort kein
Abschnürrrungsprozess stattfindet und die Kurzwellentröge einfach über die
Nordsee hinweg ostwärts gesteuert werden. In diesem Fall würden im Norden
unbeständige Zeiten anbrechen, während im Süden weiter Hochdruckeinfluss Trumpf
wäre.
In der erweiterten Mittelfrist im Zeitraum von +192 bis +240h erklären zwei
Lösungen die Unsicherheiten im EPS-Raum. Während die erste Lösung weiter dem
Schema einer pos. NAO zugeschrieben wird, zeigt das zweite Cluster ein Blocking.
Für das Wetter hierzulande haben beide Cluster jedoch Tröge im Programm, was auf
einen unbeständige Charakter hindeutet. Be Cluster 1 sind jedoch stärkere
Hebungsimpulse zu erwarten, während beim zweiten Muster regional durchaus
höherer Luftdruck mitmischt.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen
Am Mittwoch sind im Warmsektor auf der Vorderseite des Troges über Westeuropa
bevorzugt im Schwarzwald und am Alpenrand vereinzelt Gewitter nicht
ausgeschlossen. Aufgrund der niedrigen Feuchte und PPW ist Starkregen aber
gering wahrscheinlich, wenngleich durch die langsame Verlagerung bzw. stehende
Zellen im Bereich des Möglichen.
Am Donnerstag lebt der Wind im Bergland sowie im Nordseeumfeld auf.
Wahrscheinlichkeiten von 5 bis 20, an der Nordsee örtlich bis 50% lassen dort
vereinzelte stürmische Böen, auf dem Brocken auch Sturmböen zu.
Am Freitag stützen im Westen und Nordwesten sowie Teilen der Mitte 5 bis 35,
gebietsweise bis 50% einzelne stürmische Böen, auf dem Brocken sind Sturmböen
wahrscheinlich, einzelne schwere Sturmböen möglich.
Von Samstag auf Sonntag nach IFS im Südwesten längere anhaltender und teils
kräftiger Regen. Aufgrund der Modellinternen Unsicherheiten sind aber
hierzulande (Vogesen bis 5%) noch keine Wahrscheinlichkeiten für das
Überschreiten der Dauerregenschwelle zu verzeichnen. Zudem beschreibt das IFS
derzeit eine Außenseiterlösung.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS-EPS, ICON-EPS, für TT auch MosMix, det. Läufe wohl allenfalls anfangs
nutzbar.
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Lars Kirchhübel