DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

01-03-2026 11:30

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 01.03.2026 um 10.30 UTC



Zunächst trockenes und (sehr) mildes Frühlingswetter mit Nachtfrostgefahr. Zum
Ende der Woche eventuell wieder unbeständiger.
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Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 08.03.2026


Die am kommenden Mittwoch beginnende Mittelfrist ist geprägt von
Hochdruckeinfluss und einer in der Folge weitestgehend trockenen, milden und
sonnenscheinreichen Witterung. "Oh mega!" wird sich vielleicht manch einer
denken, womit wir schon den Grund für diese Entwicklung gefunden haben: ein
Omega in der Geopotenzialverteilung.

Am Mittwoch wölbt sich der dazugehörige Rücken vom westlichen Mittelmeerraum
über Frankreich bis ins Nordmeer auf. Das korrespondierende, großräumige
Bodenhoch liegt mit seinem Zentrum über Norddeutschland. Als kleiner
Schönheitsfehler präsentiert sich ein Kaltlufttropfen, der sich über dem
östlichen Alpenraum eingenistet hat. Dank Sonneneinstrahlung kann sich über den
Alpen etwas Labilität aufbauen, was dort einzelne Schauer und vielleicht sogar
ein kurzes Gewitter zur Folge haben dürfte.

Stromauf ist über dem Atlantik ein Trog zu finden, der Tuchfühlung zu einem
zuvor abgetropften Höhentief über Marokko aufnimmt. Im Laufe des Donnerstags
kommt die Trog-Rücken-Struktur (inkl. korrespondierender Bodendruckverteilung)
etwas nach Osten voran. Die Achse des Rückens schwenkt über uns hinweg Richtung
östliches Mitteleuropa, wo sich ein kräftiges, eigenständiges Höhenhoch
entwickelt und in der Folge häuslich einrichtet. Damit dreht die Höhenströmung
auf Süd und T850 steigt von 1 bis 4 Grad am Mittwoch auf 3 bis 8 Grad am
Donnerstag.

Auf die 2-m-Temperatur hat das keinen signifikanten Einfluss. Im Westen und
Südwesten steigt sie auf frühlingshafte Werte bis 18 Grad, am Oberrhein auch bis
knapp 20 Grad, im Nordosten muss man sich mit Höchstwerten um 11 Grad
zufriedengeben. Durch den schwachen bis mäßigen Ost- bis Südostwind wird sich
die Luft aber vermutlich etwas kühler anfühlen, als sie eigentlich ist. Deutlich
kühler wird es dagegen in den Regionen, in den sich Nebel- und Hochnebelfelder
zäh halten. Denn diese werden sich in den Nächten vor allem in der Südhälfte
gebietsweise bilden und gerade in den Flussniederungen zum Teil auch tagsüber
länger halten können. Apropos Nächte: In den mitunter klaren Nächten ist in
Teilen der Ost- und Südosthälfte mit leichtem Luftfrost zu rechnen. Leichter bis
mäßiger Frost in Bodennähe wird dagegen nahezu bundesweit ein Thema.

Am Samstag tropft der atlantische Trog über Südwesteuropa ab, sodass sich eine
Potenzialbrücke von den Azoren bis nach Mitteleuropa bildet. Am Boden verlagert
sich der Ableger des Azorenhochs unter Kräftigung zunächst nach
Norddeutschland/Südskandinavien und biegt am Sonntag ins östliche Mitteleuropa
ab.

In der erweiterten Mittelfrist schwächt sich der Hochdruckeinfluss etwas ab,
sodass es wieder etwas unbeständiger werden könnte.
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Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des aktuellen IFS-00-UTC-Laufs kann als sehr gut bezeichnet
werden. Im Detail gibt es naturgemäß gewisse Unterschiede, was hauptsächlich die
genaue Position und Verlagerung der Hochdruckgebiete über Deutschland betrifft.
Selbiges gilt auch für die sie umgebenden Tiefdruckgebiete - besonders die in
höheren Luftschichten ausgeprägten Exemplare. An der anhaltend trockenen und
milden bis sehr milden Witterung in Deutschland ändert dies allerdings nichts.
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Vergleich mit anderen globalen Modellen


Beim Vergleich mit anderen Globalmodellen (ICON, GFS, UK10) fällt schon zu
Beginn auf, dass GFS und UK10 am Kaltlufttropfen über den Alpen festhalten. GFS
lässt ihn am Freitag und Samstag sogar über die Osthälfte Deutschlands nordwärts
ziehen und zeigt dort neben Quellbewölkung auch einzelne Schauer. Interessant
wird am Freitag auch der Abtropfprozess des atlantischen Trogs. ICON lässt dies
über Nordfrankreich geschehen und die vorlaufende Kaltfront auf die Westhälfte
Deutschlands mit Regen und rückseitig -4 Grad in 850 hPa übergreifen, wo sie
sich auch am das gesamte Wochenende über aufhält. "Vogelwild" wird es bei UK10:
Demnach soll die Kaltfront sogar komplett über die Nordhälfte hinwegziehen und
in ihrem Südteil quer über der Mitte liegen bleiben. Dazu soll das Trogresiduum
weiter bis zur Ostsee ziehen, dort erneut abtropfen und das entstehende
hochreichende Tief wieder zurück (also in südwestliche Richtung) in den
Nordosten Deutschlands ziehen.
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Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Rauchfahnen für verschiedene deutsche Städte bestätigen zunächst die milde
bis sehr milde und trockene Witterung. Ab Freitag zeigt der Temperaturtrend (850
hPa) leicht bergab (mit dem Hauptlauf am warmen Rand), wobei der Spread zunimmt
und einzelne Member sogar eine deutliche Abkühlung zeigen. Die Vermutung liegt
nahe, dass das auch die Member sind, die beim Niederschlag ab Freitag wieder
ausschlagen. Die Option, dass der Atlantik es doch schafft, bei uns ab Freitag
frontal aktiv zu werden, scheint also nicht nur extern, sondern auch IFS-intern
zu existieren.

Beim Clustering ergeben sich für den Zeitraum von Freitag bis Sonntag 0 UTC drei
Gruppierungen (C1: 26 Member, C2: 13, C3: 12), wobei Haupt- und Kontrolllauf im
"schwächsten" Cluster C3 zu finden sind. Durch die Bank wird auf dabei auf
Blocking gesetzt mit kräftigen Rücken, der sich über uns aufwölbt. C1 ähnelt
dabei etwas der UK10-Lösung und lässt das Trogresiduum am Freitag/Samstag um den
Rücken herum wandern und die Kaltfront zumindest über die Nordhälfte
hinwegziehen. C2 ähnelt dagegen sehr C3, sodass man beide Cluster zusammenlegen
könnte, die dadurch auf Augenhöhe mit C1 wären.

Von Montag bis Mittwoch 0 UTC (erweiterte Mittelfrist) werden ebenfalls drei
Cluster angeboten, wobei C1 nun sogar 29 Mitglieder umfasst. Haupt- und
Kontrolllauf sind im mit 18 Membern zweitstärksten Cluster integriert, Cluster 3
besitzt nur 4 Member. Auch wenn C1 offiziell dem Regime NAO+ zugeordnet wird
(alle anderen durchweg Blocking) halten doch alle mehr oder weniger am
blockierenden Rücken irgendwo über Mitteleuropa fest, wobei dieser durch
fortwährende Trogvorstöße und Passagen von Kurzwellentrögen ganz schön in die
Mangel genommen wird.

FAZIT: Der Frühling hält zwar weiter an, die Hinweise für Störungen, sei es
durch frontale Aktivität des Atlantiks oder (kleinräumige) Höhentiefs, nehmen ab
Freitag aber etwas zu. Abseits von Frost- und Nebelwarnungen dürften aber
trotzdem kaum weitere Parameter auf der Warnkarte auftauchen - von markanten
Ereignissen ganz zu schweigen.
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Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Es werden keine signifikanten Wettererscheinungen erwartet.
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Basis für Mittelfristvorhersage
IFS(-EPS), ICON(-EPS), GFS, UK10, MOSMIX
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VBZ Offenbach / Dipl. Met. Tobias Reinartz