DWD Synoptische Übersicht Kurzfrist
01-01-2026 18:30
SXEU31 DWAV 011800
S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T K U R Z F R I S T
ausgegeben am Donnerstag, den 01.01.2026 um 18 UTC
SCHLAGZEILE:
Prosit Neujahr! - Fescher Jahresstart mit zunehmend winterlicher Komponente.
Synoptische Entwicklung bis Samstag 06 UTC
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Aktuell ... hat das wetterbestimmende Sturmtief TIZIAN mit etwas unter 975 hPa
im Tank südschwedisches Festland erreicht, von wo es in den nächsten Stunden
weiter in den Raum Gotland zieht. Auf seiner Rückseite hat TIZIAN inzwischen
"gekalbt", sprich, durch Umströmungseffekte an der Südspitze Norwegens hat sich
ein keines giftiges Rand- bzw. Teiltief entwickelt, das via Kimbrische Halbinsel
in Richtung Bornholm zieht. Und damit´s nicht langweilig wird, wird stromauf,
also über der nördlichen Nordsee, noch ein scharf geschnittener Bodentrog
installiert, in den man sogar eine Kaltfront legen kann (in der Analyse von 12
UTC noch als Okklusion geführt). Vor dem Hintergrund, dass das Ganze von einem
mit reichlich Polarluft gefüllten Potenzialtrog überlagert ist (T500 in
Norddeutschland um -35°C über T850 um -5°C), der sich von Nordeuropa her
inzwischen bis nach Mitteleuropa ausgeweitet hat, wird rasch klar, dass sich die
Wetterlage vorerst nicht beruhigt.
So nimmt der Südwest- bis Westwind in der kommenden Nacht nicht allzu viel ab,
auch wenn die stürmischen Böen 8 Bft im norddeutschen Binnenland vorübergehend
weniger werden. An der See legt der Wind nach einer kurzen abendlichen
Kunstpause (wo es aber weiterhin stürmisch bleibt) wieder zu, so dass zunächst
an der Nord-, später auch an der Ostsee mit Böen bis Stärke 10 Bft (schwerer
Sturm) gerechnet werden muss. Ähnlich scharf bläst es in einigen Hochlagen des
Berglands, wo die berühmt-berüchtigten Pappenheimer Fichtelberg und Brocken
sogar mit orkanartigen (FB) oder Orkanböen (B) 11 bis 12 Bft aufwarten.
Zweite Baustelle neben dem Wind betrifft den Niederschlag, genauer, den
Schneefall. So sinkt die Schneefallgrenze in der Nacht nicht nur bis in tiefe
Lagen, die Schneefälle respektive Schneeschauer weiten sich auch immer mehr in
den anfangs noch von leichtem Hochdruckeinfluss bestimmten Süden aus. Weitgehend
niederschlagsfrei bleibt es wohl nur noch südlich der Donau. Ansonsten dürfte
die flüssige Phase (oder Mischphase) mit zunehmender Nachtlänge lediglich noch
in küstennahen Arealen auftreten, wo auch kurze Wintergewitter mit Sturmböen am
Start sein können. Ansonsten kann es aber durchaus passieren, dass auch in
Teilen Norddeutschlands, wo es tagsüber ja meist geregnet hat, sich hier und da
eine Nassschneedecke bildet oder zumindest Schneematsch an die aktuell gültige
Jahreszeit erinnert. Zur Mitte und nach Süden reicht die Spanne potenzieller
Neuschneeerträge von wenigen Flocken ohne durchgehende Schneeauflage bis hin zu
3,4 oder 5 cm. Davon abheben tut sich allerdings ein Korridor, der von den
Niederlanden über Westfalen bis hinüber in die Harzgegend bzw. das Eichsfeld
reicht. Hier deuten sich im Rahmen einer gut definierten Schauerstraße etwas
höhere Neuschneemengen an, die bis in tiefe Lagen um oder sogar über 5 cm, im
Stau von Sauerland, Eggegebirge, und Harz sogar 10 bis 15 cm betragen können.
Dazu gesellen sich in den höchsten Lagen Schneeverwehungen, welche die ohnehin
schon alles andere als gut funktionierende Schneehöhenmessung noch erschweren.
Bliebe nur noch zu erwähnen, dass die Temperatur in der Südhälfte (nur wenige
Ausnahmen in tiefen Lagen) sowie allgemein im mittleren und höheren Bergland auf
0 bis -5, an den Alpen lokal bis -9°C zurückgeht.
Freitag ... nistet sich TIZIAN im Raum Gotland ein, wo er getreu den guten
Vorsätzen fürs neue Jahr sein barisches Gewicht von etwas unter 975 hPa hält -
Respekt. Das kleine Randtief mutiert zu einem Bodentrog, der sich an die
Südflanke von TIZIAN hängt, wo er keine große Rolle mehr spielt. Für uns rückt
dafür im Tagesverlauf der o.e. hintere Bodentrog nebst korrespondierendem
KW-Trog in der Höhe und eingebetteter Kaltfront in den Fokus, die zum Nachmittag
von der Nordsee übergreifen. Bevor es soweit ist, dehnt sich der überlagerte
Haupttrog noch etwas weiter nach Südwesten aus, wodurch quasi das ganze Land mit
hochreichender Polarluft geflutet wird (T500 mit Ausnahme des äußersten Südens
-35 bis -38°C über T850 -6 bis -9°C). Kurzum, das Wetter bleibt sehr
abwechslungsreich mit Wind, Wetter und Niederschlag, der nun auch in tiefen
Lagen zunehmend auf Schnee gepolt ist.
So kommt es bei wechselnder bis starker Bewölkung zu weiteren Schneefällen bzw.
Schneeschauern unterschiedlicher Intensität, ganz im Norden garniert mit einigen
kurzen Wintergewittern (+ Böen 8-9 Bft). Nicht immer bleibt im Tiefland alles
überall liegen, aber sicher sein kann man sich nicht. Wie man sich denken kann -
nicht untypisch für Troglagen - sind die Niederschlagsprognosen alles andere als
kongruent, was das Warnmanagement nicht gerade vereinfacht. Teils wird eine
gelbe Warnung nötig mit 1 bis 5, in Staulagen bis 10 cm (Allgäu bis 15 cm),
teils reicht eine Glättewarnung. Ein Schwerpunkt wird nach wie vor in NRW
gesehen, wenn auch etwas weiter südlich als in der Nacht. Und auch NDS sowie der
Hamburger Raum werden von einigen Modellen strichweise mit einer ordentlichen
Packung Schnee versorgt, so dass vielleicht sogar über eine markante Warnung
nachgedacht werden muss - schwierig! In Hochlagen einiger Mittelgebirge
(Erzgebirge, Oberharz, Bayerischer Wald, Sauerland) muss weiterhin mit teils
kräftigen Verwehungen gerechnet werden.
Zum Wind, der auch morgen wieder prominent unterwegs ist aus Südwest bis West,
bevor er im Tagesverlauf im Norden auf Nordwest dreht. Zwar ist der Gradient
nicht mehr ganz so scharf wie heute (weniger als 25 hPa Nord-Süd), dafür greift
die Labilität weiter nach Süden aus, was den vertikalen Impulsaustausch
verbessert. Heraus kommen am Ende verbreitet Böen 7-8 Bft, bei kräftiger
Konvektion vereinzelt 9 Bft. Höhere Berglagen kommen auf 9-10 Bft, Fichtelberg
bis kleine 11 Bft, Brocken bis 12 Bft. An der Küste läuft der Hase so, dass der
Wind an der Ostsee vorübergehend nachlässt, während er an der Nordsee mit
Annäherung des Bodentrogs und Drehung auf NW bereits am Vormittag ordentlich
zulegt mit Böen bis 10 Bft. Am Nachmittag/Abend wird´s dann auch an der Ostsee
wieder mehr (7-8 Bft, exponiert 9 Bft aus Nordwest).
Höchsttemperatur 0 bis 5°C, oberhalb etwa 500 m leichter Dauerfrost.
In der Nacht zum Samstag schwenkt der Bodentrog über den Osten hinweg, was dort
mit einem nochmaligen Windmaximum 7-8 Bft einhergeht. Danach fächert der
Gradient auf und vor allem an der Nordsee bricht der Sturm komplett zusammen bis
fast zur Windstille. In den Hochlagen des Berglands lässt der Wind ebenfalls
etwas nach, trotzdem bleibt es vielfach noch stürmisch.
Schneetechnisch deutet sich eine abnehmende Tendenz der Niederschlagsaktivität
an, mit zwei Ausnahmen. In der 2. Nachthälfte sorgt ein neuerlicher, von der
Deutschen Bucht reinschwenkender Randtrog für ein Aufleben der Schauer im
Nordwesten. Und ganz im Süden zieht eine flache Welle durch, die 1 bis 5, im
Stau des Schwarzwalds bis 10, im Allgäu bis zu 15 cm Neuschnee bringt. Damit
akkumuliert sich der Neuschnee im Allgäu bis Samstagvormittag auf willkommene 10
bis 20, lokal bis 30 cm, im Schwarzwald etwas weniger.
Die Temperatur sinkt verbreitet in den leichten, bei längerem Aufklaren sowie
allgemein ab mittleren Lagen des Berglands in den mäßigen Frostbereich - Glätte
durch Schnee oder gefrierende Nässe gratis on top.
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Synoptische Entwicklung bis Sonntag 06 UTC
Samstag ... nur ganz kurz: weiterhin Trog- bzw. Tiefrandlage mit hochreichender
Polarluft arktischen Ursprungs. Weitere Schneeschauer, teils in Straßen
organisiert, im Norden und in der Mitte mehr als im Süden. Weniger Wind als an
den Vortagen, an der See nicht mehr stürmisch. Nur noch -1 bis +3°C, im Bergland
Dauerfrost.
Modellvergleich und -einschätzung
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In den Grundpfeilern steht die Vorhersage. Schwierig ist nach wie vor die
Bewertung der Niederschlagsphase (wann geht´s im Norden und Westen von Regen in
Schnee über) sowie die genaue Positionierung der Schwerpunkte. Gerade die
markante Schliere im Westen wird immer mal wieder leicht versetzt simuliert, was
prophylaktisches Warnmanagement erschwert. Schwer einzuschätzen auch die
Verwehungsgefahr in den Hochlagen, was u.a. auch an den spartanischen
Schneehöhenmessungen liegt. Nun ja, wenn man glaubt, alles automatisieren zu
können, wird man schnell mal eines Besseren belehrt. Hilft aber nix...
Vorhersage- und Beratungszentrale Offenbach
Dipl. Met. Jens Hoffmann