DWD Synoptische Übersicht Mittelfrist

14-04-2024 10:01

S Y N O P T I S C H E Ü B E R S I C H T M I T T E L F R I S T
ausgegeben am Sonntag, den 14.04.2024 um 10.30 UTC



Kalt und wechselhaft. Höheres Bergland und an den Alpen mit Schneefällen.
__________________________________________________________

Synoptische Entwicklung bis zum Sonntag, den 21.04.2024


Die Mittelfrist beginnt am Mittwoch mit einer Troglage. Der Langwellentrog
überdeckt dabei große Teile Nord- und Mitteleuropas und reicht über das zentrale
Mittelmeer bis zu den Küsten Nordafrikas. Komplettiert wird das Bild von einer
steuernden Antizyklone westlich Irlands und tiefem Druck vom Balkan bis
Osteuropa. Dabei gelangt instabile Meereskalt aus polaren Breiten nach
Mitteleuropa. Schauerartige Niederschläge fallen im Bergland teilweise als
Schnee und sind allgemein von einzelnen Graupelgewittern begleitet. In höheren
Staulagen, vor allem der Alpen, kann es kräftig schneien. In tiefen Lagen wird
die 10°C Marke gebietsweise nicht erreicht und nachts gibt es bei Aufklaren zum
Teil leichten Frost.
Am Donnerstag schwenkt die Trogachse leicht ostwärts und wir gelangen an die
Westseite des Troges, wobei sich über die Nordsee ein flacher Höhenrücken
nähert. Die Zufuhr kalter und labiler Luftmassen setzt sich fort, damit auch das
Schauerwetter. Dennoch dürfte sich steigender Druck und eine leichte
Absinktendenz von Nordwesten her in vermehrten Aufheiterungen niederschlagen.
Das kann allerdings auch für die Nacht zum Freitag erhöhte Frostgefahr bedeuten.

Am Freitag schwenkt die Trogache Richtung Osteuropa und wir liegen unter einer
zyklonalen Nordwestströmung. Ein breiter Höhenrücken überdeckt den nahen
Nordostatlantik und SW Europa. In der Nordwestströmung bei uns zieht eine
Kurzwelle mit einer teilokkludierten Kaltfront über die Nordsee heran. Sie hält
das unbeständige Wetter mit schauerartigen Niederschlägen und der Zufuhr sehr
kühler Meeresluftmassen aus hohen Breiten aufrecht. Temperaturen und
Schneefallgrenze steigen leicht an, mehr als 12/13°C gibt es aber kaum und in
Gipfellagen fällt weiter zum Teil Schnee. Der West- bis Nordwestwind frischt
zwar auf, sonderlich markant fällt die Windzunahme aber nicht aus.
Am Samstag amplifiziert sich der atlantische Rücken ins Nordmeer, während
stromab, auf der Rückseite eines über die Ostsee nach Polen ziehenden Tiefs,
kalte Luft von Skandinavien wieder verstärkt nach Süden fließt. Damit weitet
sich auch der Langwellentrog wieder nach Südwesten, Richtung Mitteleuropa aus.
Die polare Luft ist weiter instabil und es treten bei wolkenreichen
Verhältnissen wiederholt Schauer oder schauerartige Niederschläge auf, bis ins
Flachland bei kräftigen Schauern teils Graupel, eventuell Schneeregen. Auch
kurze Gewitter sind möglich und im Bergland kann die Schneefallgrenze bis in
mittlere Lagen sinken. In Staulagen, besonders wieder in denen der Alpen, deuten
sich stärkere Schneefälle an. Etwaige Bodentröge sind auch für regional
stärkeren Wind gut, wie teilweise für den Norden und Osten angedeutet wird. Hier
wird die Prognose aber unsicher.
Am Sonntag kann der Trog nach Mitteleuropa abtropfen, während über Skandinavien
Druck- und Geopotential steigen. Der Übergang in ein Blocking des Typs "High
over low" wäre möglich. Zyklonal geprägt und kalt mit Spätwinter im Bergland
bliebe es nach dieser Lösung für Deutschland aber allemal.
In der erweiterten Mittelfrist geht es wahrscheinlich kalt und wechselhaft
weiter mit der am Sonntag erwähnten Option "high over low".
__________________________________________________________

Bewertung der Konsistenz des operationellen Laufs


Die Konsistenz des europäischen Modells ist gut. Die letzten Lösungen
unterschieden sich zunächst nicht viel, nur in Phase und Amplitude der kurzen
Wellen. Das mittelfristig kalte Wetter ist unstrittig. Zum Ende wurde das
Abtropfen des großen Troges auch schon simuliert, aber noch weiter östlich.
__________________________________________________________

Vergleich mit anderen globalen Modellen


Echte Alternativen haben die anderen Globalmodelle nicht auf der Karte. Alle
zeigen die Zufuhr kalter Polarluft zu uns und sind sich auch beim wechselhaften
Wettercharakter einig. Nur UKMO deutet für das nächste Wochenende mit dem
Ausweiten des Hochs von den Britischen Inseln nach Mitteleuropa eine
Wetterberuhigung an. Zuvor haben aber auch alle Modelle das Tief vom Freitag zu
Samstag auf dem Weg von Südskandinavien ins östliche Mitteleuropa auf der Karte.

Danach stützen die meisten Modelle (außer UKMO) die Abtropftendenz des Troges zu
uns hin, wobei ICON sich damit mehr Zeit als GFS und IFS lässt.
__________________________________________________________

Bewertung der Ensemblevorhersagen


Die Ensembles stützen anhand der Rauchfahnen die Ergebnisse des Hauptlaufs. Es
bleibt bis in die erweiterte Mittelfrist kalt, wie die Kurven der 850er
Temperaturen diverser deutscher Städte mit 0 bis -5°C nahelegen, und wohl auch
unbeständig. Allerdings wird der Spread in den Geopotentialkurven ab dem
nächsten Wochenende größer und der Hauptlauf liegt bei den niedrigsten Lösungen.
Bei zunehmenden Unsicherheiten deuten die Ensembles somit auch antizyklonalere
Varianten an, was auch die leicht abnehmenden Niederschlagssignale suggerieren.
Die Clusterung bietet für Mittwoch und Donnerstag nur einen Cluster mit einer
schönen Troglage für Mitteleuropa an.
Der Rest der Mittelfrist geht mit einer zyklonalen Nordwest- bis Nordlage über
die Bühne, u.a. weil in allen Clustern die Trogachse etwas nach Osten rutscht.
Die Lösungen werden dann vermehrt in Blocking, statt wie zuvor "Atlantic ridge"
einsortiert.
In der erweiterten Mittelfrist gibt es 6 Cluster. Die 3 größten mit zusammen 32
Membern zeigen hohes Geopotential über Nordeuropa und Trogstrukturen über
Mitteleuropa.
Eindrucksvoll findet sich das im "Großwetterlagenbaum" von Paul James wieder,
der bis zum Ende mit kalten zyklonalen Wetterlagen aufwartet.
_________________________________________________________

Wahrscheinlichkeiten für signifikante Wettererscheinungen


Die schauerartigen Niederschläge und kalten Luftmassen werden zu einer Rückkehr
des Winters im höheren, vorübergehend vielleicht sogar im mittleren Bergland
oberhalb 600m führen. Vor allem an den Alpen deuten sich in Staulagen zeitweise
kräftigere Schneefälle zur Wochenmitte und am nächsten Wochenende an. Die
Windentwicklung spielt bei einer solchen Lage oft keine große Rolle, im Bergland
und bei Graupelgewittern sind aber stürmische Böen möglich. Eigentlich nicht
markant, könnte die Frostgefahr bei Aufklaren für die weit fortgeschrittene
Vegetation wichtig werden.
________________________________________________________

Basis für Mittelfristvorhersage
MosMix, IFS + EPS
________________________________________________________


VBZ Offenbach / Dipl. Met. Bernd Zeuschner